Die Ham­bur­ger Seu­che

Li­ber­ta­tem quam pe­pe­re­re maio­res di­g­ne stu­de­at ser­va­re pos­te­ri­tas.

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport - VON FRANZ NEUHÄUSER fhn@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Falls Sie mit ih­rem Latein be­reits am En­de sein soll­ten – der Spruch oben be­deu­tet so viel wie „Die Frei­heit, die die Al­ten er­war­ben, mö­ge die Nach­welt wür­dig zu er­hal­ten sich be­mü­hen.“Zu fin­den ist er am Rat­haus der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg.

Nun, die Frei­heit der Ham­bur­ger ist nicht in Ge­fahr. An­ders die sport­li­chen Er­fol­ge, die die Al­ten wie Uwe See­ler, Char­ly Dör­fel, Man­ni Kaltz, Horst Hru­besch und Ke­vin Kee­gan einst er­war­ben. Es scheint, als ob die Nach­welt, al­so Per­so­nen wie Re­né Ad­ler, Den­nis Diek­mei­er und Jo­hann Djou­rou, beim Ver­such schei­tert, das gro­ße Er­be wür­dig zu er­hal­ten.

Der Un­ter­gang des Ham­bur­ger SV wä­re ein Er­eig­nis von Ti­ta­nicAus­ma­ßen. Der ein­zi­ge Ver­ein, der seit An­be­ginn in der Bun­des­li­ga an Bord ist, nie ab­ge­stie­gen ist. Qua­si un­sink­bar. Was auch von die­sem Schiff einst be­haup­tet wur­de.

Wä­re es doch nur der dro­hen­de HSV-Ex­itus al­lei­ne, der die Ham­bur­ger heim­zu­su­chen droht. Er lie­ße sich viel­leicht noch ir­gend­wie ver­kraf­ten. Schließ­lich ist nicht je­der Ham­bur­ger per Ge­burt dem HSV zu­ge­tan. Es gibt ja noch den an­de­ren gro­ßen Fuß­ball­klub in der Stadt, den FC St. Pau­li. Aber auch der kommt in sei­ner Li­ga nicht vom letz­ten Platz weg.

Ham­burg droht ein Dop­pel­ab­stieg. Nicht ein­mal die be­schei­de­ne Aus­sicht auf ein bal­di­ges Stadt­der­by in der Zweit­klas­sig­keit er­scheint der­zeit rea­lis­tisch.

Es läuft nicht gut im Ham­bur­ger Sport. Denn nicht nur im Fuß­ball kri­selt es. An­fang 2016 war be­reits ein an­de­rer HSV, der Hand­ball Sport­ver­ein Ham­burg, un­ter­ge­gan­gen. Der Ver­ein war aus der Bun­des­li­ga aus­ge­schlos­sen wor­den. We­gen Schul­den und Schum­me­lei­en. Mit­te die­ses Jah­res raff­te die Ham­bur­ger Seu­che die Free­zers da­hin, ei­ne Eis­ho­ckey-Mann­schaft, die vie­le Jah­re zum In­ven­tar der höchs­ten Li­ga ge­hört hat­te. Weil das Team nur Ver­lus­te an­häuf­te, mel­de­te es der Be­sit­zer ab.

Und dann hat kürz­lich auch der VT Au­ru­bis Ham­burg sein Team aus der Bun­des­li­ga der Vol­ley­bal­le­rin­nen zu­rück­ge­zo­gen. Ach ja, auch der Snoo­ker­klub SC Ham­burg ist seit die­ser Sai­son nur noch zweit­klas­sig.

In dem Licht er­scheint es nur kon­se­quent, dass die Ham­bur­ger vor ei­nem Jahr mit Mehr­heit ge­gen ei­ne Olym­pia-Be­wer­bung ge­stimmt ha­ben.

Ham­burg ist ganz of­fen­sicht­lich ein schwie­ri­ges Pflas­ter für den Spit­zen­sport ge­wor­den. Wor­an das liegt? Wis­sen­schaft­ler könn­ten schlaue Theo­ri­en mit vie­len la­tei­ni­schen Wor­ten da­zu ent­wer­fen. Viel­leicht gilt aber auch ein­fach, was der gro­ße Fuß­ball-Phi­lo­soph And­reas Breh­me, auch er ein Sohn der Han­se­stadt, ein­mal so treff­si­cher for­mu­liert hat: „Has­te Schei­ße am Fuß, has­te Schei­ße am Fuß.“

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