Vor dem Schmelz­ofen ge­ret­te­te Schät­ze

Kup­fer Ei­ne spä­te Spu­ren­su­che nach Ex­po­na­ten der Augs­bur­ger Samm­lung, die 1940 ver­schwun­den sind

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg-album | Sport Im Augsburger Land - VON FRANZ HÄUSS­LER

Augs­burg Der Woll­markt (An­schrift: Am Ra­ben­bad 5) war ur­sprüng­lich ein Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen­klos­ter. Die 1521 er­bau­ten his­to­ri­schen Ge­bäu­de gin­gen in den Be­sitz der Pa­ri­tä­ti­schen Ho­s­pi­tal­stif­tung über. Die Be­zeich­nung „Woll­markt“tra­gen sie zu Recht: 60 Jah­re lang, von 1855 bis 1914, fand in den Räu­men, un­ter den Ar­ka­den und im Frei­en all­jähr­lich im Ju­ni der je­weils vier­tä­gi­ge Augs­bur­ger Schaf­woll­markt statt. Zwi­schen 2000 und 4000 Zent­ner wur­den um­ge­setzt. Dass auf dem sel­ben Are­al ab 1855 ein paar Jahr­zehn­te lang auch der Hop­fen­markt statt­fand, schlug sich in kei­nem Na­men nie­der.

Vom Woll­markt­hof aus be­ein­dru­cken die Ar­ka­den mit Kreuz­grat­ge­wöl­ben und ge­mau­er­ten Säu­len, im In­ne­ren der eins­ti­ge Ka­pi­tel­saal mit ho­hen Ge­wöl­ben. Der ge­fühl­voll re­stau­rier­te, fast 500 Jah­re al­te stil­vol­le Raum dient als Ver­an­stal­tungs­hal­le. Auch die an­gren­zen- de eins­ti­ge ge­wölb­te Klos­ter­kü­che und Ne­ben­räu­me sind re­stau­riert und nut­zungs­ge­recht aus­ge­stat­tet.

Ei­ne in den 1930er-Jah­ren ent­stan­de­ne Fo­to­se­rie do­ku­men­tiert ih­ren da­ma­li­gen Ver­wen­dungs­zweck als Mu­se­um: Hier be­fand sich die Augs­bur­ger Kup­fer­samm­lung! 24 Auf­nah­men zei­gen an den Wän­den hän­gen­de Back­for­men, auf­ge­reih­te Kan­nen und Ei­mer mit und oh­ne De­ckel, Hand­mör­ser auf Fens­ter­ge­sim­sen und Schrän­ken. Auf Ti­schen sind Se­ri­en in­ein­an­der sta­pel­ba­rer Ge­wich­te zu se­hen.

Tel­ler und Krü­ge aus Me­tall ste­hen auf Bor­den. Ge­fä­ße jeg­li­cher Art aus Kup­fer, Zinn oder Ei­sen, wie sie einst in Haus­hal­ten, Gast­stät­ten, Bä­cke­rei­en oder in Ge­schäf­ten im Ge­brauch wa­ren, wer­den in den weiß ge­tünch­ten Räu­men ge­zeigt. Die Fo­tos zeu­gen von ei­nem Augs­bur­ger Mu­se­um, das in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten ist.

Bei Re­cher­chen im Jahr 1981 gab es noch Zeit­zeu­gen, die sich an das Mu­se­um er­in­nern konn­ten. So­gar über die Her­kunft der aus­ge­stell­ten Ge­gen­stän­de konn­te ei­ne Augs­bur­ge­rin Aus­kunft ge­ben: „Wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs sam­mel­te man Me­tal­le al­ler Art zur Hers­tel- lung von Waf­fen und Mu­ni­ti­on. Aus den ab­ge­lie­fer­ten Ge­gen­stän­den sor­tier­te je­mand ei­ne Un­men­ge wert­vol­len al­ten Haus­halts­ge­räts aus und ließ es ver­schwin­den.“Mit die­sen aus Pri­vat­be­sitz ab­ge­ge­be­nen, je­doch von der Sam­mel­stel­le nicht zum Ein­schmel­zen ab­ge­lie­fer­ten Be­stän­den soll um 1920 das Mu­se­um ein­ge­rich­tet wor­den sein.

