Hat sich Mer­kel rich­tig ent­schie­den?

Re­ak­tio­nen Vor ih­rer vier­ten Kan­di­da­tur sa­gen Augs­bur­ger CSU-Po­li­ti­ker, was sie mit der Bun­des­kanz­le­rin ver­bin­den und er­le­ben. Die SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Ul­ri­ke Bahr greift schon mal an

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg - VON MICHA­EL HÖR­MANN

Die Kanz­le­rin und Augs­burg. Die­se Ver­bin­dung gibt es im­mer wie­der. Und dies liegt nicht al­lein an Wahl­kampf­ver­an­stal­tun­gen. So be­such­te Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel im März 2015 das Werk von Ku­ka in Augs­burg. Wenn die CDU-Po­li­ti­ke­rin vor Ort ist, hat dies aber meist mit Po­li­tik zu tun.

Gut mög­lich, dass sie der Wahl­kampf im Herbst 2017 ein­mal mehr nach Augs­burg führt, denn sie will Kanz­le­rin blei­ben. 2005 kam sie als Her­aus­for­de­rin des da­ma­li­gen Kanz­lers Ger­hard Schrö­der (SPD) zu ei­ner Kund­ge­bung auf den Rat­haus­platz. Im Wahl­kampf 2009 ge­hör­te Augs­burg nicht zu den Sta­tio­nen von ihr. 2013 schau­te sie wie­der in Augs­burg vor­bei. Drei Ta­ge vor der Bun­des­tags­wahl trat sie ge­mein­sam mit CSU-Par­tei­chef und Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer auf. Be­glei­tet von ei­nem Groß­auf­ge­bot an Si­cher­heits­kräf­ten fand die Kund­ge­bung auf ei­nem vol­len Rat­haus­platz statt. Die Po­li­zei sprach von 2000 Be­su­chern, die den 55-mi­nü­ti­gen Auf­tritt der Kanz­le­rin er­leb­ten. Ein­gangs tru­gen sich Mer­kel und See­ho­fer ins Gol­de­ne Buch der Stadt Augs­burg ein. Für Ober­bür­ger­meis­ter Kurt Gribl gab es die Zu­sa­ge, dass der Um­bau des Haupt­bahn­hofs fi­nan­zi­ell un­ter­stützt wer­de.

Gribl kennt die Kanz­le­rin mitt­ler­wei­le ein Stück nä­her. Ver­gan­ge­nen Mon­tag war er in Ber­lin bei ei­nem In­te­gra­ti­ons­gip­fel. Als Ver­tre­ter des Deut­schen Städ­te­tags saß er mit Mer­kel an ei­nem Tisch: „Ich er­le­be die Kanz­le­rin bei Ter­mi­nen als zu­ge­wandt und wert­schät­zend. Sie ist ei­ne gu­te und auf­merk­sa­me Zu­hö­re­rin und ist be­reit, mit ih­rem Ge­gen­über auch über kom­ple­xe De­tail­fra­gen zu be­rat­schla­gen.“Dass die Kanz­le­rin ein vier­tes Mal an­tritt, sei kei­ne Über­ra­schung. „Es ist gut, dass die Per­so­nal­fra­ge ge­klärt ist, auch wenn die­se Ent­schei­dung zu er­war­ten war. Frau Mer­kel wird die Un­ter­stüt­zung der Uni­ons­par­tei­en ha­ben“, sagt Gribl, der stell­ver­tre­ten­der CSU-Par­tei­chef ist.

Ei­ner, der ihr in Ber­lin öf­ters über den Weg läuft, ist der CSUBun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Vol­ker Ull­rich: „Ih­re er­neu­te Kan­di­da­tur als ge­mein­sa­me Kan­di­da­tin von CDU und CSU schafft Klar­heit und ist ein gu­tes Si­gnal in kom­pli­zier­ten Zei­ten.“Nichts­des­to­trotz wis­se er, dass es Kri­tik an Mer­kel ge­be, nicht zu­letzt we­gen ih­rer Flücht­lings­po­li­tik. Da­zu sagt Ull­rich, der eben­falls wie­der kan­di­diert: „Mir ent­geht nicht, dass bei den Men­schen ne­ben gro­ßer Zuf­rie­den­heit mit der Ar­beit der Bun­des­kanz­le­rin, auch Fra­gen und manch­mal et­was Skep­sis exis­tie­ren.“Dem sei mit In­hal­ten zu be­geg­nen: „Wir müs­sen die Men­schen mit den rich­ti­gen The­men und In­hal­ten auf der Ba­sis des Pro­gramms von CDU und CSU über­zeu­gen und für uns ge­win­nen.“Zur Per­son Mer­kel sagt der Ab­ge­ord­ne­te: „Ich mer­ke, dass auf der Bun­des­kanz­le- rin gro­ße Ver­ant­wor­tung ruht. Die­se geht sie struk­tu­riert und durch­dacht an.“Es „men­schelt“sehr wohl bei ihr, fügt Ull­rich an: „Ich er­le­be sie of­fen und stets mensch­lich, bis­wei­len auch hu­mor­voll.“

Wie Ull­rich sitzt die SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Ul­ri­ke Bahr seit 2013 im Bun­des­tag. Auch sie tritt wie­der an. Zu Mer­kel sagt Bahr: „Ich bin ge­spannt, wie sie mit ih­rer in­ner­par­tei­li­chen Op­po­si­ti­on fer­tig wird, wie hand­lungs­fä­hig sie noch ist und ob sie selbst weiß und trans­por­tie­ren kann, wo­für sie steht.“Mit Blick auf CDU und CSU sagt Bahr: „Es zeigt sich bei der Uni­on, wie dünn ih­re Per­so­nal­de­cke ist, wenn an­ge­sichts der Her­aus­for­de­rung es of­fen­bar nur wie­der Mer­kel rich­ten kann.“Die SPD wer­de sich bei ih­rer Su­che nach ei­nem Kan­di­da­ten nicht un­ter Druck set­zen las­sen: „Wir wer­den im Ja­nu­ar 2017 auf un­se­rem Par­tei­tag ent­schei­den. Im Ge­gen­satz zur Uni­on hat die SPD da mehr Aus­wahl und kei­nen An­lass, sich an­trei­ben zu las­sen.“

Mit ei­ner Frau geht die Uni­on in den Bun­des­tags­wahl­kampf. As­trid Ga­bler, Vor­sit­zen­de der Augs­bur­ger Frau­en-Uni­on, sagt: „Ich glau­be es An­ge­la Mer­kel, wenn sie sagt, dass ihr die Ent­schei­dung nicht leicht fiel. Aber es ist gut, in schwie­ri­gen Zei­ten wie die­sen je­man­den mit ih­rem Er­fah­rungs­schatz und ih­rem in­ter­na­tio­na­len Re­nom­mee an der Spit­ze zu ha­ben.“

Fo­to: An­ne Wall

Rück­blick auf 2013: Augs­burgs CSU-Chef Jo­han­nes Hin­ters­ber­ger (links) über­reich­te Kanz­le­rin Mer­kel ein Prä­sent – be­ob­ach­tet von Horst See­ho­fer (rechts).

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