„Bit­te komm ein­fach nur nach Hau­se!“

Ver­miss­ten­su­che Noch im­mer gibt es kein Le­bens­zei­chen von Chris­toph Kast, der seit Sonn­tag ver­schwun­den ist. Wäh­rend die Po­li­zei die Su­che vor­erst ein­ge­stellt hat, durch­käm­men vie­le Frei­wil­li­ge wei­ter­hin die Wäl­der

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Region Augsburg - VON SANDRA LIERMANN

Wel­den/Neu­säß

Die Su­che nach dem ver­miss­ten Chris­toph Kast geht wei­ter. Nach­dem am Di­ens­tag­nach­mit­tag rund 100 Po­li­zei­be­am­te im Wald­ge­biet rund um Wel­den nach dem 23-Jäh­ri­gen such­ten, durch­kämm­te in der Nacht ei­ne Hun­de­staf­fel das Ge­biet. Zu­dem sind zahl­rei­che Frei­wil­li­ge seit Ta­gen auf der Su­che nach dem Ver­miss­ten. Ge­fun­den ha­ben sie je­doch al­le: nichts. Ste­fan Hackl von der Po­li­zei Gerst­ho­fen sag­te am gest­ri­gen Mitt­woch: „Wir ha­ben ak­tu­ell kei­ne neu­en Er­kennt­nis­se. Mo­men­tan wer­ten wir sämt­li­che Hin­wei­se aus, die bei uns ein­ge­gan­gen sind.“Ei­ne hei­ße Spur brach­te bis­lang je­doch kei­ner die­ser Hin­wei­se.

Das Ge­biet, in dem die Be­am­ten nach dem 23-Jäh­ri­gen such­ten, ist enorm groß. Die Such­zo­ne rund um Wel­den leg­ten sie auf­grund ih­rer di­gi­ta­len Re­cher­che fest. „Wir ha­ben als An­halts­punkt ei­ne Han­dy-Funk­zel­le, in der das Mo­bil­te­le­fon des Ver­miss­ten zu­letzt ge­or­tet wur­de. Die­se Funk­zel­le dehnt sich aber auf rund 60 Qua­drat­ki­lo­me­ter aus, rund um das Kern­ge­biet Wel­den“, er­klärt Hackl. 60 Qua­drat­ki­lo­me­ter, das ist so groß wie mehr als 8000 Fuß­ball­fel­der. Da die Be­am­ten zu­nächst nicht aus­schlie­ßen konn­ten, dass der jun­ge Mann sich im Wald auf­hält, ha­ben sie die Su­che nach ihm dort be­gon­nen. Das Ge­biet spielt den Ein­satz­kräf­ten nicht in die Kar­ten: „Der Wald da drau­ßen ist sehr, sehr dicht. Man kann kaum ein paar Me­ter weit se­hen“, be­schreibt Hackl.

Bis zum Ein­bruch der Dun­kel­heit durch­kämm­ten am Di­ens­tag Po­li­zis­ten und Ret­tungs­kräf­te das Wald­ge­biet rund um Wel­den. Nachts mach­ten sich spe­zi­ell aus­ge­bil­de­te Spür­hun­de dort auf die Su­che nach Chris­toph Kast, wo zu­vor noch nicht nach ihm ge­sucht wor­den war. „Lei­der ha­ben auch die Hun­de kei­ne neu­en An­halts­punk­te ge­lie­fert“, so Hackl.

Ne­ben Po­li­zis­ten und Ret­tungs­kräf­ten ma­chen sich seit meh­re­ren Ta­gen auch Pri­vat­per­so­nen im­mer wie­der auf die Su­che nach dem jun­gen Mann – auch Da­nie­la Ka­rev und ei­ne Hand­voll wei­te­rer Frei­wil­li­ger im Al­ter zwi­schen 20 und 30. Sie bre­chen am spä­ten Mitt­woch­nach­mit­tag mit Ta­schen­lam­pen und Stirn­leuch­ten er­neut auf. Ei­ni­ge ken­nen Kast per­sön­lich, an­de­re wie­der­um ha­ben über Face­book von der Su­che er­fah- ren und sich an­ge­schlos­sen. „In­zwi­schen wis­sen so vie­le Men­schen Be­scheid – ir­gend­wer muss ihn doch ge­se­hen ha­ben“, sagt Da­nie­la Ka­rev.

