Dar­um mag Eccles­to­ne Ros­berg nicht

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport - VON MILAN SAKO ms@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Wie är­gert man sei­ne größ­ten Kri­ti­ker? Mit bit­ter­bö­sen Kom­men­ta­ren, mit ver­ach­ten­den Bli­cken, mit ewi­gem Schwei­gen? Nein, man herzt sie und hebt sie in die Luft. So wie Ni­co Ros­berg nach sei­nem WM-Tri­umph von Abu Dha­bi Ber­nie Eccles­to­ne um­arm­te und in die Hö­he stemm­te, muss­te man Angst um den Chef­ver­mark­ter der For­mel 1 ha­ben. An­de­rer­seits: Der 86-jäh­ri­ge Al­lein­herr­scher im PS-Reich ist ein zä­her Bro­cken. Und: Wer aus­teilt, muss auch ein­ste­cken kön­nen.

Ob Ros­bergs über­schwäng­li­che Freu­de ehr­lich oder nur ei­ne Re­tour­kut­sche war, ist nicht be­kannt. Ver­bürgt ist, dass Ber­nie Eccles­to­ne kein An­hän­ger des deut­schen Mer­ce­des-Fah­rers ist. Schon im Vor­feld hat­te Mis­ter E. ge­sti­chelt, dass ein Ti­tel­ge­winn gut für Ros­berg und für Mer­ce­des wä­re, aber es wür­de dem Sport nicht un­be­dingt hel­fen. Weil es nichts über den Deut­schen zu schrei­ben gibt.

Tat­säch­lich le­ben Ros­berg und Le­wis Ha­mil­ton in zwei Wel­ten. Der groß­zü­gig tä­to­wier­te Bri­te protzt mit dau­men­di­cken Gold­ket­ten um den Hals und ist der Pop­star der For­mel 1. Nach den Ren­nen dreht er auf Par­tys in Los An­ge­les oder bei ei­ner Mo­den­schau mit Schau­spie­ler Tom Crui­se sei­ne Run­den. In den so­zia­len Netz­wer­ken hat Le­wis Ha­mil­ton Mil­lio­nen von Fans. Ros­berg ist der Ge­gen­ent­wurf zu dem Bri­ten. Ab­seits der Stre­cke küm­mert sich der 31-Jäh­ri­ge vor­bild­lich um sei­ne Frau Vi­vi­an und Toch­ter Alaia. Das bie­tet we­nig Fut­ter für die Klatsch­pres­se und die bun­ten Blät­ter.

Nun folgt der Sohn auch noch brav dem Va­ter Ke­ke, der 1982 den Welt­meis­ter­ti­tel hol­te. In der For­mel 1 ist das kein No­vum. 1962 und 1968 tri­um­phier­te Gra­ham Hill, sein Sohn Da­mon ras­te 1996 zur Welt­meis­ter­schaft – auch 34 Jah­re nach dem ers­ten Er­folg des Va­ters. Wie bei den Ros­bergs.

Das sind die net­ten Ge­schich­ten, die sich aus den Jahr­bü­chern und Sta­tis­ti­ken der For­mel 1 spei­sen. In­ter­es­sant zu wis­sen, nett zu er­fah­ren. Aber in Zei­ten, in de­nen Pöbler mit ei­ner gro­ßen Klap­pe und viel Geld es bis zum Prä­si­den­ten der USA schaf­fen, er­hö­hen kreuz­bra­ve Fa­mi­li­en­vä­ter in der For­mel 1 al­ler­höchs­tens den Gähn­f­ak­tor. Fin­det zu­min­dest Ber­nie Eccles­to­ne.

Fo­to: afp

Gro­ßer Eccles­to­ne sei gnä­dig: Der Mer ce­des Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de Ni­ki Lau da (links) scherzt mit dem For­mel 1 Chef­ver­mark­ter.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.