Angst vor der Weih­nachts­gans

Seu­che An der Ost­see sind zehn­tau­sen­de Tie­re vor­sorg­lich ge­tö­tet wor­den. Jetzt brei­tet sich die Vo­gel­grip­pe auch in un­se­rer Re­gi­on aus. Doch Ver­brau­cher müs­sen nicht in Pa­nik ver­fal­len

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Bayern - VON SARAH RITSCHEL

Augs­burg

Ur­sprüng­lich hat­te er be­fürch­tet, dass die Gän­se gar nicht für Weih­nach­ten rei­chen wür­den. Seit die Vo­gel­grip­pe in Bay­ern aus­ge­bro­chen ist, hat der All­gäu­er Ge­flü­gel­züch­ter ganz an­de­re Sor­gen. „Die Leu­te ru­fen bei mir an, ma­chen sich to­tal Sor­gen und be­stel­len ih­re Weih­nachts­gans ab“, sagt der Mann, der nicht mit Na­men in der Zei­tung ste­hen möch­te.

Kein Züch­ter in der Re­gi­on will das, nie­mand möch­te den Na­men sei­nes Hofs in ei­nem Satz mit dem Wort Vo­gel­grip­pe le­sen. Das Ge­schäft sei auch so schon ge­nug ge­schä­digt, er­klärt der All­gäu­er Bi­o­bau­er, der mehr als 250 Gän­se und 5000 Pu­ten be­sitzt. „Wir ver­su­chen al­les, um den Leu­ten klar­zu­ma­chen, dass kei­ne Ge­fahr für den Men­schen be­steht. Aber sie schwen­ken trotz­dem auf Reh­bra­ten um.“Tat­säch­lich ist welt­weit kein Fall be­kannt, in dem das der­zeit gras­sie­ren­de H5N8-Vi­rus auf den Men­schen über­ge­grif­fen hät­te. Bis­her wur­de die Vo­gel­grip­pe in Bay­ern nur bei fest­ge­stellt. Die ers­ten to­ten Tie­re tauch­ten ver­gan­ge­ne Wo­che am Bo­den­see auf. Nun sei die hoch­an­ste­cken­de H5N8-Va­ri­an­te in neun Land­krei­sen und Städ­ten be­stä­tigt wor­den, sag­te ges­tern ein Spre­cher des Lan­des­amts für Ge­sund­heit und Le­bens­mit­tel­si­cher­heit (LGL) in Er­lan­gen.

In der Re­gi­on ist ne­ben dem Bo­den­see­kreis Lin­dau auch In­gol­stadt be­trof­fen. Ver­dachts­fäl­le gab es bis ges­tern im Ver­brei­tungs­ge­biet un­se­rer Zei­tung in den Land­krei­sen Ost­all­gäu, Neu­burg-Schro­ben­hau­sen und Augs­burg. Dort, am Lechu­fer na­he Thier­haup­ten, war bei ei­nem to­ten Schwan Vo­gel­grip­pe fest­ge­stellt wor­den. Ob es sich um die ge­fähr­li­che Va­ri­an­te han­delt, wird der­zeit am Fried­rich-Löff­ler-For­schungs­in­sti­tut für Tier­ge­sund­heit (FLI) un­ter­sucht.

Um ei­ne Aus­brei­tung auf Stal­lWild­vö­geln und Nutz­tie­re zu ver­hin­dern, gilt im Frei­staat seit Frei­tag ei­ne Stall­pflicht. Jetzt müs­sen die Land­rats­äm­ter da­für sor­gen, dass die Vor­ga­be in al­len Be­trie­ben so schnell wie mög­lich um­ge­setzt wird.

Aus­nah­men sind nur in ab­so­lu­ten Ein­zel­fäl­len er­laubt – zum Bei­spiel, wenn die Tie­re sich durch ihr Rang­ver­hal­ten auf engs­tem Raum ge­gen­sei­tig ver­let­zen wür­den. In sol­chen Aus­nah­me­fäl­len muss sich der Züch­ter aber an stren­ge Auf­la­gen hal­ten, zum Bei­spiel an ver­schärf­te Über­wa­chungs- und Mel­de­pflich­ten. Die An­ord­nung des Um­welt­mi­nis­te­ri­ums gilt auf un­be­stimm­te Zeit.

Beim FLI rech­net man da­mit, dass sich die Vo­gel­grip­pe wei­ter „recht ra­sant“ver­brei­ten wird. Or­ni­tho­lo­gen neh­men an, dass das Vi­rus von Zug­vö­geln aus Russ­land ein­ge­schleppt wur­de. „So­lan­ge die Zug­vö­gel hier sind, müs­sen wir wei­ter­hin mit Fäl­len rech­nen.“Ob und wann die Tie­re un­se­re Brei­ten­gra­de ver­las­sen, hängt un­ter an­de­rem da­von ab, wie kalt es in den nächs­ten Wo­chen wird.

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