Lärm am Holl Platz: Street­wor­ker sind kei­ne Hilfs She­riffs

In­ter­view Die Stadt hofft, dass auch die Mit­ar­bei­ter des Stadt­ju­gend­rings für Ru­he sor­gen. Vor­sit­zen­der Franz Schenck sieht das ganz an­ders. Und er sagt, wie es um die ma­ro­den Ju­gend­häu­ser steht

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg -

In die­sem Jahr gab es im­mer mal wie­der Är­ger we­gen Ju­gend­li­chen auf dem Eli­as-Holl-Platz und Rat­haus­platz, die teils lau­te Mu­sik hö­ren. Die Stadt ver­wies un­ter an­de­rem auf die In­nen­stadt-Street­wor­ker. Der Stadt­ju­gend­ring sieht das an­ders ...

Ge­nau. Es gibt in Augs­burg fünf Street­wor­ker. Je­weils ei­nen für die Re­gi­on Nord, Ost, Süd, West und die In­nen­stadt. Letz­te­rer ist na­tür­lich auch auf die­sen Brenn­punk­ten un­ter­wegs, schrei­tet aber nicht ein, auch wenn die Stadt es wünscht. Da­für gibt es gar kei­ne Recht­fer­ti­gung. Un­se­re Street­wor­ker sind ja kei­ne Hilfs­She­riffs.

Franz Schenck:

Was ist die Auf­ga­be ei­nes Street­wor­kers?

Schenck:

Bei Street­work han­delt es sich um auf­su­chen­de Ju­gend­ar­beit. Der Mit­ar­bei­ter sucht al­so die Ju­gend­li­chen an Brenn­punk­ten, wie dem Kö­nigs­platz, Rat­haus­platz oder Eli­as-Holl-Platz auf und geht aber auch in Ein­rich­tun­gen des Stadt­ju­gend­rings.

Wie kann die Si­tua­ti­on am Elia­s­Holl-Platz ver­bes­sert wer­den?

Grund­sätz­lich ist die Stadt da­zu auf­ge­ru­fen, mehr in Ein­rich­tun­gen für Ju­gend­li­che zu in­ves­tie­ren und ju­gend­ge­rech­te Plät­ze zur Ver­fü­gung zu stel­len. Un­ser Street­wor­ker ver­sucht, vor Ort ei­ne Be­zie­hung zu den Ju­gend­li­chen auf­zu­bau­en und zwi­schen ih­nen und den Nach­barn zu ver­mit­teln. Auf der an­dern Sei­te ist es aber auch ein öf­fent­li­cher Platz, an dem sie sich auf­hal­ten dür­fen.

Schenck:

Wie steht es um die Ju­gend­häu­ser in Augs­burg? Zu­letzt muss­ten wel­che ge­schlos­sen wer­den.

Das Ju­gend­haus R 33 in Kriegs­ha­ber muss­te vier Wo­chen schlie­ßen, weil die Hei­zung de­fekt

Schenck:

war und aus­ge­wech­selt wer­den muss­te. Im Ju­li muss­te das Ca­fé Un­fug in Lech­hau­sen schlie­ßen, weil das Dach ein­sturz­ge­fähr­det war. Dort gibt es nun ei­ne Über­gangs­lö­sung mit ei­nem Con­tai­ner.

Der Stadt­rat hat be­schlos­sen, den Un­ter­halt der Ju­gend­häu­ser jähr­lich mit 200 000 Eu­ro zu un­ter­stüt­zen. Das ist schon ein­mal ein An­fang, oder?

Das stimmt. Vie­le Jah­re wur­de aber gar nichts in­ves­tiert. Dann wur­de 2015 ein Fünf-Jah­res­Plan ver­ab­schie­det, der die Ju­gend­häu­ser der Stadt durch ei­ne jähr­li­che In­ves­ti­ti­on von 500 000 Eu­ro flott ge­macht hät­te. Doch die­ser Ent­schluss wur­de da­mals vom Fi­nanz-

Schenck:

aus­schuss kas­siert. Nun ha­ben sich die Bür­ger­meis­ter Ste­fan Kie­fer und Eva We­ber nach Ge­sprä­chen mit uns da­für stark ge­macht, dass 200000 Eu­ro jähr­lich in den Haus­halt ge­stellt wer­den. Im Nach­trags­haus­halt wur­de zu­dem ei­ne Ver­pflich­tungs­er­mäch­ti­gung über 200 000 Eu­ro in 2016 auf­ge­nom­men. Künf­tig sol­len au­ßer­dem nicht ver­wen­de­te zweck­ge­bun­de­ne Mit­tel der Ju­gend­ar­beit nicht in den all­ge­mei­nen Haus­halt zu­rück­flie­ßen, son­dern in die Sa­nie­rung ge­steckt wer­den. Das So­zi­al­re­fe­rat hat in die­sem Jahr ei­nen Haus­halts­rest von über 300 000 Eu­ro, die auch in den Sa­nie­rungs­topf kom­men. Wel­che In­ves­ti­tio­nen ste­hen an?

