Die Wand­lung zum Welt­re­kord­ler

Schwim­men Bei Olym­pia in Rio ging Mar­co Koch noch un­ter. Da­nach nahm er in sechs Wo­chen drei­zehn Ki­lo ab. Wie er das er­reicht hat und war­um er es nicht schon frü­her ge­tan hat

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport - VON AND­REAS KORNES

Ber­lin

Mit­te der ver­gan­ge­nen Wo­che hat Mar­co Koch in Ber­lin ei­ne Pres­se­kon­fe­renz ge­ge­ben. An­lass wa­ren die deut­schen Meis­ter­schaf­ten auf der Kurz­bahn. Zu de­ren Auf­takt soll­te der der­zeit ein­zi­ge deut­sche Welt­klas­se­schwim­mer er­zäh­len, wie er die Ent­täu­schung der Olym­pi­schen Spie­le von Rio ver­daut hat. Al­so er­zähl­te Koch, dass er sich da­mit gar nicht so schwer­ge­tan ha­be, „denn ich ha­be al­les ge­ge­ben. Mehr war an die­sem Tag in mei­nem Kör­per nicht drin“. Koch hat­te im Fi­na­le über 200 Me­ter Brust als Me­dail­len­kan­di­dat ge­gol­ten und war nur Sieb­ter ge­wor­den.

Eher bei­läu­fig be­rich­te­te Koch in Ber­lin, dass er nach Rio ei­ne Di­ät ge­macht ha­be. In­ner­halb von sechs Wo­chen nahm er 13 Ki­lo ab. Bei 1,85 Me­ter Kör­per­grö­ße wiegt er jetzt 80 Ki­lo. Tags dar­auf prang­ten in den Ber­li­ner Zei­tun­gen Schlag­zei­len über das „Ab­nehm­wun­der“Koch und des­sen „Wun­der­di­ät“.

Im Som­mer hat­te Kochs Fi­gur schon ein­mal im Fo­kus ge­stan­den. Als die deut­sche Mann­schaft oh­ne Me­dail­le von den Spie­len zu­rück­kehr­te, ti­tel­te die Bild-Zei­tung: „Di­ckes Pro­blem bei den Schwim­mern“. Da­ne­ben stand ein Fo­to von Koch. „Ich ha­be da­mals nicht viel ge­le­sen“, sagt der Darm­städ­ter rück­bli­ckend. „Ich konn­te mir ja den­ken, was da ge­schrie­ben wur­de.“Da­bei war Koch im Jahr zu­vor mit dem glei­chen Ge­wicht Welt­meis­ter ge­wor­den. Sein Trai­ner Alex­an­der Krei­sel hat­te den Kör­per sei­nes Schütz­lings als „ei­ne Art Pin­guin­form“be­zeich­net. Ge­nau die­se ma­che ihn zum ver­mut­lich bes­ten Glei­ter der Welt. Kein an­de­rer Schwim­mer schafft nach Start und Wen­de mit we­ni­ger Auf­wand mehr Stre­cke un­ter Was­ser. Koch glei­tet noch, wäh­rend die Kon­kur­renz schon wie­der ar­bei­ten muss.

Trotz­dem hat­ten der Schwim­mer und sein Trai­ner das Kör­per­ge­wicht schon seit län­ge­rem als An­satz­punkt für ei­ne Ve­rän­de­rung aus­ge­macht. Die bei­den gel­ten als Tüft­ler, die im­mer wie­der neue Me­tho­den aus­pro­bie­ren. Un­mit­tel­bar vor den Spie­len sei ih­nen da­für aber das Ri­si­ko zu groß ge­we­sen. Im Nach­hin­ein ein Feh­ler, denn die Um­s­tel- lung hat sich schnell aus­ge­zahlt. All den Ne­ga­tiv­schlag­zei­len des Som­mers und den Dis­kus­sio­nen über sein Kör­per­ge­wicht ließ Koch am Sonn­tag ei­nen sport­li­chen Pau­ken­schlag fol­gen. Zum Ab­schluss der deut­schen Kurz­bahn-Meis­ter­schaf­ten stell­te er auf sei­ner Spe­zi­al­stre­cke 200 Me­ter Brust ei­nen neu­en Welt­re­kord auf. Die al­te Best­mar­ke von 2:00,48 Mi­nu­ten hat­te der Lon­don-Olym­pia­sie­ger Dá­ni­el Gyur­ta aus Un­garn ge­hal­ten. Koch war vier Hun­derts­tel schnel­ler.

Die Di­ät war al­so ein Er­folg. Sechs Wo­chen lang hat­te Koch nach den Spie­len von Rio mor­gens und abends nur ei­nen spe­zi­el­len Ei­weißshake ge­trun­ken. „Mit­tags gab es ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Haupt­spei­se, al­ler­dings wa­ren pro Tag nicht mehr als 1500 Ka­lo­ri­en er­laubt.“Par­al­lel da­zu lief das Trai­ning wei­ter. Nor­ma­ler­wei­se be­nö­tigt ein Leis­tungs­sport­ler aus Kochs Preis­klas­se zwi­schen 4000 und 5000 Ka­lo­ri­en pro Tag. An­fangs sei es ihm dem­ent­spre­chend schwer­ge­fal­len, den Trai­nings­plan durch­zu­zie­hen. „Aber dann hat sich mein Kör­per dar­auf ein­ge­stellt.“

Aus­ge­tüf­telt hat die ra­di­ka­le Di­ät Mark War­ne­cke, ein ehe­ma­li­ger Welt­klas­se-Brust­schwim­mer. In­zwi­schen ver­treibt der Arzt Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel. Die Re­so­nanz auf sei­ne Di­ät dürf­te ihm da nicht un­ge­le­gen kom­men.

Koch wie­der­um ist das egal. Für ihn zählt al­lein der Er­folg. Nächs­te Ge­le­gen­heit da­zu bie­tet die Kurz­bahn-WM im De­zem­ber in Ka­na­da. Als Welt­re­kord­ler ist er dort na­tür­lich Top­fa­vo­rit.

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