Der Su­per­mond – jetzt auch für drin­nen

Mu­se­um Um die Rol­le des Erd­tra­ban­ten in der Kunst dreht sich die neue Aus­stel­lung in der Vil­la Rot. Leuch­tet das Ge­stirn heut­zu­ta­ge noch so hell wie in der Ro­man­tik?

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Feuilleton - VON MAR­CUS GOL­LING

Burgrieden

Die­ser Su­per­mond hat ei­ni­ge ent­schei­den­de Vor­tei­le. Kein Hoch­ne­bel und kei­ne Wol­ke kann die Sicht auf ihn ver­stel­len, er ist auch tags­über sicht­bar und kann vom Be­trach­ter be­quem um­run­det wer­den. We­ni­ge Ta­ge, nach­dem Men­schen über­all auf der Welt ge­bannt zum Nacht­him­mel blick­ten, um den ex­tra­gro­ßen Voll­mond zu be­stau­nen, ist das Ge­stirn im Mu­se­um Vil­la Rot in Burgrieden-Rot (Land­kreis Biberach) an­ge­kom­men. Als Re­lief­glo­bus im Maß­stab eins zu ei­ner Mil­li­on, her­ge­stellt nach Da­ten der US-Raum­fahrt­be­hör­de Na­sa. Welt­weit gibt es kein ge­naue­res Mo­dell des Him­mels­kör­pers.

Die The­men­aus­stel­lung „Nun scheint in vol­lem Glan­ze“in der süd­lich von Ulm ge­le­ge­nen Vil­la Rot dreht sich um die Rol­le des Mon­des in der Kunst. Vor al­lem in der Ro­man­tik hul­dig­ten die Künst­ler dem Erd­tra­ban­ten als Sinn­bild der Sehn­sucht nach dem Hö­he­ren und Wun­der­ba­ren. Spä­tes­tens, seit­dem Neil Arm­strong 1969, von 600 Mil­lio­nen Men­schen im Fern­se­hen be­ob­ach­tet, als ers­ter Mensch die Mond­ober­flä­che be­trat, ist der Erd­be­glei­ter je­doch vor­ran­gig das Ziel ra­tio­na­ler Be­trach­tun­gen. In­so­fern ist das 3,50 Me­ter ho­he, wis­sen­schaft­lich ex­ak­te Mond­mo­dell im An­bau der Vil­la ein pas­sen­der Pro­log für die äs­the­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung.

Die be­ginnt eben­falls in den ver­dun­kel­ten Raum: mit den blin­ken­den Flug­ob­jek­ten des Düs­sel­dor­fer Künst­lers Jo­han­nes Gehr­ke, die den Mond wie Sa­tel­li­ten zu um­krei­sen schei­nen – bei ge­nau­em Hinsehen aber aus Elek­tro­schrott be­ste­hen. Ähn­lich ir­disch das auf ei­nem Touch­screen ab­ruf­ba­re On­line-Pro­jekt „moon­moon­moon­moon.com“der bei­den Welt­künst­ler Ai Wei­wei und Olaf­ur Eli­as­son: Be­nut­zer kön­nen bei die­sem ei­ne vir­tu­el­le Mond­ku­gel mit ei­ge­nen Bot­schaf­ten be­schrif­ten. Die­se wird da­durch bis­wei­len zum Er­satz für die Wand ei­ner Schul­toi­let­te. Auch bei Ro­bert Lon­go, der ihn als fo­to­rea­lis­ti­sche Koh­le­zeich­nung zeigt, ist der Mond eher Iko­ne als Sehn­suchts­ob­jekt.

Mon­dro­man­tik hält in die­ser Aus­stel­lung vor­ran­gig auf ei­ni­gen aus dem Mu­se­um Biberach ent­lie­he­nen Nacht­bil­dern aus dem 19. Jahr­hun­dert auf. Die Ge­gen­wart hin­ge­gen frem­delt – zu­min­dest in der Vil­la Rot – ein we­nig mit Cas­par Da­vid Fried­richs Lieb­ling. Wohl auch des­halb be­gibt sich die Aus­stel­lung in ei­ne ent­fern­te­re Um­lauf­bahn: So in­sze­niert das Duo Cor­tis & Son­de­reg­ger die Ver­schwö­rungs­theo­rie um die an­geb­lich ge­fak­te Apol­lo11-Lan­dung, von der da­ne­ben auch die „ech­ten“Fo­tos zu se­hen sind. Piet Wes­sing wid­met sich gar dem an­geb­li­chen Ufo-Ab­sturz von Ros­well: Sind die Ali­ens un­ter uns?

„Nun scheint in vol­lem Glan­ze“gibt in­ter­es­san­te Auf­schlüs­se über das Ver­hält­nis des Men­schen zum Welt­raum im All­ge­mei­nen und zum Mond im Be­son­de­ren. Und sie tut dies mit Au­gen­zwin­kern. Vor al­lem bei dem Film „Moon Goo­se Coun­try“über ein so char­man­tes wie hu­mor­vol­les Pro­jekt der Künst­le­rin Ag­nes Mey­er-Bran­dis. Die­se ließ sich von ei­nem ob­sku­ren Ro­man des eng­li­schen Geist­li­chen Fran­cis God­win (1562 – 1633) in­spi­rie­ren, in dem der Prot­ago­nist von Te­ne­rif­fa aus mit ei­gens ab­ge­rich­te­ten Gän­sen zum Mond reist. Der Film zeigt, wie Mey­er-Bran­dis elf Gän­se zu As­tro­nau­ten aus­bil­det. Er­de an Mond: Der Traum von dir lebt wei­ter. O

„Nun scheint in vol­lem Glan­ze“wird am Sonn­tag, 20. No­vem­ber, im Mu­se­um Vil­la Rot, Schloss­weg 2, in Burgrieden-Rot er­öff­net. Da­nach läuft die Schau bis 26. Fe­bru­ar.

Aus­stel­lung Blues

• Keb’ Mo’ & Band: That Hot Pink Blues Al­bum – Live 2015 (Kind Of Blue Mu­sic/H’Art)

Lie­der­ma­cher Folk, Welt­mu­sik & eth­ni­sche Mu­sik

• An­ne-Ma­ri Kiv­i­mä­ki: Lak­kau­tet­tu Ky­lä (Nor­dic No­tes/Bro­ken Si­lence) • El­za So­a­res: The Wo­man At The End Of The World (Mais Um Dis­cos/In­di­go) • Kay­han Kal­hor, Aynur, Sal­man Gam­ba­rov, Ce­mîl Qo­çgirî: Haw­niyaz (La­ti­tu­des/Har­mo­nia Mun­di)

Hör­buch

• Ste­phan Gö­ritz: Krieg ist nicht gut für den Frie­den – Ka­ba­ret­tis­ten und der Ers­te Welt­krieg. Die­ter Hil­de­brandt u.a. (Duo-Phon-Re­cor­ds)

Kin­der- & Ju­gend­auf­nah­men

• Kar­lheinz Koi­negg: Met­a­mor­pho­sen – Er­zählt nach den Ge­schich­ten des Ovid. Tor­ben Kess­ler, Irm Her­mann u.a. (Der Hör­ver­lag)

Fo­to: Alex­an­der Ka­ya

Kei­ne Kunst, aber ein Hin­gu­cker: das nach Na­sa-Da­ten her­ge­stell­te Mond­mo­dell in der Vil­la Rot. Vol­ker Paasch (im Bild) hat an die­sem mit­ge­baut.

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