Was die „Gil­mo­re Girls“zum Kult macht

TV Sel­ten bot ei­ne Se­rie vor al­lem weib­li­chen Fans so viel Iden­ti­fi­ka­ti­ons­po­ten­zi­al. Jetzt ist sie zu­rück

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Panorama - VON SA­RAH RIT­SCHEL

Augs­burg

Mit Ba­rack Oba­ma in den Wahl­kampf: Am En­de der letz­ten „Gil­mo­re Girls“-Staf­fel er­füll­te sich Haupt­fi­gur Ro­ry ih­ren Traum, den spä­te­ren Prä­si­den­ten als Re­por­te­rin zu be­glei­ten. Jetzt tritt Oba­ma ab – und „Gil­mo­re Girls“nach neun Jah­ren wie­der auf.

Seit der Strea­m­ing­dienst Net­flix An­fang des Jah­res die Rück­kehr des Mut­ter-Toch­ter-Ge­spanns ver­kün­de­te, konn­ten Mil­lio­nen Fans in den so­zia­len Me­di­en ihr Glück kaum in Wor­te fas­sen. In schön re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den ver­sorgt Net­flix die sehn­süch­tig War­ten­den seit­dem mit Trai­lern für die vier neu­en Epi­so- den, die ab heute im Netz ab­ruf­bar sind. Ei­nes wur­de in den Vor­schau­Film­chen schon deut­lich: Für Über­flie­ge­rin Ro­ry läuft es zu­min­dest be­ruf­lich nicht all­zu gut.

Ob das mit dem Ab­schied Oba­mas als Prä­si­dent zu tun hat und ob die Fort­set­zung gar Do­nald Trump the­ma­ti­siert, war vor­ab streng ge­heim. In der Ver­gan­gen­heit je­den­falls schaff­te es die Po­li­tik im­mer wie­der in die Se­rie – nicht nur, als Ro­ry einst in ih­rem Kin­der­zim­mer im Traum mit Ex-Au­ßen­mi­nis­te­rin Ma­de­lei­ne Alb­right sprach. Alb­right hat­te sich da­mals selbst ge­spielt.

Sol­che Sze­nen sind es, für die die Fans das un­zer­trenn­li­che Frau­en- team auch 16 Jah­re nach dem Start der ers­ten Staf­fel lie­ben. Doch die „Gil­mo­re Girls“sind nicht nur po­li­tisch, son­dern auch chao­tisch, schlag­fer­tig und un­fass­bar ko­misch. Ro­ry und Lo­re­lai trin­ken so viel Kaf­fee wie an­de­re in ei­nem Jahr nicht, sie es­sen Ta­cos, Pan­ca­kes und Piz­za statt ge­sun­des Su­per­food. Sie strei­ten lei­den­schaft­lich, er­zäh­len sich al­les und sind un­ab­hän­gig, auch wenn ei­ne Rei­he smar­ter, star­ker Män­ner ihr Le­ben durch­ein­an­der­wir­belt. Kurz: Sie sind Rol­len-Vor­bil­der, oh­ne vor­bild­lich zu sein.

Das war um die Jahr­tau­send­wen­de re­vo­lu­tio­när. Die „Gil­mo­re Girls“ver­mit­tel­ten ei­ne post­mo­der­ne Mut­ter-Toch­ter-Be­zie­hung, als bei Se­ri­en wie „Ei­ne schreck­lich net­te Fa­mi­lie“noch die La­cher vom Band ein­ge­spielt wur­den.

„Na­tür­lich, heute gibt es rei­hen­wei­se Fern­seh­for­ma­te, die die Le­bens­welt von Frau­en so un­ge­schminkt dar­stel­len, wie sie im Jahr 2016 nun mal ist – nur müs­sen die­se oh­ne die char­mant-schrä­gen Ne­ben­cha­rak­te­re aus­kom­men, die in sie­ben Staf­feln „Gil­mo­re Girls“für die Fans wie gu­te, al­te Freun­de ge­wor­den sind. Wenn heute der Ti­tel­song „Whe­re You Le­ad“von Ca­ro­le King er­klingt, trifft man sie al­le wie­der – in der fik­ti­ven Kle­in­stadt „Stars Hol­low“. Dort hät­te üb­ri­gens ga­ran­tiert nie­mand Do­nald Trump ge­wählt.

»Wirt­schaft

Fo­to: Saeed Adya­ni/Net­flix, dpa

Ab heute gibt es die „Gil­mo­re Girls“auf Net­flix. Je­de der vier Fol­gen be­glei­tet Mut­ter Lo­re­lai (Lau­ren Gra­ham, links) und Toch­ter Ro­ry (Al­exis Ble­del) durch ei­ne an­de­re Jah res­zeit. Mit ei­nem Be­cher Kaf­fee in der Hand über­ste­hen die bei­den auch den kal­ten Win­ter sou­ve­rän.

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