Der Pa­tri­arch kehrt zu­rück

Fuß­ball Uli Ho­en­eß wird am Frei­tag wie­der zum Prä­si­den­ten des FC Bay­ern ge­wählt wer­den. So viel ist si­cher. Aber wird er auch noch so an­griffs­lus­tig wie einst sein? Und wie wird das Zu­sam­men­spiel in der Füh­rung der Münch­ner klap­pen?

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport -

Mün­chen

Die Rück­kehr von Uli Ho­en­eß an die Spit­ze des FC Bay­ern er­folgt zu ei­nem be­son­de­ren Zeit­punkt. Der wirt­schaft­lich wei­ter­hin un­an­tast­ba­re Bun­des­li­ga-Krö­sus zeigt sich nach Jah­ren der na­tio­na­len Do­mi­nanz in die­sen Ta­gen sport­lich ver­wund­bar. Nach dem Sturz vom Ta­bel­len­thron läuft der deut­sche Fuß­ball-Bran­chen­füh­rer am mor­gi­gen Mitt­woch (18 Uhr/live auf Sky) im fer­nen Ros­tow am Don so­gar noch Ge­fahr, den Grup­pen­sieg in der Cham­pi­ons Le­ague vor­zei­tig zu ver­spie­len.

Das wür­de die Stim­mung beim „FC Ruhm­reich“wei­ter be­ein­träch­ti­gen. Es wür­de auch die Vor­aus­set­zun­gen zu­sätz­lich ver­än­dern, un­ter de­nen der 64 Jah­re al­te Ho­en­eß sich am Frei­tag von den Mit­glie­dern wie­der zum Prä­si­den­ten des größ­ten deut­schen Sport­ver­eins wäh­len las­sen möch­te.

Er sei durch­aus an­ge­spannt, ver­riet Ho­en­eß. Sei­ne Wahl steht nicht in­fra­ge. Er ist der ein­zi­ge Kan­di­dat für das Amt. Den­noch: Die stra­pa­ziö­se Rei­se mit der Mann­schaft nach Russ­land er­spart er sich. Auch beim mit 0:1 ver­lo­re­nen Li­ga-Top­spiel in am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de war er nicht da­bei.

Sein Fo­kus sei auf die Mit­glie­der­ver­samm­lung ge­rich­tet, ist im Ver­ein zu hö­ren. Seit Wo­chen fei­le er an sei­ner Re­de. Das Come­back des Jah­res, ach was, des Jahr­zehnts im deut­schen Fuß­ball elek­tri­siert al­le im Ver­ein und auch in der Bun­des­li­ga. „Sie er­hält ein Ge­sicht zu­rück, das ihr ge­fehlt hat“, sag­te Le­ver­ku­sens Sport­di­rek­tor Ru­di Völ­ler.

270 Ta­ge nach der vor­zei­ti­gen Ent­las­sung aus der Haft kann Ho­en­eß sei­ne per­sön­li­che Welt wie­der zu­recht­rü­cken und für sich ei­nen Schluss­strich un­ter das dun­kels­te Ka­pi­tel sei­nes Le­bens zie­hen. Mit 64 woll­te er „noch nicht aufs Al­ten­teil“, wie er dem Ki­cker sag­te.

Aber wer kehrt da zu­rück? Der al­te Uli Ho­en­eß? Die selbst er­nann­te „Ab­tei­lung Atta­cke“? Oder ein neu­er, ge­mä­ßig­ter Uli H.? „Das deut­li­che Wort wird wei­ter mein Mar­ken­zei­chen sein“, kün­dig­te er schon mal an.

„Die Bun­des­li­ga ge­winnt durch Uli Ho­en­eß ei­ne cha­ris­ma­ti­sche, kom­pe­ten­te, star­ke und streit­ba­re Stim­me zu­rück“, sag­te Hof­fen­heims Mä­zen Diet­mar Hopp. „Mit Uli kracht es dann auch ab und zu mal wie­der“, pro­phe­zei­te Dort­munds Ge­schäfts­füh­rer Hans-Joa­chim Watz­ke.

Die Zeit im Ge­fäng­nis hat den streit­ba­ren Bay­ern-Pa­tron ge­prägt. Das Land­ge­richt Mün­chen hat­te Ho­en­eß im März 2014 we­gen der Hin­ter­zie­hung von min­des­tens 28,5 Mil­lio­nen Eu­ro Steu­ern zu ei­ner Haft­stra­fe von drei­ein­halb Jah­ren ver­ur­teilt. Nur ei­nen Tag spä­ter war er von sei­nen Äm­tern als Prä­si­dent und Auf­sichts­rats­chef zu­rück­ge­tre­ten. Er hat sei­ne Stra­fe ver­büßt, über 40 Mil­lio­nen Eu­ro be­zahlt. Aus sei­ner Vi­ta strei­chen kann er den größ­ten Feh­ler sei­nes Le­bens nicht.

