So soll die Li­nie 5 in Fahrt kom­men

Ver­kehr Der Stadt­rat wünscht die Tras­se über die Holz­bach­stra­ße. Stadt­wer­ke über­ar­bei­ten die Pla­nung. Das strit­ti­ge Ver­kehrs­pro­jekt wird dann ein Fall für die Re­gie­rung von Schwa­ben. Wann es los­ge­hen könn­te

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg - VON MICHA­EL HÖRMANN

Die neue Stra­ßen­bahn­li­nie 5 ist ein Ver­kehrs­pro­jekt, über das seit Jah­ren ge­strit­ten wird. Die Tram soll künf­tig Fahr­gäs­te vom dann un­ter­tun­nel­ten Haupt­bahn­hof zur Uni­k­li­nik brin­gen, de­ren Um­set­zung nicht mehr auf­zu­hal­ten ist. Es gibt kei­ne Kri­tik an der Uni­k­li­nik. Bei der Li­nie 5 sieht es an­ders aus: Im The­lott­vier­tel kommt es zum mas­si­ven Pro­test von Bür­gern, die ei­ne Stra­ßen­bahn durch ihr Vier­tel als nicht nö­tig be­trach­ten. Der Stadt­rat sieht dies mehr­heit­lich an­ders: Er hat am Don­ners­tag dem Ver­kehrs­pro­jekt Rü­cken­wind ge­ge­ben. Es gab fünf Ge­gen­stim­men. Sie ka­men von den bei­den Stadt­rä­ten der Link­s­par­tei so­wie der Frei­en Wäh­ler und Mar­kus Bay­er­bach (AfD).

Die Po­li­tik hat sich auf die Tras­se durch die Holz­bach­stra­ße fest­ge­legt. Die über lan­ge Zeit fa­vo­ri­sier­te Hes­sen­bach­stra­ße ist raus. Bei der Holz­bach­stra­ße sieht es dann so aus, dass Au­to­fah­rer künf­tig nicht mehr in bei­de Rich­tun­gen fah­ren kön­nen. Die Fahr­spur stadt­aus­wärts bleibt. Wer über die Bür­ger­meis­ter-Acker­mann-Stra­ße kom­mend in Rich­tung In­nen­stadt möch­te, wird über die Ro­sen­au­stra­ße ge­führt. In die­sem Ab­schnitt ist folg­lich mit ei­nem hö­he­ren Ver­kehrs­auf­kom­men zu rech­nen. In der Holz­bach­stra­ße fal­len we­gen der Tram rund 50 Stell­plät­ze weg. Auch ei­ni­ge Bäu­me müs­sen wei­chen.

Ent­schie­den ist mit dem Vo­tum des Stadt­rats aber nichts. Dies hängt mit dem wei­te­ren Ver­fah­ren zu­sam­men. Über die Zu­kunft der Li­nie 5 hat nicht der Augs­bur­ger Stadt­rat zu ent­schei­den. Bei der Re­gie­rung von Schwa­ben gibt es ein ge­setz­lich fest­ge­leg­tes Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren. Es sieht vor, dass die Stadt­wer­ke Augs­burg, die das Stra­ßen­bahn­pro­jekt maß­geb­lich vor­an­trei­ben, ih­re Pla­nun­gen der Ge­neh­mi­gungs­be­hör­de vor­le­gen. Bei dem of­fi­zi­ell so ge­nann­ten Pl­an­fest­stel­lungs­ver­fah­ren be­steht die Mög­lich­keit, dass Bür­ger, Initia­ti­ven und In­sti­tu­tio- nen Ein­wän­de er­he­ben. Die Re­gie­rung von Schwa­ben muss dann ei­ne Ab­wä­gung der un­ter­schied­li­chen In­ter­es­sen vor­neh­men. Zum wei­te­ren Ver­fah­ren sagt Jür­gen Fergg, Pres­se­spre­cher der Stadt­wer­ke: „Wir wer­den die Plä­ne für die jetzt vom Stadt­rat be­schlos­se­ne Vor­zugs­va­ri­an­te dif­fe­ren­zier­ter aus­ar­bei­ten und die Un­ter­la­gen für das Pl­an­fest­stel­lungs­ver­fah­ren er­stel­len.“

Die­se Pl­an­fest­stel­lungs­un­ter­la­gen wer­den nach sei­nen Wor­ten im Lauf des Jah­res 2017 bei der Re­gie­rung von Schwa­ben ein­ge­reicht. Über die Dau­er des Ver­fah­rens las­sen sich ge­gen­wär­tig schwer Aus­sa­gen machen. Ein­ein­halb Jah­re sind an­hand Er­fah­run­gen frü­he­rer Jah­re denk­bar, wo­bei die Dau­er ab­hän­gig ist von der Zahl mög­li­cher Ein­sprü­che oder spä­ter ein­ge­reich­ter Kla­gen. Un­ab­hän­gig von die­sem Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren bleibt Geg­nern der Li­nie 5 die Mög­lich­keit, ein Bür­ger­be­geh­ren auf den Weg zu brin­gen. Ent­spre­chend klin­gen­de Aus­sa­gen gab es be­reits vor der Stadt­rats­sit­zung. Rund 12000 Un­ter­schrif­ten wä­ren nö­tig. In die­sem Fall kä­me es zu ei­nem Bür­ger­ent­scheid, so­fern die Fra­ge­stel­lung ge­setz­lich zu­läs­sig ist.

We­gen all die­ser of­fe­nen Fra­gen ist ein Ter­min für den Bau­be­ginn der­zeit nicht zu be­nen­nen. Klar ist da­ge­gen, dass die Bau­zeit zwi­schen zwei­ein­halb und drei Jah­ren be­trägt. Die Hö­he der Kos­ten wol­len die Stadt­wer­ke dann be­zif­fern, wenn die Plan­un­ter­la­gen un­ter den neu­en Rah­men­be­din­gun­gen, die die Rou­te über die Holz­bach­stra­ße ver­ur­sa­chen, vor­lie­gen. Zu­letzt war die Re­de da­von, dass das Ver­kehrs­pro­jekt um die 60 Mil­lio­nen Eu­ro ver­schlin­gen könn­te.

Die Be­für­wor­ter der Li­nie 5 sa­gen: Sie ist der wich­ti­ge Lü­cken­schluss im Augs­bur­ger Stra­ßen­bahn­netz Rich­tung Wes­ten. Nach dem Ab­zug der Ame­ri­ka­ner sei­en auf den ehe­ma­li­gen Ka­ser­nen­flä­chen at­trak­ti­ve Wohn­ge­bie­te ent­der stan­den, die über die Tram bes­ser er­schlos­sen wür­den als mit Bus­ver­bin­dun­gen. Der­zeit le­ben und ar­bei­ten hier rund 20000 Men­schen.

Zu­sätz­lich ver­bin­det die Li­nie 5 das Kli­ni­kum über den Haupt­bahn­hof di­rekt mit dem Um­land. Das Kli­ni­kum zählt rund 5500 Mit­ar­bei­ter und über ei­ne Mil­li­on Be­su­cher jähr­lich, da­von kommt ein er­heb­li­cher An­teil aus dem Um­land.

An der Hal­te­stel­le un­ter dem Haupt­bahn­hof wer­de die Li­nie 5 mit der Li­nie 6 (Fried­berg-West) zu ei­ner Li­nie ver­knüpft. So ent­ste­he erst­mals ei­ne durch­gän­gi­ge Ost­West-Ach­se für das ge­sam­te Stadt­ge­biet.

»Kom­men­tar

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.