Schenck:

Dä­cher müs­sen wet­ter­fest, Fens­ter aus­ge­wech­selt und der Brand­schutz auf den neu­es­ten Stand ge­bracht wer­den. Ju­gend­häu­ser sind wich­tig. Ihr An­ge­bot rich­tet sich an jun­ge Men­schen, die sehr orts­be­zo­gen in ih­ren Stadt­tei­len und Vier­teln le­ben und für die es sonst kei­nen Ort gibt, an dem sie sich tref­fen kön­nen.

Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­de das Per­so­nal in man­chen Ju­gend­häu­sern auf­ge­stockt. Woran lag das?

Jun­ge Flücht­lin­ge ha­ben die Ein­rich­tun­gen „Li­nie 3“in Pfer­see und „K 15“in der Ka­nal­stra­ße in der In­nen­stadt für sich ent­deckt. Da ha­ben wir für zu­sätz­li­ches Per­so­nal

Schenck:

ge­sorgt, da­mit auch die Be­treu­ung ge­währ­leis­tet bleibt.

Wie steht es um die Fi­nan­zen des Stadt­ju­gend­rings?

Nach dem Fi­nanz­de­ba­kel im Jahr 2013 geht es wei­ter auf­wärts. Die Aus­stän­de der Alt-Fäl­le sind größ­ten­teils ge­tilgt. Im ver­gan­ge­nen Jahr konn­ten wir über 187000 Eu­ro den Rück­la­gen zu­füh­ren und auch in die­sem Jahr wer­den wir im Plus sein und wei­ter Geld auf das Rück­la­gen­kon­to ein­zah­len kön­nen. Der Baye­ri­sche Ju­gend­ring schreibt uns vor, dass wir Rück­la­gen in der Hö­he von zehn Pro­zent des durch­schnitt­li­chen Vo­lu­mens der ver­gan­ge­nen drei Jah­re auf­bau­en.

Schenck:

Trotz der gu­ten Ent­wick­lung müs­sen wir noch ei­ni­ge Jah­re spa­ren, bis wir die­sen Be­trag zu­sam­men ha­ben.

Der größ­te Punkt in ih­rem Haus­halt ist das Ju­gend­fes­ti­val Mo­du­lar. Für kom­men­des Jahr wird mit ei­ner In­ves­ti­ti­on von 800 000 Eu­ro ge­rech­net. Das ist viel Geld.

Das stimmt. In die­sem Jahr wa­ren es 700000 Eu­ro, die aber mit dem Fes­ti­val auch wie­der er­wirt­schaf­tet wur­den. Es geht sich al­so Null auf Null aus. Die Mie­te des Kon­gress am Park und die zu schaf­fen­de In­fra­struk­tur kos­ten viel Geld. Letzt­lich kos­tet es uns zu viel Geld und wir wer­den nach dem Mo­du­lar 2017, das noch­mals im Wit­tels­ba­cher Park statt­fin­det, auf ein an­de­res Ge­län­de um­zie­hen. Wo­hin, steht aber noch nicht fest. Schließ­lich ist uns am Kon­gress das Ri­si­ko zu groß. Wenn es reg­net, fin­den zu we­nig Leu­te in der Kon­gress­hal­le Platz. Dann könn­ten wir nicht mehr wirt­schaft­lich ar­bei­ten.

Schenck:

In die­sem Jahr gab es nach dem Fes­ti­val Kri­tik: Wie­sen wur­den durch Au­fund Ab­bau­ar­bei­ten be­schä­digt, der Müll nicht ein­wand­frei be­sei­tigt. Was wer­den Sie än­dern?

Es wur­de zu­sam­men mit dem Um­welt­re­fe­rat und dem Grün­amt ein neu­er Auf­la­gen­ka­ta­log er­ar­bei­tet. Der sieht bei­spiels­wei­se vor, dass die Bäu­me bes­ser ge­schützt wer­den. Au­ßer­dem wer­den wir die Be­su­cher noch mehr sen­si­bi­li­sie­ren, ih­ren Müll doch in die da­für vor­ge­se­he­nen Be­häl­ter zu wer­fen.

Schenck:

In­ter­view: Mi­ri­am Ziss­ler

Franz Schenck

ist seit No vem­ber 2015 Stadt­ju gend­rings­vor­sit­zen­der. Der 28 Jäh­ri­ge stu­diert In­for ma­tik an der Uni Augs­burg.

Sym­bol­fo­to: An­ne Wall

Vor al­lem in den Som­mer­mo­na­ten gab es im­mer wie­der Be­schwer­den über Lärm am Eli­as Holl Platz. Der Stadt­ju­gend­ring ist mit Street­wor­kern vor Ort, sieht sich aber nicht als Hilfs­po­li­zei.

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