„Er wird sich we­gen sei­ner Vor­ge­schich­te si­cher auf An­grif­fe ein­stel­len müs­sen, die nichts mit sei­nem Amt zu tun ha­ben“, sag­te sein lang­jäh­ri­ger In­tim­feind Chris­toph Daum: „Ich wün­sche ihm per­sön­lich, dass er als Prä­si­dent glück­lich und zu­frie­den wird.“

Im Au­di Do­me, der Heim­stät­te der von ihm pro­te­gier­ten Bay­ernBas­ket­bal­ler, dürf­ten Ho­en­eß am Frei­tag­abend Ju­bel und Sprech­chöDort­mund re ge­wiss sein. Ei­ne emo­tio­na­le In­thro­ni­sie­rung ist an­ge­sagt, ge­mäß je­nem be­rühm­ten Satz, den Ho­en­eß am 2. Mai 2014 am sel­ben Ort den Mit­glie­dern trot­zig zum Ab­schied auf Zeit zu­ge­ru­fen hat­te: „Ich wer­de für al­les ge­ra­de­ste­hen. Und dann, wenn ich zu­rück bin, wer­de ich mich nicht zur Ru­he set­zen. Das war’s noch nicht!“

Ho­en­eß wird Karl Hopf­ner, 64, ab­lö­sen, der sei­nen Platz­hal­ter spie­len durf­te, aber kon­se­quent das An­ge­bot ab­lehn­te, wie­der in der zwei­ten Rei­he in Ho­en­eß’ Prä­si­di­um mit­zu­wir­ken. Der FC Bay­ern hat auch in den zwei Jah­ren oh­ne den Über­va­ter Ho­en­eß gut funk­tio­niert.

Ho­en­eß aber braucht sein Le­bens­werk. Das do­ku­men­tiert ein Satz, den er im No­vem­ber 2013 auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung vor sei­ner Ver­ur­tei­lung sag­te: „Ich wer­de die­sem Ver­ein die­nen – bis ich nicht mehr at­men kann!“Der FC Bay­ern ist für ihn die Luft zum At­men.

Mit Ho­en­eß als Prä­si­dent und spä­ter auch wie­der Auf­sichts­rats­boss wer­den sich die Macht­struk­tu­ren beim FC Bay­ern wie­der ver­än­dern. Karl-Heinz Rum­me­nig­ge hat als Vor­stands­vor­sit­zen­der den Ver­ein zu­letzt prak­tisch al­lei­ne prä­sen­tiert. „Die Fra­ge ist, ob die bei­den wie­der die glei­che Ba­lan­ce fin­den, die sie vor­her hat­ten“, be­merk­te BVB-Ri­va­le Watz­ke. Die Fuß­ball­bran­che ist ge­spannt.

Rum­me­nig­ge und Ho­en­eß ken­nen sich seit Jahr­zehn­ten. Sie ha­ben es im­mer ver­stan­den, Macht zu tei­len. Es wer­de sich gar nicht so viel dra­ma­tisch än­dern in der Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Uli und ihm, ver­si­cher­te Rum­me­nig­ge. Der 61-jäh­ri­ge Rum­me­nig­ge hat sei­nen Ver­trag als Vor­stands­chef bis 2019 ver­län­gert. So lan­ge wird auch Ho­en­eß’ neue Amts­zeit gel­ten.

Die bei­den wer­den da­für sor­gen müs­sen, den FC Bay­ern fit für die Zeit nach ih­nen zu ma­chen. Das könn­te und soll­te ge­lin­gen. Bei­de be­für­wor­ten et­wa, dass Ka­pi­tän Phil­ipp Lahm, 33, nach sei­ner Kar­rie­re als Pro­fi in die Ver­eins­füh­rung ein­ge­bun­den wird.

Lahm be­grüßt das Ho­en­e­ßCome­back na­tür­lich auch: „Uli ist für den Ver­ein so was von wich­tig. Oh­ne ihn wä­re der FC Bay­ern nicht da, wo er jetzt steht.“

Fo­to: Se­bas­ti­an Wid­mann, Wit­ters

Mit Bei­fall emp­fan­gen: Uli Ho­en­eß im Mai die­ses Jah­res bei der Meis­ter­fei­er der Bay­ern in der Münch­ner Are­na.

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