Was aus BSE ge­wor­den ist

Rin­der­wahn Der­zeit macht die Vo­gel­grip­pe Schlag­zei­len in Deutsch­land. Da wer­den Er­in­ne­run­gen an ei­ne an­de­re schlim­me Tier­seu­che wach. Gibt es heute noch Fäl­le?

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wirtschaft - VON ANDRE­AS SCHNURRENBERGER

Augs­burg

Tau­sen­de ge­keul­te Rin­der, Schä­den in Mil­li­ar­den­hö­he, ver­un­si­cher­te Kun­den beim Metz­ger: Die BSE-Kri­se hat­te dras­ti­sche Fol­gen für Land­wir­te, Han­del, Po­li­tik und Ver­brau­cher in Deutsch­land und Eu­ro­pa. Das war En­de der 1990er, An­fang der 2000er Jah­re. Bil­der von da­hin­sie­chen­den Kü­hen, die auf dem Bo­den kau­ern, gin­gen da­mals um die Welt. In Zei­ten der ak­tu­el­len Vo­gel­grip­pe wer­den sol­che Er­in­ne­run­gen wach. Doch was ist aus der als Rin­der­wahn be­kann­ten Krank­heit ge­wor­den? Wel­che Aus­wir­kun­gen hat­te der Aus­bruch der Tier­seu­che? Wel­che Ge­fahr birgt sie für Men­schen? Und gibt es auch heute noch Fäl­le?

Gleich vor­ab: Ja, es gibt im­mer noch ver­ein­zel­te Fäl­le von Rin­der­wahn. Zu­letzt starb im März die­ses Jah­res in Nord­frank­reich ein fünf­jäh­ri­ges Rind, das an BSE er­krankt war. Da­bei han­de­le es sich um ei­nen iso­lier­ten Fall, der kei­ne Fol­gen für Ver­brau­cher ha­be, teil­te das fran­zö­si­sche Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um da­mals mit. Nach An­ga­ben der Wel­t­or­ga­ni­sa­ti­on für Tier­ge­sund­heit (OIE) war das bis­her der ein­zi­ge Fall im Jahr 2016. Ver­gan­ge­nes Jahr re­gis­trier­te die Or­ga­ni­sa­ti­on welt­weit sie­ben BSE-In­fek­tio­nen.

Die töd­li­che Er­kran­kung des Ge­hirns wird nach gän­gi­ger Mei­nung durch so­ge­nann­te Prio­nen ver­ur­sacht (sie­he In­fo­kas­ten). Da­bei han­delt es sich nicht et­wa um Vi­ren oder Bak­te­ri­en, son­dern, ver­ein- facht ge­sagt, um fehl­ge­form­te Pro­te­ine, die sich im Hirn­ge­we­be der Tie­re ab­la­gern und die­ses lang­sam ab­ster­ben las­sen. Rin­der in­fi­zie­ren sich im Re­gel­fall über nicht aus­rei­chend be­han­del­te Fut­ter­mit­tel tie­ri­schen Ur­sprungs an BSE. Die Krank­heit ist über den Ver­zehr von be­las­te­ten Le­bens­mit­teln höchst­wahr­schein­lich auf Men­schen über­trag­bar und löst die ähn­lich ver­lau­fen­de töd­li­che Creutz­feldt-Ja­ko­bEr­kran­kung aus. Ei­nen be­leg­ten Fall gab es hier­zu­lan­de bis­her al­ler­dings nicht, be­rich­ten die Be­hör­den.

In Deutsch­land wur­den nach An­ga­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Er­näh­rung und Land­wirt­schaft zu­letzt 2014 zwei BSE-Fäl­le dia­gnos­ti­ziert. Bei bei­den Er­kran­kun­gen han­del­te es sich der Be­hör­de zu­fol­ge um ei­ne aty­pi­sche Form von BSE. Die­se wür­de nur äu­ßerst sel­ten und spo­ra­disch auf­tre­ten und könn­te im Ge­gen­satz zur klas­si­schen BSE nicht mit der Auf­nah­me von be­las­te­tem Fut­ter in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den.

Die letz­ten klas­si­schen Fäl­le hier­zu­lan­de wur­den nach An­ga­ben des Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums 2009 fest­ge­stellt: der ers­te bei ei­nem Schlacht­rind aus Nord­rhein-West­fa­len, der zwei­te bei ei­nem ver­en­de­ten Rind aus Ham­burg, das 1996 in Schles­wig-Hol­stein ge­bo­ren wur­de. Der letz­te Fall in Bay­ern ist für das Jahr 2006 do­ku­men­tiert.

Ob­wohl die Zahl der fest­ge­stell­ten In­fek­tio­nen in der Eu­ro­päi­schen Uni­on in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­sun­ken ist, gel­ten nach wie vor ho­he Si­cher­heits­be­stim­mun­gen. In Deutsch­land wer­den nach An­ga­ben des Baye­ri­schen Bau­ern­ver­bands im­mer noch sämt­li­che Ri­si­ko­tie­re auf ei­ne In­fek­ti­on ge­prüft: Das heißt, al­le BSE-Ver­dachts­fäl­le so­wie al­le not­ge­schlach­te­ten Rin­der und ver­en­de­ten Rin­der, die äl­ter als vier Jah­re alt sind, wer­den ge­tes­tet.

Da­ne­ben exis­tie­ren wei­te­re Be­stim­mun­gen, die ei­ne Aus­brei­tung der Seu­che ver­hin­dern und die Ge­sund­heit der Ver­brau­cher und Tie­re schüt­zen sol­len. So gilt et­wa seit 2001 ein EU-wei­tes Ver­füt­te­rungs­ver­bot für tie­ri­sche Pro­te­ine an Wie­der­käu­er und an­de­re Nutz­tie­re. Die­ses Ver­bot wur­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren aber teil­wei­se ge­lo­ckert. Auch muss bei der Ver­ar­bei­tung von Rin­dern zu Nah­rungs-, Fut­ter- und Dün­ge­mit­tel so­ge­nann­tes Ri­si­ko­ma­te­ri­al ent­fernt wer­den. Da­zu zäh­len et­wa Ge­hirn, Au­gen oder Rü­cken­mark von Tie­ren, die äl­ter als zwölf Mo­na­te sind. Aber zum Bei­spiel auch Man­deln und Tei­le des Darms.

Üb­ri­gens: Die­ses Jahr hat Deutsch­land den Sta­tus „ver­nach­läs­sig­ba­res Ri­si­ko“in Be­zug auf BSE er­hal­ten. Da­durch wird den Be­hör­den zu­fol­ge der Han­del mit Rin­dern so­wie de­ren Er­zeug­nis­sen er­leich­tert. Auch die Lis­te der Ri­si­ko­ma­te­ria­li­en sei nun klei­ner. Hier­zu­lan­de gel­te dem­nach nur noch der Schä­del oh­ne Un­ter­kie­fer (aber ein­schließ­lich Ge­hirn und Au­gen) und das Rü­cken­mark als sol­ches.

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