Der Per­lach­turm muss drin­gend sa­niert wer­den

Denk­mal Dem Augs­bur­ger Wahr­zei­chen droht sonst aus Si­cher­heits­grün­den die Schlie­ßung. Für das Pu­bli­kum be­deu­tet das: Es wird län­ge­re Sper­run­gen ge­ben. War­um die Bau­maß­nah­me über meh­re­re Jah­re geht

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg - VON STE­FAN KROG

In die­sem Jahr war das Rat­haus mo­na­te­lang ein­ge­rüs­tet, kom­men­des Jahr und 2018 wird der da­ne­ben­ste­hen­de Per­lach­turm hin­ter Ge­rüs­ten ver­schwin­den. Dass der Turm sa­niert wer­den muss, ist be­reits seit Som­mer be­kannt (wir be­rich­te­ten), al­ler­dings scheint mehr Ei­le ge­bo­ten als zu­nächst ge­dacht. Ge­he man die Sa­nie­rung nicht an, so Bau­re­fe­rent Gerd Merk­le, müss­te der Turm kom­men­des Jahr für die Öf­fent­lich­keit ge­sperrt wer­den. Die Stadt rech­net mit gut 2,1 Mil­lio­nen Eu­ro Kos­ten.

Das Pro­blem ist, dass die obers­ten Ge­schos­se aus Na­tur­stein bau­fäl­lig sind. Ex­per­ten lie­ßen sich ver­gan­ge­nes Jahr in ei­nem Korb von ei­nem Au­to­kran in 70 Me­ter Hö­he hie­ven, um den Turm de­tail­liert un­ter die Lu­pe zu neh­men. Das Er­geb­nis: Durch Fu­gen im Na­tur­stein ist Was­ser ein­ge­drun­gen, das die im In­ne­ren ver­bau­ten Ei­sen­tei­le zum Ros­ten bringt. Die­se qu­el­len auf und sor­gen da­für, dass St­ein­tei­le ab­ge­sprengt wer­den. Ei­ne St­ein­säu­le ist be­reits seit Län­ge­rem mit ei­ner Man­schet­te ge­si­chert.

Das Hoch­bau­amt hat in­zwi­schen ein Sa­nie­rungs­kon­zept aus­ge­ar­bei­tet. Dem­nach sol­len am Turm kom­men­des Jahr die bei­den obe­ren Na­turst­ein­ge­schos­se für rund 900000 Eu­ro sa­niert wer­den. Der Dach­auf­bau soll in ei­nem Stück von ei­nem Kran her­un­ter­ge­ho­ben wer­den. Die Hoff­nung ist, die Kup­pel zu er­hal­ten und an­schlie­ßend wie­der auf den Turm set­zen zu kön­nen. An­dern­falls müss­te das Kup­fer­dach mit sei­ner Pa­ti­na er­neu­ert wer­den. „In wel­chem Zu­stand das Dach wirk­lich ist, wis­sen wir erst, wenn es un­ten steht“, so Merk­le.

Laut Hoch­bau­amts-Lei­ter Gün­ter Bil­len­stein sol­len dann die Stüt­zen wer­den. Der Turm wur­de nach dem Zwei­ten Welt­krieg wie­der­her­ge­stellt. Zu­letzt wa­ren die obe­ren Ge­schos­se 1910/11 er­neu­ert wor­den. Auch hier dürf­te die Rost­the­ma­tik schon ei­ne Rol­le ge­spielt ha­ben.

Im Jahr 2018 soll dann die Fas­sa­de, die vor 30 Jah­ren zu­letzt ver­putzt wur­de, er­neu­ert wer­den. Auch durch­feuch­te­te Fun­da­men­te müs­sen tro­cken­ge­legt wer­den. Da­für wird das Ge­rüst, das im Vor­jahr am Turm stand, er­neut auf­ge­baut wer­den müs­sen. 2019 wird der Turm dann in­nen sa­niert, gleich­zei­tig soll der bis­her ver­steck­te Ein­gang vom Per­lach­berg weg­ver­legt wer­den. Künf­tig wä­re der Turm dann über ei­nen leer ste­hen­den La­den an der Nord­sei­te zu be­tre­ten.

In je­dem Fall, so die Stadt, sei von län­ger­fris­ti­gen Sper­run­gen in den kom­men­den Jah­ren aus­zu­ge­hen. Die jähr­li­chen Tur­ami­che­le-Vor­füh­run­gen im Sep­tem­ber sei­en nicht ge­fähr­det. Der Bau­aus­schuss des Stadt­ra­tes be­schloss das Kon­zept ges­tern. Dass die Sa­nie­rung über drei Jah­re ge­streckt wird und so­mit teu­rer wird als in ei­nem oder zwei Zü­gen, liegt dar­an, dass sich die fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen so bes­ser ver­tei­len.

Die Idee, auch die Trep­pen im In­ne­ren neu zu ge­stal­ten, so­dass Be­su­cher schon beim Auf­stieg durch ei­ne Art Aus­stel­lung ge­führt wer­den könn­ten, wur­de ver­wor­fen – zu teu­er. Denn die Stadt muss auch im da­stellt ne­ben­ste­hen­den Rat­haus Geld in­ves­tie­ren. Nach dem Au­ßen­putz ist jetzt das In­ne­re dran. Der Sit­zungs­saal des Rat­hau­ses soll neu ge­stal­tet wer­den. Kurz­fris­tig nö­tig ist auch ein neu­es Brand­schutz­kon­zept mit rauch­dich­ten Tü­ren. Da­für wer­den 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro ver­an­schlagt. An­dern­falls könn­ten kei­ne Ver­an­stal­tun­gen über 200 Per­so­nen mehr im his­to­ri­schen Rat­haus statt­fin­den.

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Fo­tos: Sil­vio Wy­szen­grad

Der obe­re, nicht ver­putz­te Teil des Per­lachs muss sa­niert wer­den. Da­zu muss er kom­men­des Jahr ein­ge­rüs­tet wer­den. Das Dach soll in ei­nem Stück mit dem Kran hin­un­ter­ge­ho­ben wer­den. Dann sol­len die Säu­len der Aus­sichts­platt­form und das dar­un­ter­lie­gen­de Ge­schoss aus Na­tur­stein sa­niert wer­den.

Im Stock­werk ganz oben ist der Turm bau­fäl­lig.

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