Re­al will sich neu er­fin­den

Han­del Der Kon­zern schrumpft seit Jah­ren. Nun sol­len die Lä­den at­trak­ti­ver wer­den – mit fri­scher Piz­za und Steaks vom Grill. Doch kann das klap­pen?

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Politik | Wirtschaft -

Kre­feld „Ein­mal hin. Al­les drin.“: Bis­lang prä­sen­tiert sich die SB-Wa­ren­haus­ket­te Re­al in der Wer­bung vor al­lem als idea­ler Platz zum Ein­kaufs­zet­tel-Ab­ha­ken. Der Er­folg bei den Kun­den ist eher be­schei­den. Die Ket­te schrumpft seit Jah­ren und wur­de zum Sor­gen­kind des Mut­ter­kon­zerns Me­tro.

Doch jetzt plant der neue Re­alChef Patrick Mül­ler-Sar­mi­en­to ei­nen Be­frei­ungs­schlag. Ei­ne neue Fi­lia­le in Kre­feld, die als Blau­pau­se für den Um­bau der gan­zen Ket­te die­nen soll, lockt die Kun­den nicht nur mit end­lo­sen Re­ga­len, son­dern mit Gas­tro­no­mie-An­ge­bo­ten und Wohl­fühl-Am­bi­en­te. „Man kann ein­kau­fen, schlen­dern, sich un­ter­hal­ten. Wir ha­ben den Markt­platz wie­der­be­lebt“, wirbt Mül­ler-Sar­mi­en­to. Er will den Ein­kauf zum Er­leb­nis ma­chen. Wo in den meis­ten Lä­den ei­ne Auf­back­stati­on für Bröt­chen steht, fin­det sich in dem neu­en La­den ei­ne kom­plet­te Bä­cke­rei. Hier wer­den nicht nur Bröt­chen, son­dern auch Sau­er­teig­bro­te un­ter den Au­gen der Kun­den ge­ba­cken. Die Ca­fé-Bar ver­fügt über ei­ne ei­ge­ne Röst­ma­schi­ne, um Kaf­fee­boh­nen vor Ort den letz­ten Schliff zu ge­ben. Es gibt ei­ne glä­ser­ne Metz­ge­rei, in der die Kun­den die Wurst­her­stel­lung be­ob­ach­ten kön­nen, ei­ne Sushi­und ei­ne Aus­tern-Bar und ei­nen ech­ten Piz­zao­fen. Wer will, kann auch an der Fleisch­the­ke ein Steak kau­fen, es vor Ort zu­be­rei­ten las­sen, an ei­nem Tisch auf dem „Markt­platz“ver­spei­sen und mit ei­nem Wein aus der Wein­ab­tei­lung hin­un­ter­spü­len.

Die Idee mit der Gas­tro­no­mie im La­den ist nicht wirk­lich neu. Re­weChef Alain Ca­par­ros et­wa pre­digt seit Jah­ren: „In Zu­kunft wird der Su­per­markt ein Ort der Be­geg­nung sein.“Doch be­mer­kens­wert ist die Kon­se­quenz, mit der Mül­ler-Sar­mi­en­to das Kon­zept um­setzt. Um Ide­en für den neu­en Markt zu sam­meln, war der Ma­na­ger mo­na­te­lang un­ter­wegs. Er be­such­te Ge­schäf­te in Ja­pan und den USA, aber auch den Vik­tua­li­en­markt in Mün­chen und den Müns­ter­markt in Frei­burg.

