Schlech­tes Wet­ter ist ein dehn­ba­rer Be­griff

Fuß­ball Was Spiel­grup­pen­lei­ter Ge­org Bu­cher von so man­cher Spiel­ab­sa­ge im Herbst hält und wel­che Maß­nah­men er ge­gen vor­ge­täusch­te Ab­sa­ge­grün­de hat

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburger Land - VON REINHOLD RADLOFF

Schwab­mün­chen/Land­kreis Es ist je­des Jahr das Glei­che: Kurz vor der Weih­nachts­pau­se wer­den Fuß­ball­spie­le an­geb­lich we­gen schlech­ten Wet­ters und Un­be­spiel­bar­keit des Ra­sens ab­ge­sagt. Die Not­wen­dig­keit da­für ist nicht im­mer klar er­kenn­bar, auch nicht für Spiel­grup­pen­lei­ter Ge­org Bu­cher aus Schwab­mün­chen. Doch sei­ne Mög­lich­kei­ten, et­was ge­gen vor­ge­täusch­te Spiel­ab­sa­gen zu un­ter­neh­men, sind be­grenzt.

Sich über die fuß­bal­le­ri­sche Pro­ble­me in sei­nen Li­gen vor al­lem im Mo­nat No­vem­ber zu är­gern, hat sich Spiel­grup­pen­lei­ter Ge­org Bu­cher schon ab­ge­wöhnt. „Ich ma­che das Ge­schäft jetzt 22 Jah­re. Da er­lebt man so viel und weiß, dass es nichts hilft, sich auf­zu­re­gen.“

Ist der Ra­sen wirk­lich un­be­spiel­bar? Ist das Wet­ter wirk­lich zu schlecht, dass man Fuß­ball spie­len kann? Oder ste­cken an­de­re Grün­de da­hin­ter, dass so man­ches Spiel ab­ge­sagt wird? Bu­cher sagt da­zu: „Ers­tens ha­be ich kein Recht, die Platz­qua­li­tät oder das Wet­ter of­fi­zi­ell zu be­ur­tei­len, zwei­tens will ich das in­zwi­schen auch nicht mehr.“Bei der ers­ten Spiel­ab­sa­ge des Ver­eins pro Sai­son hat der Schwab­münch­ner oh­ne­hin kein Recht, et­was da­ge­gen zu un­ter­neh­men. „Die­ses Recht steht den Clubs laut Sat­zung zu.“Beim zwei­ten Mal sieht es an­ders aus: „Wenn ich der Mei­nung bin, dass auf dem geg­ne­ri­schen Platz ge­spielt wer­den kann, darf ich das Heim­recht ein­fach dre­hen, na­tür­lich nur mit Ein­ver­ständ­nis des neu­en Heim­ver­eins“, sagt der Spiel­grup­pen­lei­ter.

Ihm ist auch be­wusst, das es manch­mal wirk­lich trif­ti­ge Grün­de Ab­sa­gen gibt, die nichts mit dem Wet­ter zu tun ha­ben. „Dann kann man ja mit mir dar­über re­den“, sagt er. Wenn er sich al­ler­dings „ver­arscht“fühlt, dann kann er auch stur re­agie­ren. „Vie­le Ver­letz­te oder ein schlech­ter Lauf ei­ner Mann­schaft, das sind je­den­falls kei­ne Grün­de für ei­ne „wit­te­rungs­be­ding­te“Ab­sa­ge.“

Ob sich an der Si­tua­ti­on, dass es zu Spiel­ab­sa­gen im No­vem­ber kommt, grund­sätz­lich was än­dern lässt, das glaubt Bu­cher eher nicht. „Wir ha­ben das Wet­ter nicht im Griff. Manch­mal schneit es schon im Ok­to­ber, manch­mal ist im De­zem­ber das al­ler­bes­te Fuß­ball­wet­ter“, weiß Bu­cher, der des­halb von ei­ner grund­sätz­li­chen Spiel­plan­ver­än­de­rung im Herbst nichts hält. „Fle­xi­bel zu re­agie­ren wä­re gut. Doch das kann man den Ver­ei­nen nicht an­tun. Die müs­sen ih­re Ter­mi­ne ja schließ­lich auch recht­zei­tig pla­nen kön­nen.“Er spricht sich auch ex­trem un­gern für kom­plet­te Spiel­tags­ab­sa­gen aus, weil be­reits in­ner­halb sei­für nes Spiel­ge­biets die Wit­te­rungs­und Bo­den­ver­hält­nis­se to­tal un­ter­schied­lich sein kön­nen.

Am liebs­ten wä­re ihm, man kön­ne län­ger in den Som­mer hin­ein spie­len, doch da­ge­gen ste­hen Auf­und Ab­stiegs­re­ge­lun­gen so­wie Ver­bands­vor­schrif­ten we­gen na­tio­na­ler und in­ter­na­tio­na­ler Spie­le und Meis­ter­schaf­ten. „Au­ßer­dem wür­de sich die Som­mer­pau­se, die zum Bei­spiel in der Bay­ern­li­ga oh­ne­hin sehr kurz ist, noch stär­ker ver­kür­zen. Gibt es al­so ei­nen Aus­weg? „Ich se­he kei­nen, au­ßer, je­der Ver­ein legt sich ei­nen Kun­st­ra­sen­platz zu“, sagt Bu­cher schmun­zelnd.

Ob und wie viel am kom­men­den Wo­che­n­en­de ge­spielt wird, das weiß Ge­org Bu­cher na­tür­lich noch nicht. Un­klar ist auch, ob der 27. No­vem­ber als vor­ge­se­he­ner Aus­weich­spiel­tag ge­nützt wird. „Das müs­sen wir auf uns zu­kom­men las­sen. Das ent­schei­de ich dann tat­säch­lich nach den Wit­te­rungs- und Bo­den­ver­hält­nis­sen.“Sprach‘s und wid­met sich wie­der sei­nen Spiel­plä­nen.

Fo­to: Reinhold Radloff

Sind sol­che Platz­ver­hält­nis­se bei ei­nem Fuß­ball­spiel noch trag­bar oder nicht? Da schei­den sich die Geis­ter. Die ei­nen sa­gen ab, die an­de­ren wol­len un­be­dingt spie­len. Im End­ef­fekt ent­schei­det dann der Schieds­rich­ter, ob an­ge­pfif­fen wird oder nicht. Der Spiel­grup­pen­lei­ter hat re­la­tiv we­nig Ein­fluss­mög­lich­kei­ten.

Ge­org Bu­cher

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