Lo­cker vom Ho­cker

Kon­zert Alex­an­der Ste­warts Auf­tritt im Augs­bur­ger Jazz­club mach­te klar: Mit die­ser Stim­me ist künf­tig zu rech­nen

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Feuilleton Regional - VON ERIC ZWANG ERIKSSON

Al­lein der An­blick des im schi­cken Fla­nell­an­zug ste­cken­den Sun­ny­boys ließ die Her­zen der weib­li­chen Be­su­cher des Kon­zer­tes be­reits hö­her schla­gen. Die Her­ren der Schöp­fung mö­gen da et­was län­ger ge­braucht ha­ben, um an dem bri­ti­schen Ge­s­angs­ta­lent Alex­an­der Ste­wart Ge­fal­len zu fin­den. Doch auch sie er­la­gen schließ­lich dem smar­ten jun­gen Vo­ka­lis­ten und sei­ner sam­te­nen Stim­me, die treff­si­cher über sti­lis­ti­sche Hür­den hech­te­te, wäh­rend die von hoch­ka­rä­ti­gen Mu­si­kern be­setz­te Band die Wand­lungs­fä­hig­keit ih­res Front­manns kon­ge­ni­al stütz­te.

Erst 28 Jah­re jung, gilt der Sän­ger, der jüngst sein drit­tes Al­bum „I Thought About You“ver­öf­fent­licht hat, be­reits als neue Hoff­nung des bri­ti­schen Vo­cal Jazz. Zu Recht, wie sein Kon­zert im Augs­bur­ger Jazz­club ein­drucks­voll be­wies. Ho­he En­ter­tai­ner-Qua­li­tä­ten auf der ei­nen, mu­si­ka­li­sche Of­fen­heit auf der an­de­ren Sei­te lie­ßen den zwei­stün­di­gen Event, den Ste­wart ze­le­brier­te, zu ei­nem kurz­wei­li­gen und doch ge­halt­vol­len Er­leb­nis wer­den. Lust­voll flir­te­te er mit sei­nem Pu­bli­kum, wäh­rend er sich in De­an-Mar­tinMa­nier lo­cker auf dem Bar­ho­cker ne­ben dem Flü­gel prä­sen­tier­te. Fehl­te nur noch das Whis­ky­glas.

Jazz im tra­di­tio­nel­len Sin­ne in­des war das nicht, was Alex­an­der Ste­wart und sei­ne her­vor­ra­gend auf­spie­len­den Mit­strei­ter da prä­sen­tier­ten. Und das war gut so, hauch­te es dem alt­ba­cke­nen Vo­cal Jazz doch so ei­ni­ges an Fri­sche ein. Al­lein das Re­per­toire des Quin­tetts, das von Stevie Won­ders „Part Ti­me Lo­ver“über Dus­ty Spring­fiel­ds „The Look Of Lo­ve“, Paul Si­mons „Fif­ty Ways To Lea­ve Your Lo­ver“und Et­ta Ja­mes’ „I Just Want To Ma­ke Lo­ve To You“bis zu Blon­dies „Call Me“reich­te, wies auf den mo­der­nen Zu­gang hin, der auch in den Ar­ran­ge­ments und dem fre­chen Um­gang der In­stru­men­ta­lis­ten mit dem ur­sprüng­li­chen Ma­te­ri­al über­zeu­gen­den Aus­druck fand. Groß­ar­tig in die­sem Zu­sam­men­hang die Ver­schmel­zung von San­ta­nas „Oye Co­mo Va“und „Ba­by You Can Dri­ve My Car“der Beat­les.

Die we­ni­gen ei­ge­nen Kom­po­si­tio­nen des Band­lea­ders, die sich in das Pro­gramm des an­spruchs­vol­len Abends schli­chen, ta­ten ihr Üb­ri­ges zum per­fek­ten, stil­vol­len En­ter­tain­ment ei­nes Sän­gers, der sich auf den Weg ge­macht hat, den Jazz zu er­obern.

Fo­to: Zwang Eriksson

Über­zeu­gend in Stim­me und Per­for­mance: Alex­an­der Ste­wart.

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