Sind sich Mer­kel und See­ho­fer plötz­lich ei­nig?

Uni­on CSU-Chef spricht von „er­freu­li­cher Ent­wick­lung“und die CDU will die Ab­schie­be­pra­xis deut­lich ver­schär­fen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Erste Seite -

Augs­burg Ein Jahr lang herrsch­te Eis­zeit zwi­schen Horst See­ho­fer und An­ge­la Mer­kel. Jetzt ste­hen die Zei­chen auf Tau­wet­ter. In ei­nem In­ter­view sprach der baye­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent von ei­ner „er­freu­li­chen Ent­wick­lung in der Be­zie­hung zwi­schen CSU und CDU“. An­lass für die­se Pro­gno­se ist ein ver­trau­li­ches Tref­fen mit der Kanz­le­rin. „Nach mei­nen letz­ten per­sön­li­chen Ge­sprä­chen mit An­ge­la Mer­kel gibt es aus mei­ner Sicht durch­aus gro­ße kon­kre­te Schnitt­men­gen zwi­schen den Uni­ons­par­tei­en“, sag­te der CSU-Chef der Bild am Sonn­tag. Er nann­te ex­pli­zit auch die Flücht­lings­fra­ge, an der sich der Streit ent­zün­det hat­te.

Um die kli­ma­ti­sche Er­wär­mung zu do­ku­men­tie­ren, schickt See­ho­fer gleich zwei Ge­sand­te zum CDUPar­tei­tag An­fang kom­men­der Wo­che. Ne­ben Lan­des­grup­pen­che­fin Ger­da Has­sel­feldt, die oh­ne­hin als Mer­kel-Ver­trau­te gilt, hat sich auch CSU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Andre­as Scheu­er an­ge­sagt. Und der ge­hört in der Flücht­lings­fra­ge eher zu den „Ul­tras“in der Par­tei.

Seit Mer­kel ver­kün­det hat, dass sie noch ein­mal an­tre­ten will, stei­gen die Um­fra­ge­wer­te der Uni­on. In Bay­ern nahm man die Ent­schei­dung al­ler­dings zu­nächst be­tont kühl zur Kennt­nis. „Es ist gut, dass jetzt Klar­heit herrscht“, sag­te See­ho­fer – und das war schon das Höchs­te der Ge­füh­le. Auch Mar­kus Sö­der konn­te sich ge­gen­über un­se­rer Zei­tung kei­ne glaub­haf­te Eu­pho­rie ab­rin­gen. Ei­nig wa­ren sich die CSU-Spit­zen­po­li­ti­ker zu­dem, dass ih­re Par­tei in der ent­schei­den­den Fra­ge nicht kom­pro­miss­be­reit ist. Und das ist die Zu­wan­de­rung. Zwar ver­mei­det See­ho­fer neu­er­dings das Wort „Ober­gren­ze“, von sei­ner grund­sätz­li­chen For­de­rung weicht er aber nicht ab. Im In­ter­view mit un­se­rer Zei­tung be­ton­te der Mi­nis­ter­prä­si­dent, die Be­gren­zung der Zu­wan­de­rung sei Be­din­gung für ei­ne Re­gie­rungs­be­tei­li­gung sei­ner Par­tei. Auch wenn sich die Kanz­le­rin auf die CSU zu­be­wegt hat, lehnt sie ei­ne kon­kre­te Zahl als Ober­gren­ze für die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen aber nach wie vor ab. See­ho­fer ist trotz­dem zu­ver­sicht­lich: „CDU und CSU stre­ben bei­de ei­ne kla­re Be­gren­zung der Zu­wan­de­rung an.“

Die in­halt­li­che An­nä­he­rung zwi­schen den Schwes­ter­par­tei­en un­ter­streicht ein Vor­stoß des CDU-Vi­ze Tho­mas Strobl. Der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche In­nen­mi­nis­ter will ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber kon­se­quen­ter ab­schie­ben. „Wer kein Blei­be­recht hat, muss ge­hen. Die Aus­rei­se­pflicht für Aus­län­der mit neu­er Kon­se­quenz durch­set­zen“, schreibt Strobl in ei­nem Po­si­ti­ons­pa­pier für den CDU-Par­tei­tag in Es­sen. Men­schen oh­ne Schutz­sta­tus müss­ten zeit­nah in ihr Hei­mat­land zu­rück­keh­ren oder in ei­nen si­che­ren Dritt­staat über­stellt wer­den, for­dert er. Aus­län­der, die Straf­ta­ten be­ge­hen oder über ih­re Iden­ti­tät täu­schen, dürf­ten kein Auf­ent­halts­recht er­hal­ten. In ähn­li­cher Form hat das auch die CSU im­mer wie­der for­mu­liert.

„Wenn wir es hin­neh­men, dass Recht nicht voll­zo­gen wird, wer­den wir das Ver­trau­en der Be­völ­ke­rung in den Rechts­staat un­ter­gra­ben“, warnt Strobl. See­ho­fer dürf­te das ge­nau­so se­hen. Er er­war­tet bis zur Bun­des­tags­wahl „die schwie­rigs­ten zehn Mo­na­te, die CDU und CSU seit Jahr­zehn­ten er­lebt ha­ben“. Er selbst ge­langt da­bei im­mer wie­der ans En­de sei­ner Kräf­te. Am Sams­tag er­litt er ei­nen Schwä­che­an­fall. Es ist nicht der ers­te ge­sund­heit­li­che Warn­schuss für See­ho­fer, wie Sie auf Bay­ern le­sen kön­nen.

„Wenn wir es hin­neh­men, dass Recht nicht voll­zo­gen wird, wer­den wir das Ver­trau en der Be­völ­ke­rung in den Rechts­staat un­ter­gra­ben.“CDU Vi­ze Tho­mas Strobl

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.