Was tun ge­gen die Vo­gel­grip­pe?

Seu­che Auch in der Re­gi­on ha­ben sich wild le­ben­de Tie­re an­ge­steckt. Haus- und Nutz­ge­flü­gel ist bis­lang nicht be­trof­fen – darf aber nicht mehr ins Freie. Was Hal­ter da­zu sa­gen und Ver­brau­cher be­ach­ten soll­ten

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Region Augsburg - VON ELISA MADELEINE GLÖCKNER

Re­gi­on

Die Vo­gel­grip­pe brei­tet sich wei­ter aus: Im­mer mehr Land­krei­se in Bay­ern sind be­trof­fen. Auch die Re­gi­on Augs­burg. Be­reits vor­letz­te Wo­che wa­ren ers­te In­fek­ti­ons­fäl­le ei­nes Schwans und zwei­er Rei­he­ren­ten bei Thier­haup­ten fest­ge­stellt wor­den. Im Zu­ge des­sen mel­de­te auch der Land­kreis Aichach-Fried­berg zwei ver­en­de­te Wild­vö­gel. Ob sie an der Vo­gel­grip­pe ge­stor­ben sind, steht noch nicht fest. Die Un­ter­su­chun­gen im Lan­des­amt für Ge­sund­heit und Le­bens­mit­tel­si­cher­heit (LGL) lau­fen noch. Für Men­schen gilt der ak­tu­el­le Er­re­ger als un­ge­fähr­lich.

Steigt die Zahl in­fi­zier­ter Tie­re wei­ter­hin, wä­ren die Fol­gen für Land­wir­te und Ge­flü­gel­hof­be­trei­ber vor al­lem in den bei­den Land­krei­sen rund um Augs­burg dra­ma­tisch: Nach An­ga­ben des Ve­te­ri­när­amts hal­ten im Augs­bur­ger Land et­wa 400 Bau­ern mehr als 70 000 Hüh­ner. Im Land­kreis Aich­achF­ried­berg lie­fen über 1200 Hal­ter und Züch­ter Ge­fahr, mit dem Vi­rus kon­fron­tiert zu wer­den; 16 von ih­nen ha­ben mehr als 1000 Tie­re. Auf- der jüngs­ten Ent­wick­lun­gen gilt in Bay­ern seit ei­ner Wo­che ei­ne strik­te Stall­pflicht für Ge­flü­gel – so­wohl für ge­werb­li­che Züch­ter als auch für Pri­vat­per­so­nen, die Hüh­ner, En­ten, Gän­se, Fa­sa­ne oder sons­ti­ges Haus- und Nutz­ge­flü­gel hal­ten. Da­mit soll ver­hin­dert wer­den, dass die Tie­re in Kon­takt mit in­fi­zier­ten Wild­vö­geln kom­men.

Ob­wohl das Ri­si­ko ei­ner An­ste­ckung für die Tie­re hoch ist, bli­cken vie­le Be­trie­be mit kri­ti­schem Au­ge auf das ver­ord­ne­te Wegsper­ren: „Stall­pflicht kann kei­ne Lö­sung sein“, sagt Oli­ver Schmidt. Der Di­plom-Agrar­in­ge­nieur ist Brut­meis­ter beim Me­rin­ger Klein­tier­züch­ter­ver­ein und stol­zer Be­sit­zer drei­er Kampf­gän­se. Sie sei­en frei­heits­lie­ben­de Tie­re, die die En­ge ge­schlos­se­ner An­la­gen auf Dau­er nicht aus­hal­ten kön­nen, sagt Schmidt. Sei­ner An­sicht nach sind Wild­tie­re nicht die ein­zi­ge Ursache für die Vo­gel­grip­pe: „Ich den­ke, dass die in­ten­si­ve Stall­hal­tung Stress für die Tie­re be­deu­tet, das Im­mun­sys­tem wird ge­hemmt, Kei­me kön­nen sich aus­brei­ten.“Dem­nach könn­te aus sei­ner Sicht die stren­ge Stall­pflicht so­gar ei­ne In­fek­ti­on be­güns­ti­gen.

Die Da­sin­ger Ge­flü­gel­hof­be­trei­be­rin Xe­nia Lap­per­ger war das The­ma Ge­flü­gel­pest von An­fang an zu bri­sant. Schon vor ei­ni­gen Wo­chen ent­schloss sie sich, ih­re Hüh­ner zu ver­kau­fen. Den Be­trieb neh­me sie erst wie­der auf, wenn die Epi­de­mie ab­ge­klun­gen ist. Auch Hal­ter mit nur we­ni­gen Tie­ren sind be­trof­fen. Pe­ter Rau­scher hält seit ein­ein­halb im Augs­bur­ger Stadt­teil In­nin­gen fünf Hüh­ner und ei­nen Hahn. Nor­ma­ler­wei­se ge­nie­ßen sie die Frei­heit und sind im Gar­ten un­ter­wegs. Doch nun dür­fen sie ih­ren über­dach­ten „Win­ter­gar­ten“nicht mehr ver­las­sen. Rau­scher hofft, dass sich das bald än­dert.

