„Man muss hier sei­ne Ni­sche fin­den“

Por­trät Ste­fan Weip­pert (52) ist seit kur­zem Chef im Kur­haus-Park­thea­ter. Was er bis­lang ge­macht hat und wie er sei­ne neue Auf­ga­be sieht

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg -

Der neue Chef des Park­thea­ters im Gög­gin­ger Kur­haus ist Prag­ma­ti­ker: „Was ha­be ich von ei­ner tol­len Idee, wie aus­ge­fal­le­ne Nacht­kon­zer­te im ma­le­ri­schen Park, wenn ich kei­ne Ge­neh­mi­gung be­kom­me oder mir die Nach­barn auf die Pel­le rü­cken“, sagt Ste­fan Weip­pert. Der Mann weiß, wo­von er spricht. Im­mer­hin hat er 14 Jah­re lang das Kul­tur­haus Lü­den­scheid ge­lei­tet. Er hat ein Ge­spür da­für, was geht und was nicht. Ge­nau ge­nom­men ist er in Lü­den­scheid noch bis En­de De­zem­ber Chef, hat jetzt aber sei­nen ge­sam­ten Jah­res­ur­laub ge­nom­men und ar­bei­tet seit kur­zem am Klau­sen­berg mit ei­ner zwei­ten Steu­er­kar­te.

Für die neue Auf­ga­be im Gög­gin­ger Bau­ju­wel bringt er bes­te Vor­aus­set­zun­gen mit. Er hat Mu­sik stu­diert, ge­nau­er ge­sagt, Kon­tra­bass und ist Di­plom­mu­si­ker. Und wur­de an­schlie­ßend von der Würt­tem­ber­gi­schen Phil­har­mo­nie in Reut­lin­gen en­ga­giert. Doch glück­lich mach­te ihn die Ar­beit nicht. „In Orches­tern gibt es ei­ne star­ke Hier­ar­chie und viel Neid“, hat der 52-Jäh­ri­ge er­fah­ren. Des­halb hat er mit Freun­den ein Kam­mer­or­ches­ter ge­grün­det und sich Mit­te der 90er Jah­re noch für ein Be­triebs­wirt­schaft­stu­di­um in Würz­burg an­ge­mel­det. Um fi­nan­zi­ell über die Run­den zu kom­men, jobb­te er bei der Kon­zert­agen­tur Land­graf, die üb­ri­gens das Park­thea­ter auch schon be­spiel­te, als Di­s­po­nent und Dra­ma­turg. 2001 hat­te er den Di­plom-Kauf­mann in der Ta­sche, 2002 wur­de er Lei­ter des Kul­tur­hau­ses Lü­den­scheid mit 600 Plät­zen. Da es dort kein Thea­ter oder fes­tes En­sem­ble gibt, ist das Haus in der Stadt mit 75 000 Ein­woh­nern ab­so­lu­ter Kul­tur­mit­tel­punkt.

Dass das in der Fug­ger­stadt an­ders ist, weiß Ste­fan Weip­pert na­tür­lich. Hier gibt es ne­ben dem Gro­ßen Haus meh­re­re Thea­ter­büh­nen, es gibt Ka­ba­rett­rei­hen, di­ver­se Fes­ti­vals und vie­le Kon­zer­te.

Als die Wahl der Stadt auf ihn fiel, da hat er sich trotz der kul­tu­rel­len Kon­kur­renz­si­tua­ti­on sehr ge­freut. „Man muss hier halt sei­ne Ni­schen fin­den“, sagt Weip­pert und ver­weist auf das au­ßer­ge­wöhn­li­che Ge- bäu­de. Was bis­her gut läuft, will er bei­be­hal­ten, aber auch im­mer wie­der ei­ge­ne Ak­zen­te set­zen. Da das Pro­gramm bis zum Som­mer 2017 steht, wird er sich erst ab De­zem­ber mit der Pla­nung für 2017/2018 be­schäf­ti­gen.

Wäh­rend das neue Pro­gramm noch in den Ster­nen steht, hat sich Fa­mi­lie Weip­pert in der Fug­ger­stadt be­reits ein­ge­lebt. Ehe­frau und Sohn sind we­gen der Schu­le be­reits im Sep­tem­ber hier­her­ge­zo­gen, die Fa­mi­lie lebt im Dom­vier­tel und hat sich in die Stadt so­fort ver­liebt. Zwar ha­ben sie noch kei­nen Lieb­lings­i­ta­lie­ner, aber je­de Men­ge Plät­ze, die sie ger­ne auf­su­chen. Ei­nes hat Weip­pert auch schnell ge­lernt. Als Rad­ler muss man bei Stra­ßen­bahn­schie­nen höl­lisch auf­pas­sen, sonst kann man sehr un­sanft auf dem Pflas­ter lan­den.

Voll des Lo­bes ist der Neue über die Ar­beit sei­ner Vor­gän­ge­rin, der Wirt­schafts­wis­sen­schaft­le­rin Clau­dia May­er-Reuß. Die­se hat­te nach der frist­lo­sen Kün­di­gung des frü­he­ren Kur­haus-Lei­ters im Ju­li 2015 we­gen fi­nan­zi­el­ler Un­ge­reimt­hei­ten das Haus von heute auf mor­gen über­nom­men. „Ich ha­be ein per­fekt ge­führ­tes Haus vor­ge­fun­den“, sagt der Neue.

Auch Jo­chen Gnau­ert, der mit sei­ner Fir­ma Kul­tur­gip­fel das Pro­gramm 2015/2016 zu­sam­men­ge­stellt hat, ha­be, so Weip­pert, sehr gu­te Ar­beit ge­leis­tet. Doch um den Spiel­plan will sich der 52-jäh­ri­ge ge­bür­ti­ge Och­sen­fur­ter in Zu­kunft selbst küm­mern. Des­halb fährt er im Ja­nu­ar 2017 nach Frei­burg auf die gro­ße Künst­ler- und Agen­tur­mes­se.

Fo­to: Nik Schoel­zel

Ste­fan Weip­pert lei­tet das Kur­haus Thea­ter in Gög­gin­gen.

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