Kon­ser­va­ti­ve schi­cken Fil­lon ins Ren­nen

Kan­di­da­ten­kür Frank­reichs Ex-Pre­mier­mi­nis­ter hat gu­te Chan­cen, neu­er Prä­si­dent zu wer­den

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik - VON BIRGIT HOLZER

Pa­ris

Es ist ein Mo­ment des Tri­umphs für den ewi­gen Mann im Schat­ten, den zu­rück­hal­ten­den und lan­ge un­ter­schätz­ten François Fil­lon. Mit ver­stoh­le­nem Lä­cheln blickt er in die Men­ge sei­ner ju­beln­den An­hän­ger, um ih­nen ei­ne „Bot­schaft der Hoff­nung“ent­ge­gen­zu­ru­fen, wie er es nennt: „Frank­reich will die Wahr­heit und Frank­reich will Ta­ten se­hen!“Er ver­spre­che, dass er ei­ne sou­ve­rä­ne, mo­der­ne Na­ti­on aus dem Land ma­chen wer­de, das an der Spit­ze Eu­ro­pas ste­he. „Die Zu­kunft war­tet auf uns!“

Fil­lon, der 62-jäh­ri­ge Kon­ser­va­ti­ve, setzt sich bei den Vor­wah­len der fran­zö­si­schen Re­pu­bli­ka­ner ge­gen sei­nen Ri­va­len Alain Jup­pé durch und wird Kan­di­dat für die Prä­si­dent­schafts­wah­len im Früh­jahr 2017. Nach Aus­zäh­lung von rund zwei Drit­teln der Wahl­lo­ka­le holt er 67 Pro­zent der Stim­men. Jup­pé räumt sei­ne Nie­der­la­ge ein und ver­spricht, Fil­lon zu un­ter­stüt­zen.

Die Be­tei­li­gung an der Kan­di­da­ten­kür ist ähn­lich hoch wie bei der ers­ten Run­de vor ei­ner Wo­che, als 4,3 Mil­lio­nen Wäh­ler ih­re Stim­me ab­ge­ge­ben ha­ben. Fil­lon hat laut Um­fra­gen nun gu­te Chan­cen, neu­er Staats­prä­si­dent zu wer­den. Als schärfs­te Kon­kur­ren­tin gilt der­zeit Ma­ri­ne Le Pen vom rechts­po­pu­lis­ti­schen Front Na­tio­nal.

Lan­ge hat Fil­lon als aus­sichts­lo­ser drit­ter Mann ge­gol­ten, an des­sen Sieg kaum ei­ner glau­ben moch­te. Über Mo­na­te hin­weg sa­hen al­le Um­fra­gen ein Kopf-an-Kopf-Ren­nen zwi­schen Jup­pé und Ex-Prä­si­dent Ni­co­las Sar­ko­zy vor­her, dem Fil­lon fünf Jah­re als Pre­mier­mi­nis­ter un­ter­ge­ord­net war. Doch die Wäh­ler straf­ten Sar­ko­zy hart ab, in­dem sie ihn auf den drit­ten Platz ver­wie­sen und zwan­gen, das En­de sei­ner po­li­ti­schen Kar­rie­re an­zu­kün­di­gen. Der 61-jäh­ri­ge ExStaats­chef rang sich durch, Fil­lon zu un­ter­stüt­zen, der mit ei­nem star­ken Er­geb­nis von 44,1 Pro­zent der Stim­men be­reits als Fa­vo­rit in das Du­ell mit Jup­pé ge­gan­gen war.

Und tat­säch­lich un­ter­lag nun der 71-jäh­ri­ge Bür­ger­meis­ter von Bor­deaux, der wie Fil­lon in sei­ner lan­gen Po­li­ti­ker­kar­rie­re be­reits di­ver­se Schlüs­sel­pos­ten in­ne­hat­te, dar­un­ter den des Re­gie­rungs­chefs. Be­ob­ach­ter sa­hen Jup­pé lan­ge als aus­sichts­reichs­ten Kan­di­da­ten, weil er nicht nur in­ner­halb der ei­ge­nen Par­tei, son­dern auch in der fran­zö­si­schen Be­völ­ke­rung ins­ge­samt gro­ße Be­liebt­heit ge­nießt. Letzt­lich konn­te der tro­cken und kühl wir­ken­de Po­li­ti­ker aber kei­nen ech­ten En­thu­si­as­mus er­zeu­gen und ge­riet ins Hin­ter­tref­fen ge­gen­über dem au­to­ri­tär und sou­ve­rän auf­tre­ten­den Fil­lon.

Die­ser prä­sen­tier­te ein sehr prä­zi­ses Pro­gramm, das ihm den Ruf ein­brach­te, er sei ein „fran­zö­si­scher That­cher“. Er kün­dig­te un­ter an­de­rem das En­de der 35-St­un­den-Wo­che oh­ne au­to­ma­ti­schen Lohn­aus­gleich an, ei­ne Er­hö­hung der Mehr­wert­steu­er um zwei Pro­zent­punk­te und die Kür­zung von 500 000 Be­am­ten­stel­len.

Fo­to: dpa

Kan­di­dat François Fil­lon: „Mis­ter No­bo dy“will Prä­si­dent wer­den.

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