Mit ei­nem schnel­len En­de ist aber wei­ter­hin nicht zu rech­nen. Stren­ge­re Si­cher­heits­maß­nah­men sol­len das Ri­si­ko ei­ner In­fek­ti­on den­noch min­dern. Denn in­di­rekt ein­ge­tra­gen wer­den kann der Er­re­ger et­wa über durch Wild­vö­gel ver­un­rei­nig­tes Fut­ter, Was­ser oder Ein­streu. Dem­nach dür­fen kei­ne Un­be­fug­ten in die Stäl­le, Tier­hal­ter müs­sen Schutz­klei­dung tra­gen so­wie Hän­de und Stie­fel des­in­fi­zie­ren kön­nen. Wie das Um­welt­mi­nis­te­ri­um am Mitt­woch mit­teil­te, sind nun auch Aus­grund stel­lun­gen und Märk­te mit Ge­flü­gel bay­ern­weit ver­bo­ten.

Laut Lan­des­amt für Ge­sund­heit und Le­bens­mit­tel­si­cher­heit sind vor al­lem Wild­vö­gel für den Er­re­ger emp­fäng­lich. Aber auch Hüh­ner oder Pu­ten sind stark ge­fähr­det. Nach An­ga­ben von Ex­per­ten ma­chen er­krank­te Vö­gel ei­nen apa­thi­schen Ein­druck, lei­den un­ter Atem­not oder Durch­fall. Sie schwan­ken häu­fig, ihr Ge­fie­der ist ge­sträubt. Die In­fek­ti­on kann plötz­lich auf­tre­ten und die Tie­re in­ner­halb von St­un­den da­hin­raf­fen. Des­halb soll­ten auf­ge­fun­de­ne Ka­da­ver um­ge­hend dem Ve­te­ri­när­amt ge­mel­det wer­den. Das Lan­des­amt hält auch Hun­de­hal­ter da­zu an, Tie­re grund­sätz­lich an die Lei­ne zu neh­men, um ei­ner An­ste­ckung vor­zu­beu­gen.

Die Vo­gel­grip­pe be­schäf­tigt aber auch die Ver­brau­cher. Mehr­fach mel­de­ten sich be­sorg­te Bür­ger bei Land­rats- und Ve­te­ri­när­äm­tern der Re­gi­on. Bis­lang sind welt­weit je­doch kei­ne Fäl­le be­kannt, in de­nen sich Men­schen mit dem ak­tu­el­len Er­re­ger H5N8 an­ge­steckt ha­ben, sagt das Fried­rich-Lo­eff­ler-In­sti­tut. Den­noch mahnt Her­bert Pfaf­fen­rath vom Ve­te­ri­när­amt Aich­achF­ried­berg: „Wer ei­nen kran­ken oder ver­en­de­ten Wild­vo­gel fin­det, soll­te ei­nen di­rek­ten Kon­takt un­be­dingt ver­mei­den.“Nach bis­he­ri­gen Er­fah­run­gen mit an­de­ren Vi­rus­va­ri­an­ten kom­me es wohl nur in sol­chen Fäl­len zu ei­ner Über­tra­gung von Tie­ren auf Men­schen. Und was ist mit ro­hen Ei­ern oder Ge­flü­gel­fleisch?

Das baye­ri­sche Agrar­mi­nis­te­ri­um gibt Ent­war­nung – bei Auf­fäl­lig­kei­ten wür­den Le­bens­mit­tel gar nicht im Re­gal lan­den. Laut Bun­des­in­sti­tut für Ri­si­ko­be­wer­tung gibt es bis­lang kei­ne Be­le­ge, dass sich Men­schen über Le­bens­mit­tel mit der Vo­gel­grip­pe an­ge­steckt ha­ben. Das In­sti­tut schließt es aber nicht grund­sätz­lich aus. Da­her emp­fiehlt es, die all­ge­mei­nen Hy­gie­ne­re­geln beim Um­gang mit Ge­flü­gel­fleisch ein­zu­hal­ten. Gut durch­er­hitz­te Le­bens­mit­tel gel­ten nach Aus­kunft der Fach­leu­te als un­be­denk­lich, weil das Vi­rus sehr sen­si­bel auf Hit­ze re­agiert und ab­stirbt.

Hun­de soll­ten bes­ser an die Lei­ne

Fo­to: Mar­cus Merk

Hüh­ner dür­fen nicht mehr ins Freie. Da­durch sol­len sie vor der Vo­gel­grip­pe ge­schützt wer­den.

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