Die Schwes­ter des Ver­miss­ten, Alex­an­dra Kast, hat­te am Sonn­tag in ei­nem Face­book-Auf­ruf um Mit­hil­fe bei der Su­che nach ih­rem Bru­der ge­be­ten. Der Text wur­de in­zwi­schen mehr als 2600-mal ge­teilt. Auch sie be­tei­ligt sich an der Su­che der Frei­wil­li­gen, die ges­tern in ei­nem Wald­stück na­he der Au­to­bahn bei Adels­ried nach Chris­toph Aus­schau ge­hal­ten ha­ben. „Ich ha­be über 200 Nach­rich­ten be­kom­men, dass die Men­schen nach mei­nem Bru­der su­chen. Ei­ni­ge sind bis tief in die Nacht un­ter­wegs“, sagt sie – und kämpft mit den Trä­nen.

Wäh­rend die Frei­wil­li­gen ges­tern Abend wei­ter nach Chris­toph Kast Aus­schau hal­ten, hat die Po­li­zei die Su­che am Mitt­woch nicht fort­ge­setzt. Ste­fan Hackl er­klär­te: „Wir wis­sen schlicht nicht, wo wir su­chen sol­len. Es gibt kei­ne An­halts­punk­te.“Das Wald­ge­biet um Wel­den sei am Di­ens­tag „sehr in­ten­siv und er­schöp­fend“durch­kämmt wor­den. „Es hat we­nig Sinn, es noch ein­mal zu durch­su­chen“, sag­te er.

Statt­des­sen be­schränk­ten sich die Be­am­ten zu­nächst dar­auf, Hin­wei­se aus­zu­wer­ten, die seit dem Ver­schwin­den des 23-Jäh­ri­gen ein­ge­gan­gen sind. „Wir wol­len na­tür­lich je­der Spur nach­ge­hen“, er­klärt Ste­fan Hackl. Ein zu­nächst viel­ver­spre­chen­der Hin­weis auf Klei­dungs­stü­cke, die ei­ne Pas­san­tin am Di­ens­tag bei Neu­säß ge­fun­den hat­te, er­wies sich als Irr­weg. „Laut sei­ner Fa­mi­lie stam­men die­se Klei­dungs­stü­cke nicht vom Ver­miss­ten“, sagt Hackl.

Das letz­te Le­bens­zei­chen, das von Chris­toph Kast be­kannt ist, war ei­ne SMS an ei­nen Be­kann­ten am Sonn­tag­nach­mit­tag. „Mei­ne Mut­ter hat ihm zu­vor noch Tschüss ge­sagt, als er mit­tags aus dem Haus ge­gan­gen ist“, er­in­nert sich Alex­an­dra Kast. Sie hat ei­nen Ap­pell an ih­ren Bru­der: „Hab kei­ne Angst! Dir ist nie­mand bö­se. Bit­te komm ein­fach nur nach Hau­se.“

Von Neu­säß aus ist der 23-Jäh­ri­ge am Sonn­tag ver­mut­lich zu Fuß nach Wel­den auf­ge­bro­chen. Hin­wei­se, dass sich der Mann in ei­ner psy­chi­schen Aus­nah­me­si­tua­ti­on be­fand, ver­dich­te­ten sich in den ver­gan­ge­nen Ta­gen. Die Po­li­zei be­fürch­tet, dass er sich et­was an­ge­tan ha­ben könn­te. In­zwi­schen wur­de der Fall an die Augs­bur­ger Kri­mi­nal­po­li­zei über­ge­ben. Chris­toph Kast wird wie folgt be­schrie­ben: Er ist 1,80 Me­ter groß, schlank und hat dunk­le kur­ze, nach vor­ne ge­kämm­te Haa­re. Er trägt ei­nen Bart um Mund und Kinn. Laut Aus­sa­ge sei­ner Schwes­ter trug er zu­letzt ei­nen dunk­len Ka­pu­zen­pul­li, ei­ne Je­ans und hat­te ei­ne Sport­ta­sche bei sich. O

nimmt die Po­li­zei Gerst­ho fen un­ter 0821/323 1810 ent­ge­gen.

Hin­wei­se

Fo­to: Andreas Lo­de

Im­mer wie­der ha­ben sich Da­nie­la Ka­rev (Drit­te von links) und vie­le wei­te­re in den ver­gan­ge­nen Ta­gen auf die Su­che nach dem ver­miss­ten Chris­toph Kast ge­macht. Mit Lam­pen aus­ge­rüs­tet durch­käm­men sie die Wäl­der rund um Wel­den und su­chen ver­las­se­ne Häu­ser und Hüt­ten auf.

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