Wer kann wech­seln – und wo­hin?

Pri­vat Ver­si­cher­te Vie­len wach­sen die Bei­trä­ge über den Kopf. Aber man kann spa­ren

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Lesertelefon -

Ge­ra­de sind die Brie­fe mit den neu­en Bei­trags­sät­zen der Pri­vat­kas­sen für 2017 ins Haus ge­flat­tert. Für vie­le Ver­si­cher­te war es ein Schock, weil sie deut­lich mehr be­zah­len müs­sen. Des­halb war ei­ne der häu­figs­ten Fra­gen, ob ei­ne Rück­kehr zur Ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung mög­lich ist.

Ich bin Rent­ner und 76 Jah­re alt. Der Bei­trag mei­ner pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung ist mir zu hoch. Kann ich noch in die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung wech­seln be­zie­hungs­wei­se den Bei­trag ir­gend­wie sen­ken?

In die Ge­setz­li­che Kas­sen kön­nen Sie nicht mehr zu­rück. Aber ein Spar­po­ten­zi­al in Ih­rer pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung bie­tet sich er­fah­rungs­ge­mäß durch ei­nen Ta­rif­wech­sel. Auf ei­nen sol­chen ha­ben Sie ei­nen An­spruch laut Pa­ra­graf 242 des Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­set­zes. For­dern Sie al­so von Ih­rem Ver­si­che­rer Al­ter­na­tiv­ta­ri­fe mit ähn­li­chem Leis­tungs­um­fang an. Wei­te­res Spar­po­ten­zi­al bie­ten der Ver­zicht auf Leis­tun­gen oder die Er­hö­hung des Selbst­be­hal­tes. Nur im fi­nan­zi­el­len Not­fall soll­ten Sie den Wech­sel in den Stan­dard­ta­rif er­wä­gen. Die­ser be­inhal­tet dann et­wa das Leis­tungs­spek­trum der ge­setz­li­chen Kas­sen. Am bes­ten las­sen Sie sich al­les schrift­lich vor­le­gen und aus­führ­lich be­ra­ten.

Mein Sohn ist 60 Jah­re und krank. Er war selbst­stän­dig und hat der­zeit kei­ne Kran­ken­ver­si­che­rung, weil er die Bei­trä­ge nicht zah­len konn­te. Was kann ich als Mut­ter für ihn in die We­ge lei­ten, da­mit er wie­der ir­gend­wie ver­si­chert ist?

Seit 2009 muss je­der Bür­ger ei­ne Kran­ken­ver­si­che­rung ha­ben. Das ist Ge­setz. Ihr Sohn muss sich an die Kas­se wen­den, die zu­letzt für ihn zu­stän­dig war. Wenn er nicht in der La­ge ist, die Bei­trä­ge auf­zu­brin­gen, soll­te er sich an das So­zi­al­amt wen­den.

Kann ich als Selbst­stän­di­ger von der pri­va­ten wie­der in die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung wech­seln?

Nein. Ein Wech­sel kommt nur in Be­tracht, wenn Sie die Selbst­stän­dig­keit auf­ge­ben. Be­kom­men Sie da­nach ei­ne Fest­an­stel­lung mit ei­nem Ge­halt über 450 Eu­ro mo­nat­lich, wer­den Sie ge­setz­lich pflicht­ver­si­chert. Wenn Sie aber be­reits über 55 Jah­re alt sind, ist das laut Ge­setz nicht mehr zu­läs­sig. Dann ist ei­ne Kas­sen­mit­glied­schaft nur dann mög­lich, wenn Sie ei­nen ge­setz­lich ver­si­cher­ten Ehe­part­ner ha­ben. Lie­gen Ih­re Ge­samt­ein­künf­te un­ter 415 Eu­ro mo­nat­lich, kön­nen Sie dann bei­trags­frei ge­setz­lich fa­mi­li­en­ver­si­chert wer­den.

Ich bin seit 1997 pri­vat kran­ken­ver­si­chert. Lohnt sich der Wech­sel zu ei­nem an­de­ren Un­ter­neh­men?

Auf gar kei­nen Fall. Sie wür­den Ih­re seit 1997 an­ge­spar­ten Al­ters­rück­stel­lun­gen beim bis­he­ri­gen Un­ter­neh­men zu­rück­las­sen. Ab­ge­se­hen da­von müss­ten Sie beim neu­en Un­ter­neh­men Ge­sund­heits­fra­gen be­ant­wor­ten und der Ta­rif wird zum ak­tu­el­len Al­ter be­rech­net. Wenn Sie Geld spa­ren wol­len, set­zen Sie sich mit Ih­rer jet­zi­gen Ver­si­che­rung in Ver­bin­dung und las­sen sich Al­ter­na­ti­ven an­bie­ten.

Bis­her war mein Sohn als Stu­dent über mei­ne pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung – ich bin als Be­am­ter bei­hil­fe­be­rech­tigt – mit­ver­si­chert. Das en­det mit sei­nem 25. Ge­burts­tag. Er stu­diert aber län­ger. Wie ist er dann ver­si­chert?

Ihr Sohn muss in die­sem Fall ei­ne ei­ge­ne pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung in Aus­bil­dungs­ta­ri­fen ab­schlie­ßen. Denn es gilt wäh­rend des ge­sam­ten Stu­di­ums: Ein­mal pri­vat, im­mer pri­vat.

Bei mir ru­fen stän­dig so­ge­nann­te Ta­rif-Op­ti­mie­rer an, die für mich als pri­vat Ver­si­cher­tem glei­che Leis­tun­gen für nied­ri­ge­ren Preis ver­spre­chen. Was soll ich da­von hal­ten?

Die­se An­ge­bo­te ha­ben im­mer ih­ren Preis. In der Re­gel zah­len Sie für die­se Leis­tung bis zum Zehn­fa­chen des­sen, was Sie ein­spa­ren, an den An­bie­ter. Bes­ser ist es, Sie set­zen sich mit Ih­rem Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men zu­sam­men und se­hen, wel­che Ein­spa­run­gen Sie durch den Wech­sel in ei­nen an­de­ren Ta­rif er­zie­len kön­nen. Das kos­tet Sie gar nichts.

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