Weit weg von der deut­schen Ge­sell­schaft

Ki­no Im Film „Asy­land“kom­men Flücht­lin­ge zu Wort. Was sie schät­zen, was sie stört

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik - VON ALEX­AN­DRA SCHNEID

Augs­burg

Ei­gent­lich woll­te der 22-jäh­ri­ge Cag­das Yük­sel nur ei­nen klei­nen Film über Ge­flüch­te­te in Deutsch­land dre­hen. Aber es kam ganz an­ders: Wäh­rend der Pro­duk­ti­on merk­ten er und sei­ne 15 Hel­fer, dass ihr Pro­jekt viel grö­ßer wird als ur­sprüng­lich ge­plant.

Die Do­ku­men­ta­ti­on „Asy­land“ist ihr ers­ter ei­ge­ner Ki­no­film – und dar­auf ist Yük­sel, der in Deutsch­land ge­bo­re­ne Sohn tür­kisch­stäm­mi­ger El­tern, sehr stolz. Zu­vor hat er Bei­trä­ge für Lo­kal­sen­der und das In­ter­net pro­du­ziert. Ne­ben sei­nem So­zi­al­wis­sen­schafts­stu­di­um in Köln hat Yük­sel den Bei­trag ver­wirk­licht. Al­le Be­tei­lig­ten ar­bei­te­ten eh­ren­amt­lich.

Der Film ist be­reits ver­gan­ge­nes Jahr ent­stan­den. Acht Mo­na­te dau­er­te die Pro­duk­ti­on. Mit „Asy­land“tourt der jun­ge Fil­me­ma­cher aus Mön­chen­glad­bach durch ganz Deutsch­land. Ins­ge­samt 30000 Zu­schau­er hät­ten die Do­ku­men­ta­ti­on be­reits in Unis, Ki­nos oder Schu­len ge­se­hen, be­rich­te­te Yük­sel. Jetzt mach­te er Sta­ti­on in Augs­burg. Der Saal im Tha­lia Ki­no war voll, man­che Zu­schau­er sa­ßen auf dem Bo­den.

Über ein hal­bes Jahr be­glei­te­te das Film-Team Flücht­lin­ge in Deutsch­land. Mit­hil­fe von Initia­ti­ven wa­ren die Fil­me­ma­cher auf ih­re Prot­ago­nis­ten auf­merk­sam ge­wor­den. In Ein­zel­in­ter­views, die le­dig­lich an­ein­an­der­ge­schnit­ten wur­den, be­rich­ten die Flücht­lin­ge von ih­rem All­tag in den Un­ter­künf­ten, von ih­rer Su­che nach Ar­beit und von ih­ren ers­ten Ein­drü­cken in Deutsch­land. Das Ka­me­ra-Team ist da­bei, als sie im Deutsch-Un­ter­richt die ers­ten Sät­ze üben und eh­ren­amt­li­che Hel­fer sie zum Gril­len ein­la­den.

So heil die Mo­men­te aus­se­hen – die Flücht­lin­ge spre­chen auch kri­ti­sche Punk­te an: Ei­ner äu­ßert, er ha­be zwar das Ge­fühl, in Deutsch­land zu le­ben, aber doch ab­seits zu sein. Er kri­ti­siert: „Man fühlt sich weit weg von der deut­schen Ge­sell­schaft.“Ein an­de­rer be­rich­tet von den Vor­ur­tei­len sei­ner Nach­ba­rin ihm ge­gen­über. Ein Ge­flüch­te­ter be­män­gelt, vie­le näh­men nicht wirk­lich wahr, dass im­mer noch hun­der­te Men­schen bei ih­rer Flucht im Meer er­trin­ken.

Bei al­ler Kri­tik sind sich die Ge­flüch­te­ten in ei­nem Punkt ei­nig: Sie al­le schät­zen die Si­cher­heit, die ih­nen in Deutsch­land ge­bo­ten wer­de. Ganz be­wusst hat der Fil­me­ma­cher Yük­sel die Her­kunft der Flücht­lin­ge im Film nicht the­ma­ti­siert. „Um kei­ne Vor­ur­tei­le auf­kom­men zu las­sen“, er­klär­te er sei­ne Ent­schei­dung. Im Film kommt auch der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Rü­di­ger Veit zu Wort. Er bringt zum Aus­druck, dass für ihn die Asyl­ver­fah­ren zu lan­ge dau­er­ten. „Das ist be­las­tend für die Be­trof­fe­nen“, sagt er. Der Po­li­ti­ker be­män­gelt, dass vie­le Men­schen Flücht­lin­ge als Be­las­tung sä­hen.

Jo­se­fi­ne Stei­ger von der IHK Schwa­ben küm­mert sich in un­se­rer Re­gi­on um das Pro­jekt „Jun­ge Flücht­lin­ge in Aus­bil­dung“. Aus­bil­dung und Ar­beit sei­en die bes­te In­te­gra­ti­on, sag­te sie nach der Film­vor­füh­rung. Als Asyl­be­wer­ber nach Augs­burg ka­men, muss­te auch die Stadt Un­ter­künf­te be­reit­stel­len – nicht ein­fach an­ge­sichts der Woh­nungs­not. Doch es ha­be ge­klappt, sag­te Chris­ti­an Ger­lin­ger vom So­zi­al­re­fe­rat der Stadt Augs­burg. Film­pro­du­zent Yük­sel be­stä­tig­te: „In­te­gra­ti­on ist ein Pro­zess, der Jah­re oder Jahr­zehn­te dau­ern kann – von bei­den Sei­ten aus.“

Fo­tos: cock­tail­films

Ein Flücht­ling spült in sei­ner Un­ter­kunft Ge­schirr ab.

Cag­das Yük­sel

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