Gym­na­si­um: Bald wie­der al­les an­ders?

Phi­lo­lo­gen-Chef rech­net mit Än­de­rung

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Bayern -

Herr Schmidt, wir be­fin­den uns mit­ten in der Re­form des Gym­na­si­ums. Als Chef des Phi­lo­lo­gen­ver­bands misch­ten Sie da­bei kräf­tig mit. Heute tre­ten Sie ab. Ein denk­bar schlech­ter Zeit­punkt, das Schiff zu ver­las­sen, oder?

Ich bin seit zwei Jah­ren als Leh­rer am Gym­na­si­um Gra­fing im Ru­he­stand, des­we­gen muss ich auch im Ver­band auf­hö­ren. Den Weg hin zu ei­nem dy­na­mi­sche­ren Schul­sys­tem ha­ben wir längst ein­ge­schla­gen.

Schmidt:

2003 wur­den Sie von der da­ma­li­gen Kul­tus­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Hohl­mei­er (CSU) ge­fragt, ob Sie das G 8 mit­tra­gen. Sie sag­ten Nein. War­um wuss­ten Sie, dass es nicht funk­tio­nie­ren wür­de?

Man hat­te da­mals die Idee, die jun­gen Leu­te schnel­ler in den Be­ruf zu brin­gen. Der Plan war, dass sie frü­her der Wirt­schaft nüt­zen und schnel­ler in die Ren­ten­kas­se ein­zah­len. Aber die Er­fah­rung von Leh­rern zeigt, dass 18-Jäh­ri­ge nach dem Abitur oft noch un­si­cher sind, wie es wei­ter­ge­hen soll. Ei­ne der Haupt­auf­ga­ben des Gym­na­si­ums ist, dass sich jun­ge Men­schen zu ge­bil­de­ten Per­sön­lich­kei­ten ent­wi­ckeln. Da­für bleibt beim G8 zu we­nig Zeit. Das zeigt al­lein die Tat­sa­che, dass so vie­le Schü­ler nach dem Abitur nicht ar­bei­ten, son­dern erst ein­mal ein Selbst­fin­dungs­jahr ein­le­gen.

Schmidt:

Künf­tig soll je­de Schu­le selbst ent­schei­den, ob sie das Abitur in acht oder neun Jah­ren an­bie­tet. Auch bei­de We­ge un­ter ei­nem Dach sol­len mög­lich sein. Ist das der rich­ti­ge Weg für die nächs­ten Jahr­zehn­te?

Ich glau­be, dass das G 9 über­all zu­rück­kom­men wird. Bis­lang darf man die­sen Be­griff ja nicht ein­mal in den Mund neh­men. Die Po­li­tik will nach ak­tu­el­lem Stand wei­ter am G-8-Lehr­plan fest­hal­ten – mit der Mög­lich­keit, ihn auf neun Jah­re zu deh­nen. Aber man muss das Gym­na­si­um grund­sätz­lich wie­der von neun Jah­ren her den­ken.

Schmidt:

Wann wird die­se Ent­schei­dung für das G 9 Ih­rer Mei­nung nach fal­len?

Man wird das An­ge­bot machen, so wie Spa­en­le es plant. Ganz kon­kret könn­te es da­nach so aus­se­hen: Reicht es für die CSU bei der Land­tags­wahl nicht zur ab­so­lu­ten Mehr­heit, braucht sie ei­nen Part­ner. Al­le an­de­ren Par­tei­en im Par­la­ment sind für das neun­jäh­ri­ge Gym­na­si­um. Im Ko­ali­ti­ons­ver­trag könn­te man al­so ei­nen neun­jäh­ri­gen Weg fest­ma­chen.

Schmidt:

Für den ha­ben Sie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren schon ein Kon­zept er­stellt. Schü­ler sol­len mit­ten im Schul­jahr in die nächs­te Jahr­gangs­stu­fe wech­seln dür­fen, so­fern sie schnell ge­nug ler­nen. Was wä­ren die Vor­tei­le?

Die Schu­le müss­te sich nicht mehr für ei­nen Weg ent­schei­den. Für Schü­ler und El­tern stün­de un­ab­ding­bar fest: Das Gym­na­si­um dau­ert neun Jah­re. Kin­der, die schnel­ler ler­nen, kön­nen dann die Zu­satz­an­ge­bo­te zur Ver­tie­fung nut­zen – oder eben zur Be­schleu­ni­gung.

Schmidt:

Der Kul­tus­mi­nis­ter hat be­reits an­ge­deu­tet, dass er die Idee schon jetzt für je­ne Schu­len auf­grei­fen will, die sich frei­wil­lig für neun Jah­re ent­schei­den. Se­hen Sie das als Ihr Ver­mächt­nis?

Wenn Sie so sa­gen wol­len, ja. Aber der Vor­schlag war ein gro­ßes Stück Team­ar­beit. Wir ha­ben das Mo­dell schon vor zwei Jah­ren grob vor­ge­stellt. Mein Nach­fol­ger muss sich dar­um küm­mern, dass mög­lichst viel da­von Rea­li­tät wird.

In­ter­view: Sa­rah Rit­schel

Schmidt:

O

ist seit 2001 Vor­sit­zen der des Baye­ri­schen Phi­lo­lo­gen­ver bands. Zu­vor ar­bei­te­te er als Ma­the­ma­tik und Phy­sik­leh­rer.

Max Schmidt

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