Wenn Stress an der See­le nagt

Ge­sund­heit Auch ein­mal nichts tun, hilft dem Ge­hirn

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Erste Seite -

Ber­lin

Ter­min folgt auf Ter­min. An die pri­va­ten Pflich­ten er­in­nert zwi­schen­durch das Pie­pen des Han­dys: Kurz­nach­rich­ten, E-Mails, so­zia­le Netz­wer­ke. Dort prot­zen Be­kann­te mit Rei­sen oder ab­sol­vier­ten Ma­ra­thon­läu­fen um die Wet­te. Bei den Wer­be­mo­dels kneift kein Ho­sen­bund. So jagt ein Reiz den nächs­ten.

Dass das heu­ti­ge Le­ben kaum noch Pau­sen kennt, kann an der see­li­schen Ge­sund­heit na­gen, fürch­ten Psych­ia­trie-Ex­per­ten. „Al­le sind leis­tungs­fä­hig, schön und jung und möch­ten das mög­lichst lan­ge blei­ben. Das hat Fol­gen im Ver­hal­ten der Men­schen“, sag­te Iris Hauth, die Prä­si­den­tin der Deut­schen Ge­sell­schaft für Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­pie. „Ich wür­de nicht sa­gen, Li­fe­style macht Er­kran­kun­gen. Aber Li­fe­style be­wirkt Ver­hal­tens­ver­än­de­run­gen und emo­tio­na­le Ve­rän­de­run­gen, die ge­ge­be­nen­falls Ri­si­ko­fak­to­ren für ei­ne Er­kran­kung wer­den kön­nen.“

De­pres­sio­nen, Angst­stö­run­gen und Ab­hän­gig­keits­er­kran­kun­gen ha­ben laut Hauth in den ver­gan­ge­nen rund 15 Jah­ren nicht zu­ge­nom­men. „Was zu­nimmt, sind Be­find­lich­keits­stö­run­gen un­ter der Schwel­le ei­ner ech­ten psych­ia­tri­schen Dia­gno­se.“Als Chef­ärz­tin ei­ner Fach­kli­nik in Ber­lin-Weis­sen­see er­le­be sie, dass zum Bei­spiel zu­neh­mend jun­ge Men­schen mit Prü­fungs­oder Part­ner­schafts­stress in der Not­auf­nah­me Hil­fe su­chen.

Wie lässt sich Stress ab­bau­en? Ein ge­sun­des Selbst­wert­ge­fühl kann hel­fen. Und Mu­ße: „Auch ein­mal nichts zu tun, ist für die Ge­sund­heit des Ge­hirns un­glaub­lich hilf­reich“, sagt Hauth. Man müs­se nicht al­les machen, was der Markt bie­tet. Ih­re Pa­ti­en­ten bringt sie da­zu, sich die ge­lun­ge­nen Din­ge des Ta­ges vor Au­gen zu füh­ren statt der De­fi­zi­te. Und: So­zia­le Kon­tak­te gel­te es zu pfle­gen.

Fo­to: dpa

Stress kann krank machen.

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