Wird Neu-Ulm bald kreis­frei?

Wachs­tum Die Do­n­au­stadt hat über 57 000 Ein­woh­ner. Jetzt könn­te sie ei­gen­stän­dig wer­den

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Bayern - VON KAT­HA­RI­NA DODEL

Neu-Ulm

Augs­burg ist kreis­frei, Kemp­ten, Mem­min­gen und Kauf­beu­ren sind es auch. Nur Neu-Ulm nicht. Sie ist die größ­te Stadt Bay­erns, die sich noch nicht ei­gen­stän­dig ver­wal­tet und ei­nem Land­kreis an­ge­hört. Doch das soll sich än­dern, wün­schen sich ei­ni­ge Ver­tre­ter des Stadt­rats. An­lass da­für wa­ren die ak­tu­ells­ten Ein­woh­ner­zah­len und die Zu­kunfts­pro­gno­se – die zeigt steil nach oben: Neu-Ulm hat der­zeit 57 232 Ein­woh­ner und wächst und wächst und wächst. Jetzt sei es an der Zeit, sich vom Land­kreis ab­zuna­beln, fin­den die Vor­sit­zen­den der größ­ten Stadt­rats­frak­tio­nen, CSU und SPD.

Im­mer wie­der wur­de in der Ver­gan­gen­heit das The­ma Kreis­frei­heit be­spro­chen. Nie je­doch kon­kret. Die hit­zi­gen De­bat­ten um den mut­maß­lich kost­spie­li­gen Er­halt der Ge­bur­ten­sta­ti­on im Sü­den und die Kli­ni­k­re­form ha­ben das Fass zum Über­lau­fen ge­bracht und Neu-Ulm im nörd­li­chen Land­kreis vom Rest zu­neh­mend ab­ge­spal­ten.

Ant­je Es­ser, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der SPD, nennt „die Dis­kus­sio­nen um die Ge­bur­ten­sta­ti­on das Tüp­fel­chen auf dem i“. In der Ver­gan­gen­heit ha­be sich im­mer wie­der ge­zeigt, wie weit sich Stadt und Land­kreis ent­fernt hät­ten. NeuUlm ha­be Pro­ble­me, die sich schnel­ler oder ein­fa­cher als ei­gen­stän­di­ge Kom­mu­ne lö­sen lie­ßen.

Da­für hät­te die­se dann das Geld, das bis­her jähr­lich als Um­la­ge an den Land­kreis fließt: 28 Mil­lio­nen Eu­ro muss die Stadt in die­sem Jahr plan­mä­ßig an den Kreis ab­ge­ben, et­wa 35 Mil­lio­nen sind es vor­aus­sicht­lich nächs­tes Jahr.

Wie Hans-Pe­ter Mai­er von der Ab­tei­lung Kom­mu­nal­recht am Land­rats­amt mit­teilt, kom­men auf die Stadt im Fal­le der Kreis­frei­heit zahl­rei­che Auf­ga­ben zu, die bis­her im Land­rats­amt be­ar­bei­tet wer­den – da wä­ren un­ter an­de­rem die wei­ter­füh­ren­den Schu­len, die Ab­fall­ent­sor­gung oder die Kreis­stra­ßen.

Jo­han­nes Stingl von der CSU fin­det den­noch, es sei höchs­te Zeit, dass sich Neu-Ulm Ge­dan­ken über die Kreis­frei­heit macht – be­trach­te man an­de­re Städ­te in Bay­ern. Und tat­säch­lich: Auf der Lis­te der größ­ten Städ­te des Bun­des­lands wird Neu-Ulm um­rahmt von kreis­frei­en Städ­ten. Da wä­ren Bam­berg, Aschaf­fen­burg oder Ro­sen­heim noch vor der Do­n­au­stadt. Ge­folgt von ein­woh­ner­tech­nisch klei­ne­ren, aber den­noch kreis­frei­en Städ­ten – wie Schwein­furt mit 52 000 Ein­woh­nern oder Pas­sau mit 51 000.

Wie ei­ne Stadt den Sta­tus Kreis­frei­heit er­lan­gen kann, er­klärt Kom­mu­nal­recht­ler Mai­er mit Ver­weis auf die Ge­mein­de­ver­ord­nung: Die­se be­sagt, dass Städ­te mehr als 50000 Ein­woh­ner ha­ben und die Zu­stim­mung des Land­tags er­hal­ten müs­sen, um kreis­frei wer­den zu kön­nen. „Au­ßer­dem müs­sen sie die ent­spre­chen­de Be­deu­tung ha­ben.“

Die „Be­deu­tung“ha­be Neu-Ulm längst, fin­den die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den uni­so­no. Ober­bür­ger­meis­ter Ge­rold Noeren­berg warnt in­des vor „vor­ei­li­gen“Ak­tio­nen. Da­her hat er den Äl­tes­ten­rat hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren um sich ver­sam­melt, um ge­mein­sam über das The­ma zu be­ra­ten. Mit dem Er­geb­nis sind nun of­fen­bar al­le Stadt­rats­frak­tio­nen und der OB zu­frie­den: Die Ver­wal­tung prüft bis zum Früh­jahr, was die Kreis­frei­heit kon­kret für NeuUlm be­deu­ten könn­te. Dann wird das The­ma im Stadt­rat dis­ku­tiert.

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