Zwi­schen Wirr­warr und Wort­witz

Thea­ter Die fran­zö­si­sche Ko­mö­die „Os­car“setzt im­mer noch eins oben drauf. Heute ist Pre­mie­re in der Brecht­büh­ne

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Feuilleton Regional - VON FELICITAS MACKETANZ

Ein Mit­ar­bei­ter weckt früh­mor­gens sei­nen Chef, um mehr Ge­halt von ihm zu for­dern. Der An­ge­stell­te bleibt hart­nä­ckig, sagt, er brau­che das Geld für sei­ne Hoch­zeit. Am En­de der Ver­hand­lung gibt er dann zu, dass er üb­ri­gens die Toch­ter des Chefs hei­ra­ten wol­le. Die wie­der­um ist aber ei­gent­lich gar nicht …

Ja, es sind vie­le Ir­run­gen und Wir­run­gen bei „Os­car“, dem Thea­ter­stück des fran­zö­si­schen Dreh­buch­au­tors und Dra­ma­ti­kers Clau­de Ma­gnier. Da­bei ist die be­schrie­be­ne Sze­ne nur der An­fang des gro­ßen Durch­ein­an­ders.

Die Schau­spie­ler des Augs­bur­ger En­sem­bles brin­gen die fran­zö­si­sche Ko­mö­die ab die­sem Frei­tag auf die Brecht­büh­ne. Alex­an­der Ma­rusch über­nimmt die Re­gie, für die Dra­ma­tur­gie ist To­bi­as Vogt ver­ant­wort­lich. „Bei die­sem Stück muss man sich nicht viel Ver­rück­tes da­zu­den­ken“, sagt Vogt. Es spit­ze sich selbst zu. „Es fol­gen Dre­hun­gen, die man nicht ver­mu­tet. Und dann kommt im­mer noch eins oben drauf“, er­klärt der Dra­ma­turg.

Bei dem gan­zen Cha­os sei es des­halb um­so wich­ti­ger, den Kern der Ge­schich­te, der sich un­ter an­de­rem um drei ver­wech­sel­te Kof­fer, ei­nen Fa­mi­li­en­va­ter und sei­ne Toch­ter dreht, im Au­ge zu be­hal­ten, meint Re­gis­seur Ma­rusch. In sei­ner Ins­ze­nie­rung ha­be er sich sehr an das Ori­gi­nal aus dem Jahr 1958 ge­hal­ten, das 1967 mit Lou­is de Fun­ès ver­filmt wur­de.

Auch die Mu­sik ori­en­tie­re sich an den 1960er und 1970er Jah­ren. Die Ko­mö­die spie­le auf ei­nem fran­zö­si­schen groß­bür­ger­li­chen An­we­sen, im „aris­to­kra­ti­schen Mi­lieu“, sagt Ma­rusch, der mit „Os­car“sei­ne Pre­mie­re in Augs­burg fei­ert. Die­ses Jahr in­sze­nier­te der ge­bür­ti­ge Sach­se, der in Ber­lin und Leip­zig stu­dier­te, schon das Stück „Hel­den – oder war­um ich ei­nen grü­nen Um­hang tra­ge …“in Kon­stanz oder „Drei Mal Le­ben“in Neuss.

„Bei deut­schen Ko­mö­di­en bleibt man oft in ei­nem Mi­lieu ste­cken“, meint der Re­gis­seur. Bei den fran­zö­si­schen spü­re man hin­ge­gen die Lust an Opu­lenz, die Pro­ble­me er­schlü­gen die Fi­gu­ren nicht. „Es ist eher ex­trem ein­la­dend. Hier gibt es ei­nen ver­spiel­ten Hu­mor.“Was Ma­rusch an die­sem Stück reizt, sei der ra­san­te Wort­witz. Das Stück ha­be von An­fang an ei­ne ex­tre­me und sei sehr gut ge­schrie­ben. Vogt bringt es auf den Punkt: „Bei ,Os­car‘ geht es um die­se Über­dreht­heit. Da macht es ,Peng‘.“

Die gan­ze Über­dreht­heit des Stücks zeigt sich auch im Ti­tel – „Os­car“. Wich­ti­ge Fi­gu­ren hei­ßen bei­spiels­wei­se Ma­rie-Loui­se, Co­let­te, Al­bert oder Pier­re, aber Os­car? Wer gibt der Ko­mö­die den Na­men? Das ist ein Chauf­feur – ge­spielt von Se­bas­tián Ar­ranz – der, wie al­le an­de­ren auch, in das über­dreh­te Wirr­warr der Ge­schich­te in­vol­viert ist.

Für das ge­wis­se Et­was in der Ko­mö­die soll aber vor al­lem der Schau­spie­ler Klaus Mül­ler sor­gen, der die Fi­gur des Fa­mi­li­en­va­ters Pier­re Bar­Hö­he nier mimt. An­fangs hält der Un­ter­neh­mer noch al­le Fä­den in der Hand, doch im Lau­fe der Ko­mö­die, nach den vie­len Ir­run­gen und Wir­run­gen, nach­dem so­gar sei­ne Toch­ter sagt, sie sei ei­gent­lich gar nicht … Tja, da ent­gleist selbst dem In­dus­tri­el­len der Über­blick über die einst so ge­ord­ne­ten Fa­mi­li­en­ver­hält­nis­se.

Fo­to: Fred Schöll­horn

Dra­ma­turg To­bi­as Vogt und Re­gis­seur Alex­an­der Ma­rusch be­hal­ten den Über­blick über das Durch­ein­an­der in der fran­zö­si­schen Ko­mö­die „Os­car“.

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