Die­se münd­li­che Über­lie­fe­rung be­stä­tigt teil­wei­se ein 1927 ge­druck­ter Stadt­füh­rer. Dar­in heißt es bei der Be­schrei­bung des Woll­markt­ge­bäu­des: „Eben­dort be­fin­det sich die so­ge­nann­te Kup­fer­samm­lung, ei­ne in der ehe­ma­li­gen Klos­ter­kü­che in meh­re­ren Räu­men ein­ge­rich­te­te stim­mungs­vol­le Samm­lung von Ge­gen­stän­den des täg­li­chen Be­darfs, zum Teil aus der Me­tall­be­schlag­nah­me.“Öff­nungs­zei­ten: an den Werk­ta­gen vor­mit­tags und nach­mit­tags je­weils zwei St­un­den. Ein­ritt: 30 Pfen­nig. Das „Kup­fer­mu­se­um im Hei­lig-Geist-Spi­tal“wird letzt­mals im Adress­buch für 1941 un­ter „Samm­lun­gen und Mu­se­en“auf­ge­führt. Da­nach rei­ßen die Nach­rich­ten über die Samm­lung und ih­ren Ver­bleib ab. Das dürf­te ei­ne Fol­ge der Me­tall-Ablie­fe­rungs­ak­tio­nen im Zwei­ten Welt­krieg ge­we­sen sein. Im März 1940 war die Be­völ­ke­rung zur ers­ten Me­tall­samm­lung auf­ge­ru­fen wor­den. Wei­te­re so­ge­nann­te „Me­tall­spen­den des Vol­kes“folg­ten.

Es ist an­zu­neh­men, dass die Be­stän­de des Kup­fer­mu­se­ums da­von nicht völ­lig ver­schont blie­ben. Es un­ter­stand dem Ma­xi­mi­lian­mu­se­um. Das be­stä­tig­te bei Re­cher­chen nach dem Ver­bleib 1981 des­sen lang­jäh­ri­ge Lei­te­rin, Dr. Han­ne­lo­re Mül­ler. Ob von den Be­stän­den noch et­was er­hal­ten sei, frag­ten da­mals Zei­tungs­le­ser. „Was vor ei­ner Alt­ma­te­ri­al­samm­lung wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs ge­ret­tet wer­den konn­te, be­fin­det sich in De­pots des Ma­xi­mi­lian­mu­se­ums“, konn­te Han­ne­lo­re Mül­ler fest­stel­len. Die schöns­ten Stü­cke ge­be es noch. So­gar die In­ven­tar­lis­te des Kup­fer­mu­se­ums konn­te aus­fin­dig ge­macht wer­den.

Die Augs­bur­ger All­ge­mei­ne be­rich­te­te im De­zem­ber 1981 über die Er­geb­nis­se der Nach­for­schun­gen un­ter der Über­schrift „Al­tes Kup­fer liegt im Mu­se­ums-De­pot“.

Das Ma­xi­mi­lian­mu­se­um ver­fügt über reich­hal­ti­ge Be­stän­de un­ter­schied­lichs­ter Art zur Stadt­ge­schich­te, aus de­nen der jet­zi­ge Mu­se­ums­lei­ter, Dr. Chris­toph Em­men­dörf­fer, all­jähr­lich Son­der­aus­stel­lun­gen be­stückt. Viel­leicht wer­den auch mal Ex­po­na­te aus dem eins­ti­gen Kup­fer­mu­se­um im Woll­markt ge­zeigt, um die in Ver­ges­sen­heit ge­ra­te­ne Ge­schich­te die­ser eins­ti­gen sehr spe­zi­el­len Samm­lung wie­der in Er­in­ne­rung zu brin­gen.

Im Haupt­raum der um 1920 ein­ge­rich­te­ten Kup­fer­samm­lung war ei­ne Viel­zahl me­tal­le­ner Haus­halts­ge­gen­stän­de zu se­hen. Sie wa­ren von „Me­tall­spen­den“wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs ab­ge­zweigt wor­den.

Fo­tos: Franz Häuß­ler

Der Woll­markt in den 1930er-Jah­ren. In den eins­ti­gen Klos­ter­räu­men hin­ter den Ar­ka­den mit Kreuz­grat­ge­wöl­ben be­fand sich da­mals die Augs­bur­ger Kup­fer­samm­lung.

Kan­nen un­ter­schied­lichs­ter Art und Grö­ße wa­ren auf­ge­reiht. Vor 100 Jah­ren ge­bräuch­li­che, in­ein­an­der sta­pel­ba­re Ge­wichts­sät­ze stan­den auf Ti­schen. Die­se Ge­gen­stän­de wa­ren wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs vor dem Ein­schmel­zen be­wahrt wor­den.

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