Auf­fal­lend ist die Spann­wei­te des An­ge­bots. In der Kos­me­tik­ab­tei­lung steht die Ei­gen­mar­ken-Sei­fe für 0,29 Cent pro Stück nur ei­nen Schritt ent­fernt von der Sei­fe aus ei­ner tra­di­ti­ons­rei­chen Sei­fen­ma­nu­fak­tur, die fast 50 Mal so teu­er ist. In der Flei­sch­ab­tei­lung reicht das An­ge­bot vom Rin­der­hack für 4,40 Eu­ro pro Ki­lo bis zum ja­pa­ni­schen Ko­be-Rind für 199 Eu­ro je Ki­lo­gramm. Doch die Prei­se in der Gas­tro­no­mie sind eher güns­tig kal­ku­liert – zu­min­dest ver­g­li­chen mit nor­ma­len Ca­fés und Re­stau­rants. Den­noch sei die Ge­winn­mar­ge für Re­al deut­lich hö­her als beim nor­ma­len Han­del mit Pro­duk­ten, be­tont Mül­ler-Sar­mi­en­to.

Wird das neue Kon­zept von den Kun­den an­ge­nom­men, will es der Re­al-Chef bun­des­weit aus­rol­len. In rund der Hälf­te der knapp 300 ver­blie­be­nen Fi­lia­len kön­ne es um­ge­setzt wer­den, glaubt er. Die Um­bau­kos­ten pro Fi­lia­le be­zif­fert er auf 3,5 bis 8,5 Mil­lio­nen Eu­ro.

Tat­säch­lich ist es höchs­te Zeit für ei­ne Trend­wen­de bei der Su­per­markt­ket­te. Das letz­te Wachs­tum ver­zeich­ne­te Re­al nach An­ga­ben des Ma­na­gers 2007. Seit­dem schrumpft Re­al. Die oft auf der grü­nen Wie­se ge­le­ge­nen Groß-Su­per­märk­te gel­ten vie­len als Aus­lauf­mo­del­le.

Das neue Kon­zept sei „wahr­schein­lich die letz­te Chan­ce für das Un­ter­neh­men“, meint des­halb der Han­dels­ex­per­te Ger­rit Hei­ne­mann von der Hoch­schu­le Nie­der­rhein. Doch der Schritt ist nicht oh­ne Ri­si­ko. „Es ist sehr die Fra­ge, ob ein sol­cher Spa­gat funk­tio­nie­ren kann, un­ter ei­nem Dach al­les von Do­sen­ra­vio­li für 1,19 Eu­ro bis zum wei­ßen Trüf­fel für 4000 Eu­ro das Ki­lo­gramm an­zu­bie­ten.“

Und noch ein Punkt macht ihm Sor­gen: „Das ist ein tol­les Pro­jekt, aber es löst das Pro­blem von Re­al nicht. Die gan­ze Ket­te wer­den sie nicht auf die­ses Ni­veau brin­gen“, be­fürch­tet Hei­ne­mann. Es sei ein gro­ßer Un­ter­schied, ob man ei­nen Pi­lot­la­den hin­stel­le oder ob man ein gan­zes Un­ter­neh­men ver­än­dern wol­le. „Das neue Kon­zept setzt auf Ser­vice. Aber ge­ra­de in die­sem Be­reich liegt bis­lang die größ­te Schwä­che von Re­al“, meint er. Mit dem vor­han­de­nen Per­so­nal sei der Neu­an­fang nicht zu schaf­fen. „Ich kann aus ei­nem Acker­gaul kein Renn­pferd ma­chen.“Aber dem Re­alChef ist die­ses Pro­blem wohl be­wusst. Im La­den in Kre­feld wur­de nicht nur mo­na­te­lang mit den Be­schäf­tig­ten für den Neu­start trai­niert, es wur­den auch zu­sätz­lich zu den bis­he­ri­gen 170 Mit­ar­bei­tern 75 neue ein­ge­stellt. Bun­des­weit könn­ten im Er­folgs­fall bis zu 3000 neue Jobs ent­ste­hen. Erich Rei­mann, dpa

Die Idee ist nicht ganz neu

Fo­to: Rolf Ven­nen­bernd, dpa

Wer will, kann in der Re­al Fi­lia­le in Kre­feld an der Fleisch­the­ke ein Steak kau­fen und es di­rekt vor Ort zu­be­rei­ten las­sen.

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