25-jäh­ri­ge Frau wird im Kel­ler ge­fol­tert

Pro­zess Af­fä­re mit ei­nem Fa­mi­li­en­va­ter en­det mit schwe­ren Ver­let­zun­gen. Stra­fe für zwei An­ge­klag­te fällt ge­ring aus

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Region Augsburg - VON MICHA­EL LIND­NER

Schwab­mün­chen

Sie hat­te ein Ver­hält­nis mit ei­nem Ehe­mann, ei­nem drei­fa­chen Fa­mi­li­en­va­ter. Die da­mals 25-jäh­ri­ge Frau hat­te den Mann ge­liebt, sich ei­ne ge­mein­sa­me Zu­kunft vor­ge­stellt. Doch dar­aus wur­de nichts, statt­des­sen wur­de sie in ei­nem Kel­ler ge­fol­tert – von Fa­mi­li­en­mit­glie­dern des Ehe­bre­chers und der be­tro­ge­nen Ehe­frau. Vier Tä­ter wur­den be­reits zu zum Teil mehr­jäh­ri­gen Haft­stra­fen ver­ur­teilt. Die Stra­fen für zwei wei­te­re Mit­glie­der der ru­mä­nisch­stäm­mi­gen Groß­fa­mi­lie fie­len ges­tern vom Augs­bur­ger Ju­gend­schöf­fen­ge­richt ge­rin­ger aus. Sie wa­ren nach An­sicht von Rich­te­rin Or­trun Je­linek nur Rand­fi­gu­ren bei ei­ner Ra­che­ak­ti­on in Schwab­mün­chen, die für ei­ne 25-Jäh­ri­ge schlimm en­de­te.

Die Frau wur­de laut An­kla­ge im Ok­to­ber 2014 bei ei­ner Zi­ga­ret­ten­pau­se vor der Woh­nung von meh­re­ren Per­so­nen ein­ge­kes­selt und auf­ge­for­dert, das Ver­hält­nis zu dem Mann zu be­en­den. Als sie dem nicht zu­stimm­te, lief die ge­plan­te Abrei­bung aus dem Ru­der – so for­mu­lier­ten es die Ver­tei­di­ger Wolf­gang Bend­ler und Chris­ti­an Frö­ba wäh­rend der Ver­hand­lung im­mer wie­der. Die Frau wur­de be­lei­digt, an den Haa­ren zu Bo­den ge­zo­gen, ge­schla­gen und in ein Au­to ge­zerrt. Am Steu­er saß die 55-jäh­ri­ge Mut­ter des Ehe­bre­chers, sie fuhr ih­re mit­an­ge­klag­te 19-jäh­ri­ge En­ke­lin, die in­zwi­schen in Ulm lebt, so­wie wei­te­re be­reits rechts­kräf­tig ver­ur­teil­te Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge zu ei­nem Haus im Schwabmünchner Nor­den. Dort wur­de die 25-jäh­ri­ge Ge­lieb­te im Kel­ler auf übels­te Art und Wei­se miss­han­delt: Die An­grei­fer zo­gen die Frau laut An­kla­ge nackt aus, über­gos­sen sie mit hei­ßem Was­ser, ris­sen ihr Haa­re aus, schlu­gen mit Alust­an­gen auf sie ein und ver­letz­ten sie mit ei­nem fast zehn Zen­ti­me­ter lan­gen Schnitt quer über das Ge­sicht. Rah­men ei­nes so­ge­nann­ten Tä­terOp­fer-Aus­gleichs sol­len die be­reits ver­ur­teil­ten Per­so­nen der miss­han­del­ten Frau 30 000 Eu­ro als Ent­schä­di­gung be­zahlt ha­ben. Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung ist al­ler­dings nur ein ge­rin­ger vier­stel­li­ger Be­trag tat­säch­lich an die Ge­schä­dig­te ak­tiv an der Miss­hand­lung teil. Ihr Ver­tei­di­ger reg­te ei­ne Geld­stra­fe von 90 Ta­ges­sät­zen zu je 40 Eu­ro an, Staats­an­wäl­tin Alex­an­dra Kör­ner be­an­trag­te 150 Ta­ges­sät­ze. Ver­ur­teilt wur­de die An­ge­klag­te we­gen Bei­hil­fe zur ge­fähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung und Frei­heits­be­rau­bung zu ei­ner Geld­stra­fe von 4800 Eu­ro (120 Ta­ges­sät­ze zu je 40 Eu­ro).

Die zum Tat­zeit­punkt 17-jäh­ri­ge En­ke­lin leg­te eben­falls ein Ge­ständ­nis ab. Sie gab zu, das Op­fer im Kel­ler ge­schla­gen und ge­tre­ten zu ha­ben. Sie ha­be sich von der Grup­pen­dy­na­mik mit­rei­ßen las­sen, sei aber – als die Si­tua­ti­on es­ka­lier­te – aus dem Kel­ler ge­gan­gen und zu ih­ren jün­ge­ren Ge­schwis­tern ins Zim­mer. Die ar­beits­lo­se jun­ge Frau wur­de we­gen des „nicht so ho­hen ak­ti­ven Tat­bei­trags“ver­warnt; sie muss 96 St­un­den ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit leis­ten.

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