Deut­sche Wirt­schaft schal­tet ei­nen Gang zu­rück

Kon­junk­tur Brut­to­in­lands­pro­dukt steigt nicht mehr so stark an. Doch vie­le Deut­sche wol­len kräf­tig Geld für Weih­nachts­ge­schäf­te aus­ge­ben Kom­men­tar

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wirtschaft - VON STE­FAN STAHL sts@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Wies­ba­den/Nürn­berg

Nach ei­nem Dämp­fer für die deut­sche Kon­junk­tur ste­hen die Zei­chen auf stär­ke­res Wachs­tum zum Jah­res­en­de. Die Kon­sum­lau­ne der Ver­brau­cher ver­bes­ser­te sich recht­zei­tig zum wich­ti­gen Weih­nachts­ge­schäft, die Stim­mung der Un­ter­neh­men ist un­ver­än­dert gut. Von Ju­li bis Sep­tem­ber hat­ten sin­ken­de Ex­por­te und die Ve­r­un­si­che­rung der Wirt­schaft nach dem Br­ex­it-Schock je­doch das Wachs­tum von Eu­ro­pas größ­ter Volks­wirt­schaft ge­bremst. Die Kon­junk­tur schal­te­te ei­nen Gang zu­rück. Der An­stieg des Brut­to­in­lands­pro­duk­tes hal­bier­te sich im drit­ten Quar­tal ge­gen­über dem zwei­ten Vier­tel­jahr auf 0,2 Pro­zent. Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt be­stä­tig­te ei­ne ers­te Schät­zung hier­zu. Im Früh­jahr hat­te die Wirt­schafts­leis­tung noch um 0,4 Pro­zent zu­ge­legt, zum Jah­res­an­fang um 0,7 Pro­zent.

Ge­tra­gen wur­de die Kon­junk­tur von Ju­li bis Sep­tem­ber von der Kon­sum­lust der Ver­brau­cher, den Aus­ga­ben des Staa­tes un­ter an­de­rem für die Ver­sor­gung und Un­ter­brin­gung hun­dert­tau­sen­der Flücht­lin­ge so­wie dem Bau­boom. Ar­beits­lo­sig­keit und In­fla­ti­on sind nied­rig, Spar­buch und Co. wer­fen we­gen der Zins­flau­te kaum noch et­was ab.

Das sorgt für Kauf­lau­ne. „Der pri­va­te Kon­sum er­lebt das stärks­te und längs­te Wachs­tum seit 1992“, sag­te ING-Di­ba-Chef­volks­wirt Cars­ten Br­ze­ski. Die Un­ter­neh­men hiel­ten sich im ers­ten vol­len Quar­tal nach dem Br­ex­it-Vo­tum da­ge­gen mit In­ves­ti­tio­nen in Ma­schi­nen, Ge­rä­te und Fahr­zeu­ge zu­rück. Die ent­spre­chen­den Aus­ga­ben san­ken ge­gen­über dem Vor­quar­tal um 0,6 Pro­zent. Zu­dem brems­te der Au­ßen­han­del die deut­sche Wirt­schaft: Die Aus­fuh­ren gin­gen um 0,4 Pro­zent zu­rück, die Ein­fuh­ren stie­gen hin­ge­gen um 0,2 Pro­zent. Öko­no­men er­war­ten, dass der Kon­sum die deut­sche Kon­junk­tur auch in nächs­ter Zeit auf Kurs hal­ten wird. Zum Weih­nachts­ge­schäft ver­bes­ser­te sich die Lau­ne der Ver­brau­cher wie­der. Der mo­nat­li­che Kon­sum­kli­ma­in­dex des Markt­for­schungs­un­ter­neh­mens GfK er­höh­te sich nach zwei Rück­gän­gen in Fol­ge für den De­zem­ber wie­der auf 9,8 Punk­te.

Selbst Weih­nachts­muf­fel kau­fen Ge­schen­ke für an­de­re. Ei­ner Um­fra­ge zu­fol­ge macht sich je­der ach­te Deut­sche nichts aus dem Fest, die meis­ten von ih­nen emp­fin­den es als anstrengend. Drei Vier­tel der Weih­nachts­muf­fel machen den­noch Ge­schen­ke und ge­ben da­für im­mer­hin 214 Eu­ro aus. Im Schnitt pla­nen die Deut­schen für ih­re Weih­nachts­ge­schen­ke 280 Eu­ro ein, wie das GfK her­aus­ge­fun­den hat.

Ei­ner an­de­ren Stu­die zu­fol­ge sind die Augs­bur­ger noch spen­da­bler: Sie wol­len in die­sem Jahr durch­schnitt­lich 512 Eu­ro für Weih­nachts­ge­schen­ke aus­ge­ben. Auf­fäl­lig ist, dass die Frau­en in Augs­burg mehr Geld für Ge­schen­ke aus­ge­ben als Män­ner. So sind den Augs­bur­ger Frau­en die Weih­nachts­prä­sen­te im Durch­schnitt 543 Eu­ro wert, den Män­nern 483 Eu­ro. Be­son­ders be­liebt in Sa­chen Weih­nachts­ge­schen­ke sind bei den Augs­bur­gern Gut­schei­ne und Kos­me­tik, ge­folgt von Uh­ren, Schmuck und Spiel­wa­ren. Erst da­nach fol­gen Bü­cher, Be­klei­dung und Kon­zert- oder Thea­ter­kar­ten. Die Um­fra­ge zum Ein­kaufs­ver­hal­ten stammt von der FOM Hoch­schu­le in Augs­burg.

Bun­des­weit er­war­tet die Ein­zel­händ­ler ins­ge­samt mehr als 90 Mil­li­ar­den Um­satz im Weih­nachts­ge­schäft. Vie­le Ver­brau­cher be­gin­nen schon im No­vem­ber mit den ers­ten Über­le­gun­gen für Weih­nachts­ge­schen­ke – das sag­ten bei ei­ner Um­fra­ge 32 Pro­zent der Be­frag­ten. 36 Pro­zent mach­ten sich so­gar schon vor­her Ge­dan­ken.

Fo­to: Ka­es­ler Me­dia, Fo­to­lia

Die deut­sche Wirt­schaft ist zu­letzt lang­sa­mer un­ter­wegs ge­we­sen. Das Kon­junk­tur Au­to schal­te­te ei­nen Gang zu­rück.

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