Wie viel Geld be­kam die Ehe­frau?

Ver­wand­ten­af­fä­re Auch wenn ein Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter ein Fa­mi­li­en­mit­glied be­schäf­tigt, gibt es kei­ne Aus­kunfts­pflicht über die Hö­he des Ge­halts. War­um ein Ge­richts­ur­teil nun kas­siert wur­de

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Bayern - VON HEN­RY STERN

Mün­chen

Land­tags­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Stamm (CSU) war 2013 im Zu­ge der „Ver­wand­ten­af­fä­re“recht­lich nicht ver­pflich­tet, von der Pres­se ein­ge­for­der­te Aus­künf­te über die Hö­he der von Ab­ge­ord­ne­ten an die von ih­nen als per­sön­li­che Mit­ar­bei­ter be­schäf­tig­ten Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen zu er­tei­len.

Mit die­sem Ur­teils­spruch hob der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof an die­sem Don­ners­tag ein ent­ge­gen­ge­setz­tes Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts Mün­chen vom April 2015 auf: Da­mals hat­ten die Rich­ter ge­ur­teilt, Stamm ha­be der Pres­se die er­wünsch­ten In­for­ma­tio­nen zu Un­recht vor­ent­hal­ten.

Der frü­he­re Chef­re­dak­teur des Nord­baye­ri­schen Ku­ri­er in Bayreuth, Joa­chim Braun, hat­te den Frei­staat Bay­ern – in die­sem Fall ver­tre­ten durch die Land­tags­prä­si­den­tin – ver­klagt, weil Stamm auf dem Hö­he­punkt der Af­fä­re um die auf Staats­kos­ten be­schäf­tig­ten Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen der Zei­tung die kon­kre­te Hö­he des Jah­res­brut­to­ge­hal­tes der als Se­kre­tä­rin be­schäf­tig­ten Ehe­frau des da­ma­li­gen Bay­reu­ther CSU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Wal­ter Nad­ler ver­wei­gert hat­te.

Nad­ler hat­te – wie dut­zen­de an­de­re Ab­ge­ord­ne­te – mit­hil­fe ei­ner Alt­fall­re­ge­lung sei­ne Gat­tin jah­re­lang über sei­ne Mit­ar­bei­ter­pau­scha­le be­schäf­tigt, Aus­kunft über die kon­kre­te Hö­he des ge­zahl­ten Ge­halts aber ver­wei­gert und nur von ei­ner „an­ge­mes­se­nen Ent­loh­nung“ge­spro­chen. Auch Stamm ver­wei­ger­te die Aus­kunft mit Ver­weis auf das Per­sön­lich­keits­recht und das „freie Man­dat“des Ab­ge­ord­ne­ten.

Ei­ne Ar­gu­men­ta­ti­on, der der Vor­sit­zen­de Rich­ter Wal­ter Hä­ring nun im Kern folg­te: Das Grund­recht auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim- mung gel­te auch für ei­nen Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten und sei­ne Ehe­frau. Der Ab­ge­ord­ne­te kön­ne des­halb grund­sätz­lich selbst ent­schei­den, wann und in wel­chem Um­fang er per­sön­li­che Le­bens­sach­ver­hal­te wie et­wa die ge­zahl­te Ar­beits­ver­gü­tung of­fen­ba­re: „Der Ge­setz­ge­ber auch jen­seits straf­ba­rer Hand­lun­gen „ein be­rech­tig­tes pu­bli­zis­ti­sches In­ter­es­se, wie Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen ver­wen­det wer­den“. Per­so­nen in öf­fent­li­cher Stel­lung müss­ten zu­dem ei­ne öf­fent­li­che Kon­trol­le ih­rer Ver­gü­tung hin­neh­men.

Dass nach der Lo­gik von Rich­ter Hä­ring die Pres­se nur nach­fra­gen dür­fe, wenn es be­reits kon­kre­te Be­le­ge für ei­nen Miss­brauch ge­be, heb­le die Wäch­ter­funk­ti­on der Me­di­en kom­plett aus, hat­te Klä­ger-An­walt Jo­han­nes We­ber­ling be­reits in der münd­li­chen Ver­hand­lung ar­gu­men­tiert. Die Fra­ge, ob der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te sei­ne Gat­tin be­güns­tigt ha­be, nur weil sie sei­ne Ehe­frau ist, sei ab­so­lut ge­recht­fer­tigt, fin­det We­ber­ling: Zu­mal es „in der Ver­wand­ten­af­fä­re dut­zen­de Fäl­le nicht sach­ge­rech­ter Nut­zung öf­fent­li­cher Mit­tel ge­ge­ben“ha­be.

Die Af­fä­re hat­te im Jahr 2013 Schlag­zei­len ge­macht; Die Be­schäf­ti­gung von Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen im Land­tag wur­de zum Skan­dal. Pro­mi­nen­tes­tes Bei­spiel: Der da­ma­li­ge CSU-Frak­ti­ons­chef Ge­org Schmid (Do­nau­wörth), der sei­ne Ehe­frau an­ge­stellt hat­te, muss­te zu­rück­tre­ten und wur­de we­gen So­zi­al­be­trugs und Steu­er­hin­ter­zie­hung zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe ver­ur­teilt.

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