Der Pech­vo­gel

FC Augs­burg Jan Mora­vek hat 14 teils schwe­re Ver­let­zun­gen hin­ter sich. Jetzt will er sich wie­der auf Fuß­ball kon­zen­trie­ren und zu mehr Ein­sät­zen kom­men. Am liebs­ten schon ge­gen Her­tha BSC Ber­lin

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport Regional - VON WOLF­GANG LANGNER

92 Mi­nu­ten hat Jan Mora­vek in die­ser Bun­des­li­ga-Sai­son bis­her für den FC Augs­burg ge­spielt. So­zu­sa­gen ei­ne Par­tie plus Nach­spiel­zeit. We­nig und den­noch ir­gend­wie auch viel für ihn. Denn Mora­vek nur als Pech­vo­gel zu be­zeich­nen, wä­re ei­ne Un­ter­trei­bung. Liest man die Lis­te sei­ner Ver­let­zun­gen, könn­te die von ei­ner ge­sam­ten Fuß­ball­mann­schaft stam­men.

In den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren wa­ren es, wenn man ei­ne Ge­hirn­er­schüt­te­rung da­zu­zählt, 14 Ver­let­zun­gen. Dar­un­ter ei­ni­ge, die Fuß­bal­ler fürch­ten, wie der Teu­fel das Weih­was­ser – ein Kreuz­band­riss oder ein Mus­kel­fa­ser­riss. Und im­mer wie­der mus­ku­lä­re Pro­ble­me. Seit ei­ni­gen Wo­chen fühlt sich der tsche­chi­sche Mit­tel­feld­spie­ler aber top­fit. „Ich ha­be die Trai­nings­ein­hei­ten al­le mit­ge­macht und füh­le mich wohl.“Mora­vek ist ei­ner der tech­nisch ver­sier­tes­ten Spie­ler beim FCA, muss sich mo­men­tan aber hin­ten an­stel­len. Für ihn ein Pro­blem: „In mei­ner Si­tua­ti­on ist man zu­nächst ein­mal froh, dass man wie­der da­bei ist. Na­tür­lich wür­de ich ger­ne mehr spie­len, aber ich den­ke, der Trai­ner stellt so auf, wie es am bes­ten für die Mann­schaft ist.“

Mora­vek galt einst als ei­nes der größ­ten Ta­len­te im tsche­chi­schen Fuß­ball. Be­reits als 17-Jäh­ri­ger de­bü­tier­te er als A-Ju­gend­li­cher bei den Pro­fis von Bo­he­mi­ans Prag. Das Ta­lent blieb in Deutsch­land nicht ver­bor­gen, denn als er 19 Jah­re alt war, wur­de Mora­vek vom FC Schal­ke 04 ver­pflich­tet. Spä­ter wur­de er zum 1. FC Kai­sers­lau­tern aus­ge­lie­hen, ehe ihn 2012 der FCA ver­pflich­te­te. Spä­tes­tens ab die­sem Zeit­punkt war Mora­vek vom Pech ver­folgt. Das liest sich aus sei­ner bis­he­ri­gen FCA-Bi­lanz her­aus. In den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren kommt Mora­vek auf bis­her 50 Spie­le beim FCA. Jetzt hofft er auf ei­ne Wen­de: „Ich ge­be Gas und war­te auf mei­ne Chan­ce.“Er sieht sich von sei­nem Trai­ner Dirk Schus­ter da­bei auch fair be­han­delt: „Na­tür­lich ha­ben wir schon über mei­ne Si­tua­ti­on ge­spro­chen. Ich muss jetzt ein­fach Ge­duld ha­ben. Das ist für ei­nen Fuß­bal­ler aber ein ganz nor­ma­ler Vor­gang.“Mit der bis­he­ri­gen Sai­son ist Mora­vek zu­frie­den. Je­den­falls was die Leis­tun­gen des FCA be­trifft: „Mit et­was Glück hät­ten wir viel­leicht auch ein paar Punk­te mehr ho­len kön­nen, aber elf Punk­te sind nicht so schlecht. Wich­tig ist, dass wir vor Weih­nach­ten noch ei­ni­ge Punk­te sam­meln. Da­mit kön­nen wir jetzt gleich ge­gen Her­tha an­fan­gen.“Al­ler­dings rech­net Mora­vek mit ei­nem sehr schwe­ren Spiel am Sams­tag um 15.30 Uhr im hei­mi­schen Sta­di­on: „Als in der ver­gan­ge­nen Sai­son Trai­ner Pal Dar­dai die Mann­schaft über­nom­men hat, wur­de schnell sicht­bar, wie viel Po­ten­zi­al in die­ser Mann­schaft steckt.“

In die­ser Sai­son wach­sen die Ber­li­ner um die bei­den ehe­ma­li­gen Augs­bur­ger Se­bas­ti­an Lang­kamp und Alex­an­der Ess­wein fast über sich hin­aus. Mo­men­tan hat sich die Her­tha auf dem vier­ten Platz ein­ge­nis­tet. „Her­tha hat jetzt ei­ne su­per ein­ge­spiel­te Mann­schaft. Wir müs­sen uns gut prä­sen­tie­ren.“Ob er da­bei mit­hel­fen kann oder darf ist frag­lich. Jan Mora­vek wä­re je­den­falls über je­de Mi­nu­te froh.

„In mei­ner Si­tua­ti­on ist man zu­nächst ein­mal froh, dass man wie­der da­bei ist.“ Jan Mora­vek

Fo­to: Wag­ner

Jan Mora­vek.

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