Ganz der Al­te – und doch neu

FC Bay­ern Uli Ho­en­eß gibt sich erst de­mü­tig, fällt dann aber doch in al­te Mus­ter zu­rück

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Sport - VON TILMANN MEHL Die Par­tie wur­de ab­ge­sagt. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Ba­ben­hau­sen Bad Grö­nen­bach Neugab­lonz TSV Haun­stett. TG Vikt. Augsb. Zie­mets­hau­sen TV Erk­heim VfB Du­rach Sont­ho­fen II TSV Bo­bin­gen Wig­gens­bach Kö­nigs­brunn Ottobeuren Din

Mün­chen

Das ging schnell. Uli Ho­en­eß ließ nicht viel Zeit ver­strei­chen, ehe er zu er­ken­nen gab, wie er künf­tig das Amt des Prä­si­den­ten des FC Bay­ern aus­fül­len will. So wie frü­her. „Leip­zig hat 4:1 ge­won­nen, wir ha­ben ne­ben Dort­mund ei­nen zwei­ten Feind, den wir jetzt end­lich wie­der at­ta­ckie­ren kön­nen“, kom­men­tier­te er den Sieg der Sach­sen am Frei­tag. Von der zu­rück­hal­ten­den Rhe­to­rik, als er bei der Jah­res­haupt­ver­samm­lung des FC Bay­ern um die Stim­men der 7152 Mit­glie­der bat, war da nichts mehr zu hö­ren.

Der im Fe­bru­ar aus dem Ge­fäng­nis ent­las­se­ne Ho­en­eß sprach vor der Ab­stim­mung noch da­von, je­den ver­ste­hen zu kön­nen, der ihn nicht als Prä­si­den­ten wählt. Doch ganz of­fen­bar hal­ten ziem­lich vie­le Münch­ner An­hän­ger et­was von der Idee, dass ein ver­ur­teil­ter Steu­er­sün­der sein Re­so­zia­li­sie­rungs­pro­gramm in ei­nem Ver­ein be­strei­tet, der im ver­gan­ge­nen Ge­schäfts­jahr 626,8 Mil­lio­nen Eu­ro Um­satz ge­macht hat. Über 98 Pro­zent der an­we­sen­den Mit­glie­der wähl­ten Ho­en­eß. Der 64-Jäh­ri­ge schal­te­te um­ge­hend auf An­griff. Zwar re­la­ti­vier­te er spä­ter, bei Leip­zig hand­le es sich kei­nes­falls um ei­nen „Feind, son­dern um ei­nen Ri­va­len“, die Ten­denz aber blieb die glei­che. „Wenn man ehr­lich ist, muss­ten wir die letz­ten Jah­re die Mo­ti­va­ti­on im­mer aus uns selbst ho­len. Es ist höchs­te Zeit, dass mal wie­der ein paar kom­men, da­mit wir sie wie­der rich­tig be­kämp­fen kön­nen.“Be­kämp­fen, at­ta­ckie­ren, Feind – Ho­en­eß ließ bei sei­nem ers­ten Auf­tritt als Bay­ern-Prä­si­dent seit über zwei Jah­ren kei­nen Zwei­fel auf­kom­men, was nun im Vor­der­grund steht. Das sind nicht et­wa die Ver­trags­ver­hand­lun­gen mit den An­ge­stell­ten Le­wan­dow­ski, Ri­bé­ry oder Mül­ler. Es ist ein­zig die Jagd auf die Ta­bel­len­spit­ze. Da­nach kön­ne man sich dann auch mit den an­de­ren The­men be­schäf­ti­gen. Das dürf­te vor al­lem Philipp Lahm in­ter­es­sie­ren. Vor­stands­boss Karl-Heinz Rum­me­nig­ge be­stä­tig­te un­um­wun­den, dass der Rechts­ver­tei­di­ger die Rol­le Sam­mers ein­neh­men wird. Of­fen ist nur noch der Zeit­punkt. Lahms Ver­trag läuft bis 2018, al­ler­dings wol­len die Münch­ner spä­tes­tens zur kom­men­den Sai­son die va­kan­te Stel­le be­set­zen.

Ne­ben sei­nem for­schen Auf­tre­ten ließ Ho­en­eß aber auch noch zwei Zü­ge er­ken­nen, die vor sei­ner Haft­stra­fe nicht be­son­ders an die Öf­fent­lich­keit ge­tre­ten wa­ren. Sen­si­bi­li­tät und Selbst­iro­nie. Wäh­rend der 21 Mo­na­te im Ge­fäng­nis ha­be er oft ge­weint „wie ein Schloss­hund“. Dann nahm er sich die Brie­fe zur Hand, die ihm die Fans („auch von an­de­ren Ver­ei­nen“) schick­ten, und zog dar­aus Kraft. Auf der Jah­res­haupt­ver­samm­lung gab er sich we­ni­ger sen­ti­men­tal, sorg­te aber für den größ­ten La­cher. Ein kräf­ti­ge­res Mit­glied setz­te sich da­für ein, dass die Bay­ern mit Blick auf sei­ne ei­ge­ne Per­son – aber auch auf den mit­un­ter brei­ter ge­bau­ten ame­ri­ka­ni­schen Fan (Stich­wort: In­ter­na­tio­na­li­sie­rung) – Tri­kots in Über­grö­ßen pro­du­zie­ren. Schließ­lich ge­be es an­sons­ten nur drei un­zu­frie­den­stel­len­de Mög­lich­kei­ten: kein Tri­kot, ein zu en­ges Tri­kot oder ein selbst ge­mach­tes Tri­kot. Und vier­tens, merk­te Ho­en­eß an: 21 Mo­na­te Lands­berg. Dann passt das Tri­kot wie­der. Da war auch bei vie­len der an­fangs un­zu­frie­de­nen Fans der Un­mut ver­ges­sen. Rund 1500 Mit­glie­der konn­ten nicht in den Au­di Do­me, son­dern muss­ten aus Platz­grün­den in ei­nem ex­tra auf­ge­stell­ten Zelt ne­ben­an auf ei­ner Lein­wand die Jah­res­haupt­ver­samm­lung ver­fol­gen. Ho­en­eß ver­sprach, dass so was nicht mehr vor­kom­men soll und stell­te den Zel­tZu­schau­ern ei­ne ge­mein­sa­me Par­ty in Aus­sicht. Wann, wie und wo ist noch of­fen. Erst muss die Ta­bel­len­füh­rung zu­rück­er­obert wer­den. - - -

Uli Ho­en­eß

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