Nach Streit mit Freun­din: 20-Jäh­ri­ger ras­tet auf Stra­ße aus

Jus­tiz Weil er nicht auf den Ver­kehr ach­tet, wird ein Gerst­ho­fer bei­na­he über­fah­ren. Als er zur Re­de ge­stellt wird, dreht er durch

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Nördlicher Landkreis - VON FLO­RI­AN EISELE

Gerst­ho­fen Es war ei­ne gro­ße Por­ti­on Är­ger, die ein da­mals 20-Jäh­ri­ger aus Gerst­ho­fen an die­sem Tag im März im Bauch hat­te: Kurz zu­vor hat­te sich der Lehr­ling mit sei­ner Freun­din ge­strit­ten und war dar­auf­hin wut­ent­brannt durch die Stadt ge­rannt. Oh­ne auf den flie­ßen­den Ver­kehr zu ach­ten, lief er über die zwei­spu­ri­ge Ber­li­ner Stra­ße im Nor­den der Stadt. Ein 43-Jäh­ri­ger, der mit sei­nem Au­to gera­de dort un­ter­wegs ist, kann dem jun­gen Mann gera­de noch aus­wei­chen.

Als er den Fuß­gän­ger an­hupt, bren­nen bei die­sem die Si­che­run­gen durch: Er wirft ei­ne vol­le Co­la­do­se ge­gen das Fens­ter des Au­tos. Als der Fah­rer aus­steigt, schnippt er ei­ne bren­nen­de Zi­ga­ret­te in des­sen Rich­tung. Ei­ne ge­fähr­li­che An­ge­le­gen­heit: Im Glut­ke­gel ei­ner Zi­ga­ret­te kann sich ei­ne Tem­pe­ra­tur von rund 900 Grad Cel­si­us ent­wi­ckeln. Der Fah­rer kann aber aus­wei­chen und bleibt un­ver­letzt. Nun muss­te sich der jun­ge Mann vor dem Augs­bur­ger Amts­ge­richt ver­ant­wor­ten. Die An­kla­ge­schrift lau­te­te auf ver­such­te ge­fähr­li­che Kör­per­ver­let­zung und Sach­be­schä­di­gung. Der An­ge­klag­te, der von Rechts­an­walt Ralf Schö­nau­er ver­tre­ten wur­de, ge­stand die Tat. „Ich se­he es ein, dass es falsch war. Ich war sau­er und das Hu­pen hat mich noch mehr ge­är­gert.“Dass er die Co­la­do­se ge­gen die Schei­be des Mer­ce­des ge­wor­fen hat­te, tue ihm leid – die Zi­ga­ret­te ha­be er aber nicht in Rich­tung des Man­nes schnip­pen wol­len, son­dern nur weg­wer­fen wol­len. Das sah der Au­to­fah­rer bei sei­ner Zeu­gen­aus­sa­ge je­doch et­was an­ders: „Wir stan­den uns et­wa ein­ein­halb Me­ter ent­fernt ge­gen­über, als er die Zi­ga­ret­te zu mir ge­schnippt hat.“

Rich­ter Gün­ther Bau­mann nahm dem An­ge­klag­ten die­ses Ver­se­hen nicht ab. Weil der jun­ge Mann sich an­sons­ten ge­stän­dig zeig­te, sich beim Au­to­fah­rer ent­schul­dig­te und ihm auch die 25 Eu­ro Scha­den am Au­to er­setz­te, ver­ur­teil­te er den mitt­ler­wei­le 21-Jäh­ri­gen zu 40 St­un­den Hilfs­diens­ten. Bei der Be­grün­dung re­de­te er dem bis­lang nicht vor­be­straf­ten Gerst­ho­fer ins Ge­wis­sen: „Der Au­to­fah­rer hat ge­nau rich­tig ge­han­delt und ist ih­nen aus­ge­wi­chen. Das hät­te al­les auch ganz an­ders aus­ge­hen kön­nen.“Das Ur­teil ist rechts­kräf­tig.

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