Die Mon­roe vom Schlier­see

Por­trät Chris­ti­ne Ei­xen­ber­ger sagt, zum Star fehl­ten ihr die Al­lü­ren. Die baye­ri­sche Ka­ba­ret­tis­tin könn­te trotz­dem am An­fang ei­ner Film­kar­rie­re ste­hen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Meinung & Dialog -

Au­to­fah­rer mit dem Kenn­zei­chen Mies­bach („MB“) ha­ben in Mün­chen et­wa ei­nen ähn­lich gu­ten Ruf wie Fahr­zeug­len­ker mit „AIC“auf den Schil­dern in Augs­burg. Kurz ge­sagt, sie gel­ten als, sa­gen wir, spe­zi­el­le Ver­kehrs­teil­neh­mer. Viel­leicht kann man es aber auch so se­hen: Die­se länd­lich struk­tu­rier­ten Ge­gen­den und ih­re Men­schen sind ge­ra­de dar­um, weil die Vor­ur­tei­le über sie so groß sind, ein Nähr­bo­den für Ka­ba­ret­tis­ten.

Schluss mit Spe­ku­la­tio­nen. Chris­ti­ne „Ch­ris­sy“Ei­xen­ber­ger stammt aus dem ma­le­ri­schen ober­baye­ri­schen Ört­chen Schlier­see, das nicht weit weg von der Kreis­stadt liegt. Hier ver­bringt üb­ri­gens auch Ka­ba­ret­tis­ten-Gott­va­ter Ger­hard Polt sei­nen Le­bens­abend. Die 29-Jäh­ri­ge aus dem Land­kreis Mies­bach wie­der­um ist in­zwi­schen nicht nur auf der Ka­ba­rett­büh­ne auf dem Weg nach oben. Wenn man ei­ner Fern­seh­zeit­schrift glau­ben darf, die sie schon mit Ma­ri­lyn Mon­roe ver­gleicht, steht sie so­zu­sa­gen im Start­block zu ei­ner Schau­spiel­kar­rie­re.

Erst ver­gan­ge­ne Wo­che lief im ZDF die ers­te Fol­ge ih­res Fern­seh­films „Ma­rie fängt Feu­er“. Der zwei­te Teil folgt am Sonn­tag, 27. No­vem­ber, 20.15 Uhr. Die von Ei­xen­ber­ger ver­kör­per­te Haupt­fi­gur Ma­rie ist da­bei Mit­glied der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr des fik­ti­ven Or­tes Wil­degg. Ih­re Ge­schich­te dreht sich um die Ge­mein­schaft der Feu­er­wehr, ih­re Fa­mi­lie – und na­tür­lich die Lie­be.

Die Schau­spie­le­rei ist nur ein Ta­lent des blon­den Bei­na­he­schon-Stars, der von sich selbst la­chend be­haup­tet, kei­ne Al­lü­ren zu ha­ben. Viel­leicht liegt das dar­an, dass Ei­xen­ber­ger aus dem bo­den­stän­di­gen Voral­pen­land stammt, viel­leicht auch dar­an, weil sie bis­her schon ei­ni­ge Le­bens­er­fah­rung sam­meln konn­te. Ih­re Vi­ta liest sich so: Nach dem Abitur ab­sol­vier­te Chris­ti­ne Ei­xen­ber­ger zu­nächst ei­ne Aus­bil­dung zur Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­ten. An­schlie­ßend be­gann sie ein Ju­ra­stu­di­um an der Uni­ver­si­tät Pas­sau. Vor sechs Jah­ren wech­sel­te sie schließ­lich zur Uni­ver­si­tät Mün­chen, wo sie das Lehr­amts­stu­di­um an Grund­schu­len be­gann. Par­al­lel er­ober­te sie baye­ri­sche Büh­nen. Bis 2012 trat sie zu­sam­men mit To­bi­as Öl­ler als Ka­ba­rett­Duo Öl­ler & Ei­xen­ber­ger auf. Seit 2015 ist sie mit ih­rem So­lo­pro­gramm „Lern­be­läs­ti­gung“un­ter­wegs. Chris­ti­ne Ei­xen­ber­ger ver­ar­bei­tet hier, wie sie sagt, ih­re Er­fah­run­gen aus ih­rer Zeit als „Bil­dungs­ma­na­ge­rin für Abc-Schüt­zen“. Klei­ne Kost­pro­be ge­fäl­lig? „Schau an, a Bas­tel­schlamp’n!“So gars­tig re­den Leh­re­rin­nen wei­ter­füh­ren­der Schu­len über ei­ne Kol­le­gin von der Grund­schu­le, sagt sie. Dem Pu­bli­kum ge­fal­len sol­che Sprü­che.

Be­reits ein Jahr zu­vor star­te­te sie zu­sam­men mit Wolf­gang Krebs in der Sen­dung „Ha­be die Eh­re“, die er­folg­reich im BR-Fern­se­hen läuft. Und ir­gend­wann fiel dann of­fen­sicht­lich dem ZDF auf, dass die na­tür­li­che und grun­d­op­ti­mis­ti­sche Frau vom Schlier­see auch schau­spie­le­ri­sches Ta­lent hat. Die Fol­gen sind be­kannt. Jo­sef Karg

Fo­to: Bri­git­te Glas

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