Raus oh­ne Ap­plaus

Frank­reich Ei­ne Prä­si­dent­schafts­vor­wahl der Über­ra­schun­gen: Sie bringt Sar­ko­zy das po­li­ti­sche Aus, ka­ta­pul­tiert sei­nen ehe­ma­li­gen Pre­mier Fil­lon an die Spit­ze und ent­zau­bert ei­nen Fa­vo­ri­ten

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik - VON BIR­GIT HOL­ZER

Pa­ris

Am En­de ei­nes lan­gen Ta­ges über­wäl­ti­gen Ni­co­las Sar­ko­zy die Emo­tio­nen. Trä­nen blit­zen in den Au­gen, als er am Sonn­tag­abend mit weh­mü­ti­gem Lä­cheln er­klärt, er „re­spek­tie­re und ver­ste­he“die Wahl sei­ner Par­tei­an­hän­ger. Sie sei auf an­de­re Po­li­ti­ker ge­fal­len als ihn. Mit nur 20,6 Pro­zent der Stim­men wird der 61-Jäh­ri­ge, der so ger­ne noch­mals Prä­si­dent ge­wor­den wä­re, bei den Vor­wah­len der kon­ser­va­ti­ven Re­pu­bli­ka­ner nur Drit­ter. In der Stich­wahl ste­hen sich sein frü­he­rer Pre­mier­mi­nis­ter François Fil­lon so­wie Ex-Pre­mier- und Au­ßen­mi­nis­ter Alain Jup­pé ge­gen­über.

Dass der lan­ge un­ter­schätz­te Fil­lon mit 44,1 Pro­zent deut­lich vor dem ei­gent­li­chen Fa­vo­ri­ten Jup­pé (28,6 Pro­zent) liegt, ist die ei­ne Über­ra­schung der Wahl. Die zwei­te ist die ho­he Be­tei­li­gung von gut vier Mil­lio­nen Fran­zo­sen, die dar­in wohl ei­ne Vor­ent­schei­dung der Prä­si­dent­schafts­wahl 2017 ge­se­hen ha­ben. Und die drit­te ist der kra­chen­de Jah­re lang dien­te Fil­lon un­ter Sar­ko­zy als Re­gie­rungs­chef – doch der „Hy­per-Prä­si­dent“ent­schied al­lei­ne, stell­te sei­nen Pre­mier als blo­ßen „Mit­ar­bei­ter“in den Schat­ten. Die­ser hat oft zu ver­ste­hen ge­ge­ben, dass er sich viel mehr Re­form­mut ge­wünscht hät­te. Jetzt prä­sen­tiert er das li­be­rals­te Pro­gramm: Er will 500000 Be­am­ten­stel­len strei­chen, Ar­beits­zeit und Ren­ten­ein­tritts­al­ter an­he­ben so­wie mas­siv Steu­ern und Ab­ga­ben für Un­ter­neh­men und Bür­ger sen­ken.

Doch lan­ge war der 62-Jäh­ri­ge mit sei­ner For­de­rung nach ei­nem ra­di­ka­len „Bruch“kaum hör­bar – erst als er An­fang No­vem­ber in den Um­fra­gen auf­hol­te und in den TVDe­bat­ten über­zeug­te, be­gan­nen die Me­di­en sich für ihn zu in­ter­es­sie­ren. Zu­vor hat­ten sie sich auf ein Du­ell zwi­schen Sar­ko­zy und Jup­pé kon­zen­triert. Ge­gen­über dem scharf auf­tre­ten­den Sar­ko­zy wirkt der 71-jäh­ri­ge Jup­pé, der auf ei­ne lan­ge Er­fah­rung an der Sei­te von Ex-Prä­si­dent Jac­ques Chi­rac ver­wies, ge­mä­ßigt und ver­trau­ens­wür­dig.

Fo­to: Eric Fe­fer­berg, afp

Ni­co­las Sar­ko­zy wid­met sich ab so­fort sei­nen „pri­va­ten Lei­den­schaf­ten“. Sei­ne An­hän­ger scheint der Ab­gang hart zu tref­fen.

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