Unacht­sam­keit führt zu ei­nem tra­gi­schen Un­fall

Ge­richt Weil ein Mann beim Ab­bie­gen auf die B16 ein Au­to über­se­hen hat, starb ei­ne Elf­jäh­ri­ge. Die El­tern lei­den sehr dar­un­ter

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport Im Augsburger Land | Nachbarschaft - VON ADRI­AN BAU­ER

Land­kreis Günz­burg Die gro­be Unacht­sam­keit ei­nes Au­to­fah­rers beim Ab­bie­gen auf die B16 hat im ver­gan­ge­nen De­zem­ber zum Tod ei­nes elf­jäh­ri­gen Mäd­chens ge­führt. Zu die­sem Er­geb­nis kam Rich­ter Da­ni­el Theu­rer bei der Ver­hand­lung ge­gen den Un­fall­fah­rer ges­tern vor dem Günz­bur­ger Amts­ge­richt. Das Ur­teil des Richters: Neun Mo­na­te Haft auf Be­wäh­rung, ei­ne Geld­auf­la­ge von 3000 Eu­ro und drei Mo­na­te Fahr­ver­bot. Zu­dem wünsch­te der Rich­ter den El­tern des ge­tö­te­ten Kin­des viel Kraft. Bei­de lei­den un­ter dem Ver­lust, die Mut­ter kämpft mit den phy­si­schen Fol­gen.

Am 7. De­zem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res wa­ren Mut­ter und Kind mit dem Au­to auf dem Heim­weg vom Weih­nachts­markt in Ulm und fuh­ren auf der B16 von Günz­burg Rich­tung Gun­del­fin­gen. Auf Hö­he des Erd­beer­sees bog dann plötz­lich der da­mals 56 Jah­re al­te Un­fall­fah­rer mit sei­nem Au­to aus der Zu­fahrts­stra­ße auf die Bun­des­stra­ße. Die Frau brems­te noch, aber zu spät. Ihr Au­to wur­de durch den Auf­prall auf die Ge­gen­fahr­bahn ge­schleu­dert und knall­te dort ge­gen ein wei­te­res Au­to. Auch des­sen Fah­rer konn­te nicht mehr aus­wei­chen.

Die bei­den Män­ner wur­den leicht ver­letzt, die Frau und ih­re Toch­ter schwer. Der Un­fall­fah­rer und wei­te­re Pas­san­ten leis­te­ten Ers­te Hil­fe, der Not­arzt war schnell vor Ort, das Le­ben des Kin­des konn­ten sie aber nicht ret­ten. Die Mut­ter lei­det noch heu­te un­ter den erns­ten kör­per­li­chen Fol­gen: Ein Mit­tel­fuß­bruch wur­de erst jetzt fest­ge­stellt, so­dass ihr noch ei­ne Ope­ra­ti­on be­vor­steht. Zu­dem muss sie sich Me­tall­tei­le in Arm und Rü­cken ent­fer­nen las­sen. Da­zu kom­men mas­si­ve psy­chi­sche Pro­ble­me durch den Ver­lust ih­res Kin­des. Er­in­ne­run­gen an den Un­fall selbst hat die Frau nicht mehr: „Ich er­in­ne­re mich erst wie­der, als ich im Kran­ken­haus auf­ge­wacht bin.“

Der Un­fall­fah­rer sag­te da­für aus­führ­lich aus. Er ha­be am Erd­beer­see ei­ne Toi­let­ten­pau­se ge­macht und sei dann lang­sam zu­rück zur Bun­des­stra­ße ge­fah­ren. Dort ha­be er an­ge­hal­ten, nach links und rechts ge­schaut und sei dann wei­ter­ge­fah­ren. Als er wie­der nach links ge­schaut ha­be, sei­en plötz­lich die Schein­wer­fer des Au­tos der Frau auf­ge­taucht. Nach dem Zu­sam­men­prall ha­be er ge­hol­fen, das Mäd­chen und ih­re Mut­ter aus dem Au­to zu ber­gen. Er wur­de schließ­lich we­gen ei­nes Schocks ins Kran­ken­haus ge­bracht.

Der Fah­rer des drit­ten Au­tos war sich al­ler­dings si­cher, dass der Wa­gen in der klei­nen Zu­fahrts­stra­ße nicht an­ge­hal­ten hat­te: „Ich dach­te noch, dass das aber ein ge­wag­tes Ab­bie­gen ist“, sag­te der Zeu­ge. Auch über­se­hen kann der Un­fall­ver­ur­sa­cher das Fahr­zeug der Mut­ter und ih­rer Toch­ter kaum ha­ben: Laut Un­fall­gut­ach­ten ist die Bun­des­stra­ße schon früh­zei­tig vor der Ein­mün­dung frei ein­seh­bar. Al­ko­hol war nicht im Spiel.

So­mit blieb Unacht­sam­keit als ein­zi­ge Un­fall­ur­sa­che. „Sie ha­ben Ih­re Sorg­falts­pflicht er­heb­lich ver­letzt“, hielt der Rich­ter dem An­ge­klag­ten vor. Wer auf ei­ne Bun­des­stra­ße ein­bie­gen wol­le, müs­se sich auf je­den Fall mehr­mals ver­si­chern, dass kei­ne an­de­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer ge­fähr­det wer­den. Da­her fal­le die Frei­heits­stra­fe mit neun Mo­na­ten auch re­la­tiv hoch aus, auch das Fahr­ver­bot sei das ma­xi­mal Mög­li­che. Da der An­ge­klag­te bis zu dem Un­fall nie mit dem Ge­setz in Kon­flikt ge­kom­men war, wur­de die Stra­fe aber zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt.

„Dass Ih­re Toch­ter ge­stor­ben ist, tut mir je­den Tag in der See­le weh“, sag­te der Mann zu den El­tern. Ei­nen Ent­schul­di­gungs­brief ha­be er auf An­ra­ten sei­nes Psy­cho­lo­gen und sei­nes An­walts nicht ge­schrie­ben. Aber er ha­be mit dem Va­ter te­le­fo­niert und ein sach­li­ches Ge­spräch mit ihm ge­führt, sag­te der Mann: „Da­bei ha­be ich auch an­ge­bo­ten, dass mich die Mut­ter je­der­zeit kon­tak­tie­ren kann.“Auch er den­ke je­den Tag an den Un­fall und das Mäd­chen. „Das wer­de ich auch bis zum En­de mei­ner Ta­ge nicht ver­ges­sen.“

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