Glück­li­ches Händ­chen

FC Bay­ern Münch­ner pro­fi­tie­ren beim 2:1 ge­gen Le­ver­ku­sen von ei­ner Fehl­ent­schei­dung. Do­mi­nanz und Sou­ve­rä­ni­tät feh­len. Die Spie­ler be­kla­gen das selbst. Nur ei­ner sagt nichts

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport - VON AN­TON SCHWANKHART

Mün­chen

Bei Schieds­rich­ter-Fehl­ent­schei­dun­gen zum Nach­teil von Bay­er Le­ver­ku­sen ist Ru­di Völ­lers Zünd­schnur kurz. Ei­ne fal­sche Fra­ge, ein schrä­ger Blick, da­zu ei­ne ent­hül­len­de Zeit­lu­pe – und der Sport­di­rek­tor geht in die Luft. Trotz­dem war er Sams­tag­abend, im Mo­ment des Un­heils, sit­zen ge­blie­ben. Wie die meis­ten der 75 000 Zu­schau­er in der Al­li­anz-Are­na hat­te auch Völ­ler nicht er­kannt, was vor sei­nen Au­gen ge­sche­hen war. Ja­vier Mar­ti­nez hat­te kurz vor der Münch­ner Tor­li­nie den Ball ab­ge­wehrt. Selbst Le­ver­ku­sens Ke­vin Vol­land, der in Rich­tung leer ste­hen­des Tor ge­köpft hat­te, war ent­gan­gen, was spä­ter die Zeit­lu­pe ent­hüll­te. Vol­land: „Ich hat­te mich ge­wun­dert, weil der Ball nur ans Au­ßen­netz ging. Jetzt weiß ich, war­um.“Ursache der Rich­tungs­än­de­rung war Mar­ti­nez’ aus­ge­fah­re­ner Arm, der Le­ver­ku­sens Tref­fer zum 2:2 ver­hin­der­te. Das Hand­spiel dem Un­par­tei­ischen zu beich­ten, kam Mar­ti­nez nicht in den Sinn. Der Spa­nier war für den an­ge­schla­ge­nen Jé­rô­me Boateng in die Start­elf ge­rückt. Der Na­tio­nal­spie­ler war zu­letzt von Bay­ern-Vor­stand Karl-Heinz Rum­me­nig­ge ge­rüf­felt wor­den („Er muss wie­der back to earth kom­men“), was Boateng ges­tern am Ran­de ei­nes Fan­klub-Be­such in Ba­ben­hau­sen kon­ter­te: „Über die Aus­sa­gen kann ich nur la­chen. Mehr kann ich da­zu nicht sa­gen. Das nächs­te Mal kann er es mir per­sön­lich ins Ge­sicht sa­gen und dann ist das gut“, er­klär­te Boateng.

Den Tref­fer, den Boateng-Ver­tre­ter Mar­ti­nez ver­hin­der­te, hät­ten die Le­ver­ku­se­ner mit ih­rem en­ga­gier­ten Auf­tritt ver­dient ge­habt. Dass der fäl­li­ge Elf­me­ter und die Ro­te Kar­te für Mar­ti­nez aus­blie­ben, weil we­der Schieds­rich­ter Mar­co Fritz noch ei­ner sei­ner As­sis­ten­ten das Hand­spiel ge­se­hen hat­ten, leg­te spä­ter bei Völ­ler doch noch die Lun­te. „Das müs­sen die Schieds­rich­ter se­hen“, for­mu­lier­te er An­sprü­che an die Un­par­tei­ischen, die in die­sem Fall nicht zu er­fül­len wa­ren. An­schlie­ßend ver­lor sich der Sport­di­rek­tor in den al­ten Fuß­ball­kla­gen. „Manch­mal sind es ganz ba­na­le Din­ge, die über Sieg oder Nie­der­la­ge ent­schei­den. Das hat nichts mit Tak­tik, Phi­lo­so­phi­en, Match­plan oder Kon­zep­ten zu tun, son­dern ein Elf­me­ter ist ein Elf­me­ter. So ein­fach ist das.“In der Dis­kus­si­on dar­über ging un­ter, dass den Münch­nern, nach ei­nem Hen­richs-Foul an Le­wan­dow­ski, eben­falls ein Straf­stoß zu­ge­stan­den hät­te.

Am En­de wa­ren es doch nur zwei De­tails ei­nes un­ter­halt­sa­men Fuß­ball­abends, an dem die Münch­ner ein wei­te­res Mal müh­sam um Sou­ve­rä­ni­tät und Do­mi­nanz kämpf­ten. „Dass das nicht der FC Bay­ern der letz­ten Jah­re ist, ist klar“, be­fand Völ­ler. Da darf man in­zwi­schen selbst in der Al­li­anz-Are­na auf Punk­te hof­fen. Le­ver­ku­sen trat mu­tig und ent­schlos­sen auf. Der Re­kord­meis­ter da­ge­gen hat­te ver­un­si­chert und mit vie­len Ball­ver­lus­ten be­gon­nen. Um­so über­ra­schen­der war die 1:0-Füh­rung durch Thia­go (30.), die aber nur fünf Mi­nu­ten hielt. Cal­ha­nog­lu (35.) glich aus.

„Uns feh­len mo­men­tan Leich­tig­keit und Si­cher­heit“, räum­te Ma­nu­el Neu­er ein. Da­zu trägt Ta­bel­len­füh­rer Leip­zig bei. Der Auf­stei­ger hat­te am Frei­tag mit 4:1 in Frei­burg vor­ge­legt, wes­halb den Münch­nern nicht mehr blieb, als mit ei­nem Sieg den Drei-Punk­te-Rück­stand zu hal­ten. Da­nach aber hat­te es bis zur Pau­se nicht aus­ge­se­hen. „Wir tun uns nicht so leicht wie in der Ver­gan­gen­heit“, räum­te Tho­mas Mül­ler ein. Das gilt auch für ihn selbst. Mül­ler ist in Bun­des­li­ga bis­lang leer aus­ge­gan­gen. Ver­gan­ge­ne Sai­son hat­te er nach zwölf Par­ti­en elf Mal ge­trof­fen. Ge­gen Le­ver­ku­sen muss­te er nach 65 Mi­nu­ten für Ar­jen Rob­ben wei­chen. Spä­ter kam auch noch Ri­bé­ry, der sei­nen Ver­trag um ein Jahr ver­län­gert hat, für Cos­ta.

Fo­to: Pe­ter Schatz

Le­ver­ku­sens Ke­vin Vol­land (rechts) köpft auf das lee­re Bay­ern Tor. Ja­vier Mar­ti­nez lenkt den Ball mit der Hand am Pfos­ten vor­bei. Was die Fern­seh­zeit­lu­pe ent­hüll­te, war im Spiel un­ent­deckt ge­blie­ben – zum Ver­druss der Gäs­te.

Je­ro­me Boateng zur jüngs­ten Rum­me­nig­ge Kri­tik an sei­ner Leis­tung

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