Vor al­lem ei­ne Fra­ge der Moral

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Bayern - VON TILL HOF­MANN Er­mitt­lun­gen ge­gen Förs­ter ioa@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Ein Mann geht zu ei­ner Pro­sti­tu­ier­ten. Bei­de ha­ben Sex mit­ein­an­der. Der Mann filmt das – of­fen­bar ge­gen den Wil­len der Frau. Es kommt zum Streit. Das Aus­maß der Aus­ein­an­der­set­zung ist noch nicht be­kannt. Der Mann wird an­ge­zeigt.

In die­ser „Preis­klas­se“be­wegt sich – nach al­lem, was bis­her be­kannt ist – das, wes­we­gen seit zwei Wo­chen die Staats­an­walt­schaft Augs­burg er­mit­telt. In 99 Fäl­len er­regt das kein gro­ßes Auf­se­hen. In die­sem Fall schon: Denn es ist nicht ir­gend­ei­ne Per­son, die sich den Vor­wür­fen aus­ge­setzt sieht. Es han­delt sich um den Be­zirks­vor­sit­zen­den der schwä­bi­schen SPD, Li­nus Förs­ter. Der ist ei­ne Per­son des öf­fent­li­chen In­ter­es­ses – und des­halb wird die Pri­vat­sa­che des 51-Jäh­ri­gen plötz­lich zum Politikum.

Da­mit ver­sucht er gera­de – und auch auf Druck sei­ner Par­tei – um­zu­ge­hen. Es ist rich­tig, dass Förs­ter zu­nächst den Be­zirks­vor­sitz ru­hen lässt – eben­so sein fach­po­li­ti­sches Spre­cher­amt in der Land­tags­frak­ti­on.

Viel­leicht wird das nicht rei­chen. Was straf­recht­lich hän­gen bleibt, ist der­zeit noch un­klar. Bis­lang geht es vor al­lem um ei­ne Fra­ge der Moral. Die ist ju­ris­tisch nicht mess­bar. So ist je­dem selbst über­las­sen, wie er das (Fehl-)Ver­hal­ten Förs­ters be­ur­teilt – oder ob er es ver­ur­teilt.

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