Mi­nis­te­rin Ai­g­ner im „ge­lob­ten Land“

Kon­junk­tur Schwa­bens Un­ter­neh­men geht es gut. CSU-Po­li­ti­ke­rin spricht bei Wirt­schafts­tref­fen in Augs­burg. Wel­che Auf­ga­ben nun an­ste­hen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wirtschaft - VON DA­NIE­LA HUNGBAUR

Augs­burg Wir brau­chen Men­schen, die et­was pro­du­zie­ren kön­nen. Und Un­ter­neh­men, die Ma­schi­nen her­stel­len. Die Dis­kus­sio­nen um die Di­gi­ta­li­sie­rung dür­fen die­se Tat­sa­che nicht ver­de­cken. Das be­ton­te Bay­erns Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Il­se Ai­g­ner. Die CSU-Po­li­ti­ke­rin be­stärk­te die schwä­bi­schen Be­trie­be auf der tra­di­tio­nel­len Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung „Fo­rum Zu­kunft Schwa­ben“dar­in, an ih­rem kla­ren Be­kennt­nis zur in­dus­tri­el­len Pro­duk­ti­on fest­zu­hal­ten. „Denn nicht al­les ist Di­enst­leis­tung“, sag­te Ai­g­ner. Auch ha­be Schwa­ben be­wie­sen, wie es geht: Vom „ge­lob­ten Land“war die Re­de, von ei­ner „bil­der­buch­mä­ßi­gen Ent­wick­lung“, „ei­ner pro­blem­frei­en Zo­ne“, „ei­ner Ge­win­ner­re­gi­on“.

Doch so gut die Re­gi­on wirt­schaft­lich auch auf­ge­stellt er­scheint: Klar wur­de in den Räu­men der In­dus­trie­und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwa­ben, dass gera­de die vie­len klei­nen und mitt­le­ren Be­trie­be vie­le Her­aus­for­de­run­gen vor dem Hin­ter­grund der wach­sen­den Di­gi­ta­li­sie­rung be­wäl­ti­gen müs­sen. Dies ge­lin­ge nur, in­dem Wirt­schaft und Wis­sen­schaft stär­ker zu­sam­men­ar­bei­ten. Das ge­hör­te zu den we­sent­li­chen Ap­pel­len des von der IHK zu­sam­men mit der Hand­werks­kam­mer für Schwa­ben or­ga­ni­sier­ten Fo­rums, das ei­nen Aus­tausch zwi­schen Un­ter­neh­mern, Wis­sen­schaft­lern und Po­li­ti­kern bie­tet. Auf der Ver­an­stal­tung wer­den aber auch For­de­run­gen an die Po­li­tik ge­stellt. So kri­ti­sier­ten die Wirt­schafts­ver­tre­ter, dass in den Bau­äm­tern Per­so­nal feh­le. Was nüt­ze es, wenn das Geld für den Aus­bau der Stra­ßen vor­han­den sei, es aber zu we­nig Mit­ar­bei­ter in den Be­hör­den ge­be? Hans-Pe­ter Rauch, Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer für Schwa­ben, mo­nier­te er­neut, dass für ei­ne nach­hal­ti­ge Ener­gie­ver­sor­gung nicht nur Strom­tras­sen aus dem Nor­den nö­tig sei­en, son­dern viel zu we­nig über Ener­gie­ein­spar­mög­lich­kei­ten und Ener­gie­ef­fi­zi­enz ge­spro­chen wer­de. „Und dass man sich im­mer noch nicht über ei­ne steu­er­li­che För­de­rung der en­er­ge­ti­schen Sa­nie­rung ei­ni­gen konn­te, ist ein Trau­er­spiel.“

Ei­nen Er­folg konn­te da­ge­gen IHK-Prä­si­dent And­reas Kop­ton ver­mel­den: Der Ruf nach ei­ner stär­ke­ren För­de­rung von Grün­dern in Bay­ern wur­de von der Po­li­tik ge­hört. Schwa­ben er­hielt von Mi­nis­te­rin Ai­g­ner als ers­te baye­ri­sche Re­gi­on den För­der­be­scheid über 1,25 Mil­lio­nen Eu­ro für das Di­gi­ta­le Zen­trum Schwa­ben, das in Augs­burg und Kemp­ten je­weils ei­nen Stand­ort hat. Auch die bei­den Kam­mern för­dern die Netz­werkak­ti­vi­tä­ten mit über 100 000 Eu­ro.

