15-Jäh­ri­ge mit Ta­lent für Iro­nie

Wett­be­werb Die Kö­nigs­brun­ne­rin Ja­ni­na Proksch hat ei­nen ei­ge­nen Um­gang mit Spra­che. Wo­rum es in ih­rem Pro­jekt „Spott­preis“geht

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Nachbarschaft - ALISA KOLLMANNSPERGER

Kö­nigs­brunn Im Deutsch­un­ter­richt ei­ne Er­ör­te­rung nach ge­nau­en Vor­ga­ben schrei­ben? Die­ses stu­re Prin­zip ge­fällt Ja­ni­na Proksch über­haupt nicht. Die Gym­na­si­as­tin schreibt lie­ber krea­ti­ve Tex­te für ih­ren Blog oder macht ei­ge­ne Vi­de­os, in de­nen sie Lie­der par­odiert. Sie sieht sich selbst als Tex­te­rin und Lie­der­ma­che­rin der di­gi­ta­len Ge­ne­ra­ti­on. Da­für wur­de sie für den Mul­ti­me­di­a­preis no­mi­niert.

Ihr gan­zes Pro­jekt läuft un­ter dem Na­men „Spott­preis“. Die Be­zeich­nung hat kei­ne be­son­de­re Be­deu­tung. Sie möch­te die Frei­heit ha­ben, das zu ma­chen, was sie will und sich und ih­re Ide­en nicht mit ei­nem Na­men ein­schrän­ken. Die Zehnt­kläss­le­rin ar­bei­tet jetzt schon seit ei­nem Jahr an dem Pro­jekt – und das täg­lich. Ja­ni­na macht schon län­ge­re Zeit Mu­sik. Sie par­odiert be­kann­te Lie­der, wie „Wi­re to wi­re“von Ra­zor­light, auf ih­rem Youtube-Ka­nal oder schreibt Lied­tex­te. Doch sie be­fin­det sich gera­de in ei­ner Ve­rän- de­rungs­pha­se. „Ich will jetzt eher ly­ri­sche Tex­te schrei­ben, die mehr Be­deu­tung ha­ben und we­ni­ger iro­nisch sind“, sagt die 15-Jäh­ri­ge.

Auf ih­rer Web­sei­te fin­det der Le­ser Tex­te zu ver­schie­de­nen The­men, die die Schü­le­rin gera­de be­schäf­ti­gen. Wer sich mit ih­ren Tex­ten aus­ein­an­der­setzt, könn­te mei­nen, dass Ja­ni­na mit ih­rem Pro­jekt die Ge­sell­schaft kri­ti­sie­ren möch­te. In „Kaf­fee­kränz­chen-So­cie­ty“geht es um den im­mer gleich blei­ben­den Le­bens­ab­lauf von Rent­nern. Ja­ni­na will mit ih­rem Blog aber nur ei­nen Denk­an­stoß ge­ben. Doch sie gibt kei­ne rich­ti­ge Denk­wei­se vor. Ei­ne wirk­li­che Ziel­grup­pe gibt es für Ja­ni­na nicht. Ihr Schreib­stil ist chao­tisch, des­we­gen ist ein Groß­teil ih­rer Tex­te schwer zu ver­ste­hen. Der Le­ser muss sich in­ten­siv mit ih­nen be­fas­sen, um in die lan­gen Sät­zen ei­nen Zu­sam­men­hang fin­den kann. Auch sa­ti­ri­sche Ele­men­te so­wie Fremd­wör­ter dür­fen in ih­ren Tex­ten nicht feh­len. Die­se Mit­tel las­sen na­tür­lich viel Raum für ver­schie­de­ne In­ter­pre­ta­tio­nen.

Das Pro­jekt liegt der 15-Jäh­ri­gen sehr am Her­zen, im­mer­hin macht sie al­les sel­ber – auch die Mu­sik. Ja­ni­na ist sehr en­ga­giert und lässt sich von nie­man­dem rein­re­den – nicht ein­mal von ih­ren El­tern. „Mein El­tern wol­len, dass ich mit dem Gan­zen auf­hö­re“, er­zählt Ja­ni­na. Doch da­von lässt sie sich nicht be­ein­flus­sen und hat sich so­gar für den Deut­schen Mul­ti­me­di­a­preis mb21 be­wor­ben. Als Fo­rum der jun­gen di­gi­ta­len Me­di­en­kul­tur möch­te mb21 Kin­der und Ju­gend­li­che im ak­ti­ven Me­dien­um­gang för­dern. Vor we­ni­gen Ta­gen wur­den die Preis­trä­ger aus­ge­wählt. Auch wenn es für Ja­ni­na in die­sem Jahr nicht ge­reicht hat, war sie über­rascht, dass sie tat­säch­lich no­mi­niert wur­de. „Die 15-Jäh­ri­ge nutzt das In­ter­net wie ein Ex­pe­ri­men­tier­feld für ih­re zahl­rei­chen Ide­en, die ih­re krea­ti­ven Ener­gi­en wi­der­spie­geln“, be­grün­det die mb21-Ju­ry Ja­ni­nas No­mi­nie­rung. Ih­re fri­schen und fre­chen Ide­en ha­ben die Ju­ry über­zeugt, und so­mit ge­hört „Spott­preis“im­mer­hin zu den 26 Wett­be­werbs­trä­gern.

Fo­to: Alisa Kollmannsperger

Die 15-jäh­ri­ge Ja­ni­na Proksch hat ein Pro­jekt und war für den Mul­ti­me­di­a­preis no­mi­niert.

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