Der geht ab wie ei­ne Ra­ke­te

Por­trät François Fil­lon hat gu­te Chan­cen, nächs­ter Prä­si­dent Frank­reichs zu wer­den. Der Ge­le­gen­heits-Renn­fah­rer lässt al­le kon­ser­va­ti­ven Kon­kur­ren­ten weit hin­ter sich

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Meinung & Dialog -

Er selbst hat im­mer an sich ge­glaubt. All die Mo­na­te, in de­nen ihn die Mei­nungs­for­scher bei zehn Pro­zent sa­hen, ließ François Fil­lon nie ei­nen Zwei­fel dar­an, dass er die zwei­te Run­de der Vor­wah­len sei­ner Par­tei er­rei­chen wer­de. „Seit lan­gem bah­ne ich mir be­harr­lich, ru­hig und ernst­haft mei­nen Weg, mit ei­nem prä­zi­sen und star­ken Pro­gramm“, er­klärt der zu­rück­hal­ten­de Kon­ser­va­ti­ve sei­ne Me­tho­de, mit der ihm nun ein Über­ra­schungs-Coup ge­lang.

Der 62-Jäh­ri­ge aus der länd­li­chen Re­gi­on Sarthe im Wes­ten Frank­reichs ist we­der ein feu­ri­ger Rhe­to­ri­ker wie Ex-Prä­si­dent Ni­co­las Sar­ko­zy noch ver­mag er in ei­ner weit aus­ho­len­den Ges­te meh­re­re po­li­ti­sche Strö­mun­gen zu ver­ei­nen wie Ex-Pre­mier Alain Jup­pé. Und doch ließ er sei­ne bei­den Ri­va­len in der ers­ten Vor­wahl-Run­de weit hin­ter sich, weil er als ehr­li­cher, un­eit­ler und auf­rech­ter Po­li­ti­ker gilt, der die Men­schen ver­si­chert.

Fil­lon, in Le Mans als Sohn ei­nes No­tars und ei­ner Eng­lisch­leh­re­rin ge­bo­ren, trat be­reits als jun­ger Mann nach ei­nem Ju­ra-Di­plom als re­gio­na­ler Ab­ge­ord­ne­ter in die Po­li­tik ein, stieg schnell in sei­ner Par­tei auf, hat­te meh­re­re Mi­nis­ter­pos­ten in­ne, war der letz­te Pre­mier­mi­nis­ter bei Sar­ko­zy. Nach dem Sieg der So­zia­lis­ten 2012 wur­de es ru­hig um ihn. Nach fünf Re­gie­rungs­jah­ren er­schien Fil­lon ab­ge­nutzt, auch wenn er sich von Sar­ko­zys durch­wach­se­ner Bi­lanz ab­he­ben woll­te, in­dem er ihm vor­warf, wich­ti­ge Re­for­men ver­passt zu ha­ben.

Beim Ver­such, 2012 den Vor­sitz der Par­tei zu über­neh­men, ließ sich Fil­lon vom da­ma­li­gen Sar­ko­zy-Ver­trau­ten Je­anFrançois Co­pé über­töl­peln, der sich trotz schwe­rer Be­trugs­vor­wür­fe kur­zer­hand selbst zum Sie­ger er­klär­te. Am Sonn­tag tri­um­phier­te er über Co­pé, der bei der Vor­wahl mit nur 0,3 Pro­zent Letz­ter wur­de. Da­zwi­schen lie­gen vier Jah­re, in de­nen Fil­lon als ein­fa­cher Ab­ge­ord­ne­ter an ei­nem Un­ter­stüt­zer-Netz­werk und sei­nem Pro­gramm feil­te. Mit sei­ner wirt­schafts­li­be­ra­len und zugleich wert­kon­ser­va­ti­ven Aus­rich­tung spricht der prak­ti­zie­ren­de Ka­tho­lik die klas­si­schen Wäh­ler der bür­ger­li­chen Rech­ten an. Als po­li­ti­scher Er­be von Charles de Gaul­le gibt er sich ame­ri­kaskep­tisch und pro­rus­sisch, ver­spricht ei­ne selbst­be­wuss­te Au­ßen­po­li­tik Frank­reichs und gilt als mo­de­rat eu­ro­pa­freund­lich. Als Schwer­punk­te setzt er aber den wirt­schaft­li­chen Wie­der­auf­bau des Lan­des so­wie ei­nen ent­schlos­se­nen Kampf ge­gen den ra­di­ka­len Is­la­mis­mus. Auch die Geg­ner der von Prä­si­dent François Hol­lan­de ein­ge­führ­ten Ho­mo-Ehe weiß Fil­lon hin­ter sich.

Seit 1980 ist er mit der Wa­li­se­rin Pe­ne­lo­pe Clar­ke ver­hei­ra­tet. Sie ha­ben fünf Kin­der. Zu sei­nen Hob­bys ge­hört ne­ben Jog­gen und Ski­fah­ren der Mo­tor­sport – schließ­lich or­ga­ni­siert sei­ne Hei­mat­stadt Le Mans das 24-St­un­den-Ren­nen. Seit Sonn­tag zei­gen Ar­chiv-Fern­seh­bil­der Fil­lon, wie er in ei­nen Renn­wa­gen steigt und da­vondüst wie ei­ne Ra­ke­te – an al­len an­de­ren vor­bei. Bir­git Hol­zer

Fo­to: afp

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