Da­mit mög­lichst vie­le baye­ri­sche Be­trie­be die Her­aus­for­de­run­gen, die mit der wach­sen­den Di­gi­ta­li­sie­rung ver­bun­den sind, gut meis­tern, ver­wies Ai­g­ner un­ter an­de­rem auf den so­ge­nann­ten „Di­gi­tal­bo­nus Bay­ern“, ein Pro­gramm, das klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men beim Aus­bau und der Ab­si­che­rung ih­rer IT fi­nan­zi­ell un­ter­stützt. Auch das The­ma Da­ten­si­cher­heit ste­he auf der Ar­beits­agen­da des baye­ri­schen Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums ganz oben. Al­ler­dings wur­de bei der Po­di­ums­dis­kus­si­on auch deut­lich, dass gera­de klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men den Mehr­wert teu­rer In­ves­ti­tio­nen in die Di­gi­ta­li­sie­rung ih­rer Pro­duk- ti­ons­ab­läu­fe erst nach drei bis vier Jah­ren er­ken­nen kön­nen.

Vor al­lem aber be­schleu­ni­ge die Di­gi­ta­li­sie­rung die Ar­beits­ab­läu­fe. Wä­re es al­so nicht an­ge­bracht, ei­ne Steu­er für Ro­bo­ter ein­zu­füh­ren? Nein! Dar­in wa­ren sich die Po­di­ums­teil­neh­mer Prof. Gun­ther Rein­hart, Prof. Gor­don Tho­mas Rohr­mair und Prof. Heinz Vog­gen­rei­ter bei der Fra­ge von Mo­de­ra­tor Prof. Pe­ter Wel­zel ei­nig. Denn Ra­tio­na­li­sie­rungs­pro­zes­se ge­hör­ten zur Wirt­schaft. Über­näh­men die­se Auf­ga­be nicht Ro­bo­ter, droh­ten bei­spiels­wei­se Ver­la­ge­run­gen von Stand­or­ten.

Was be­deu­tet dies aber nun für die Mit­ar­bei­ter? An der Pro­duk­ti­on soll zwar fest­ge­hal­ten wer­den, aber die Be­rufs­bil­der ver­än­dern sich. Auch müs­se ver­stärkt in­ter­dis­zi­pli­när ge­ar­bei­tet wer­den. Für Hand­werks­kam­mer­prä­si­dent Rauch steht fest: „Die wach­sen­de Aka­de­mi­sie­rung geht am Be­darf der Un­ter­neh­men vor­bei.“Die Be­trie­be bräuch­ten vor al­lem Fach­kräf­te. Da­her ha­ben sich die Kam­mern auch für ei­ne Be­rufs­ori­en­tie­rung an Gym­na­si­en stark ge­macht, die ab dem Schul­jahr 2017/18 ein­ge­führt wer­de. Die Ge­win­nung von Fach­kräf­ten ist ei­ne zen­tra­le Auf­ga­be der Wirt­schaft.

Das sieht auch Mi­nis­te­rin Ai­g­ner so. Die Fach­kräf­te­not lässt sich ih­rer Ein­schät­zung nach aber nicht al­lein mit mehr Zu­wan­de­rung lö­sen. Gera­de weil der Be­darf an be­ruf­lich qua­li­fi­zier­ten Fach­kräf­ten am größ­ten ist, „müs­sen wir un­se­re ei­ge­nen Kräf­te best­mög­lich aus­schöp­fen“. Auch Stu­di­en­ab­bre­cher und Frau­en müss­ten da­her stär­ker um­wor­ben wer­den. Ei­ne gro­ße Bit­te an die Ver­tre­ter der Uni­ver­si­tä­ten und Hoch­schu­len hat­te Franz Jo­sef Pschie­rer, Staats­se­kre­tär im baye­ri­schen Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um: „Las­sen Sie Ih­re Mess­lat­te oben.“

Brau­chen wir ei­ne Steu­er für Ro­bo­ter?

Fo­to: Fred Schöll­horn

Schaut auf Schwa­ben, die zei­gen, wie es geht – so könn­te die Ges­te von Bay­erns Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Il­se Ai­g­ner ver­stan­den wer­den, die in Augs­burg die Be­trie­be in der Re­gi­on lob­te, aber auch viel An­er­ken­nung zu­rück­be­kam.

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