Wel­cher Weih­nachts­markt darf es sein?

Ad­vent Ein un­ge­wöhn­li­cher Ort, ein be­son­de­res An­ge­bot und his­to­ri­sches Am­bi­en­te – was die Stadt jen­seits des Rat­haus­plat­zes zu bie­ten hat

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg - VON CLAU­DIA KNIESS

Den Christ­kind­les­markt auf dem Rat­haus­platz kennt je­der. Doch Augs­burg hat noch viel mehr Vor­weih­nacht­li­ches zu bie­ten – ein Streif­zug vor­bei an Man­da­ri­nen­duft, Glöck­chen­klang, fun­keln­den Lich­tern so­wie Punsch und Plätz­chen.

Auf dem Weih­nachts­markt am Bahn­hofs­platz in Ober­hau­sen geht es mul­ti­kul­tu­rell zu: Men­schen, die über­wie­gend in der na­hen Um­ge­bung woh­nen, aber ih­re fa­mi­liä­ren Wur­zeln auf der gan­zen Welt ha­ben, brin­gen fröh­lich ver­schie­de­ne Tra­di­tio­nen zu­sam­men. Die Wahl fällt schwer zwi­schen deut­schen Leb­ku­chen, die Kin­der selbst ver­zie­ren dür­fen, oder eben­so far­ben­froh wie köst­lich aus­se­hen­den ira­ki­schen Cre­me­tört­chen, die Hind Bu­trus und Esam Man­sur an ei­nem Stand ver­kau­fen. Den tei­len sie sich mit Ad­waa Ha­na Behn­an, de­ren lie­be­voll ge­stal­te­te klei­ne Ge­schen­ke sich auf je­dem Ga­ben­tisch gut ma­chen wür­den. „Im Irak hat­te ich ein ei­ge­nes Ge­schäft, in dem ich sol­che Sa­chen ver­kauft ha­be“, er­zählt sie fröh­lich, „jetzt le­be ich seit sechs Jah­ren in Deutsch­land und es wä­re mein größ­ter Weih­nachts­wunsch, dass je­mand vor­bei kommt und al­les so toll fin­det, dass er mir ei­nen La­den da­für gibt“.

Co­ri­na Härning schlen­dert mit ih­rem Mann und den bei­den Kin­dern an den Stän­den vor­bei. „Wir ha­ben frü­her hier in der Nä­he ge­wohnt, aber ich fin­de den Markt vor al­lem des­halb so toll, weil er zeigt, dass es in Ober­hau­sen ei­ne funk­tio­nie­ren­de Zi­vil­ge­sell­schaft gibt – er ist mit den Stän­den von Ver­ei­nen, Schu­len oder der Feu­er­wehr ein Ge­gen­pol zu den Kli­schees über die­sen Stadt­teil.“Der Hal­ler-Platz, sonst be­kannt für die Pro­ble­me in der Dro­gen- und Al­ko­hol­sze­ne, zeigt sich von ei­ner ganz an­de­ren Sei­te. Das kommt gut an: „Hier ist es auch nicht so voll und es gibt vie­le Ak­tio­nen für Kin­der“, fin­det Ol­ga Wir­fel, de­ren Toch­ter Vic­to­ria ge­ra­de ei­nen ro­sa Sche­ren­schnitts­tern am Stand ih­rer Schu­le ge­bas­telt hat, „in der Stadt ha­ben die kei­nen Spaß.“

Et­was su­chen müs­sen die Klei­nen sich den Spaß im Win­ter­land an der Ci­ty-Ga­le­rie. Wäh­rend die Er­wach­se­nen vor al­lem Ein­kaufs­tü­ten vor­bei schlep­pen, hat ei­ne Hand­voll mit bun­ten Bal­lons die feuch­te Kun­steis­flä­che für sich ent­deckt und patscht gut ge­launt dar­auf her­um.

„Die Leu­te kom­men nach dem Ein­kau­fen oder vor dem Ki­no vor­bei oder halt die Par­ty-Peop­le, wenn in der Hüt­te et­was los ist“, er­zählt Tho­mas Pit­tel. Der Wirt­schafts­in­for­ma­tik-Stu­dent ver­kauft hier Maul­ta­schen, mag selbst al­ler­dings am liebs­ten den hal­ben Me­ter Feu­er­teu­fel-Brat­wurst auf dem gro­ßen Christ­kind­les­markt, „ob­wohl ich da als Kind im­mer vor Ro­si­ne Le­cker­maul Angst hat­te.“Ei­ne Por­ti­on Maul­ta­schen reicht er ge­ra­de an Clau­dia Duss­ler, die sich hier mit ei­ner Freun­din ver­ab­re­det hat: „Ich bin zum ers­ten mal hier, wir ge­hen sonst lie­ber auf die klei­nen Weih­nachts­märk­te au­ßer­halb Augs­burgs. Aber die La­ge ist prak­tisch und mit der Live­mu­sik ist es auch recht hübsch hier.“

Kei­ne Mu­sik, da­für Am­bi­en­te pur gibt es auf dem Weih­nachts­markt im Hand­wer­ker­hof in der Spi- tal­gas­se, dem his­to­ri­schen Markt: Das von Fa­ckeln be­leuch­te­te En­sem­ble hat auch Chris­ti­ne und Leo­nie Schön­ber­ger an­ge­zo­gen, die hier in ei­nen Mut­ter-Toch­ter-Abend star­ten. „Ei­gent­lich woll­ten wir auf den Rat­haus­platz, aber dann hat mei­ne Mut­ter zu­fäl­lig die­sen Markt ent­deckt. Das ist toll, weil es hier so schön ru­hig ist und es ein­fach ein paar an­de­re Sa­chen an den Stän­den an­zu­schau­en und zu kau­fen gibt.“Schmuck, Ba­by­schu­he und Räu­cher­stäb­chen las­sen die bei­den aber ste­hen – sie wol­len noch ei­ne Brat­wurst es­sen und ei­ne „nicht so sü­ße“Al­ter­na­ti­ve zu Glüh­wein fin­den, be­vor sie sich ein Kon­zert für Kla­vier und Schlag­werk am Leo­pold-Mo­zart-Zen­trum an­hö­ren, wo Leo­nie stu­diert.

Statt Schlag­werk Blech­blä­ser satt gibt es beim Markt des Baye­ri­schen Ro­ten Kreu­zes in der Al­ten Sil­ber

schmie­de. Ei­ne Grup­pe Kin­der mit bun­ten Strick­müt­zen hört zu und schna­bu­liert an Punsch-Tas­sen: „Ma­ma, noch ei­nen, der ist so leZwer­ge cker!“Der sie­ben­jäh­ri­ge Max-Lud­wig Schmidt hat ganz be­son­de­re Freun­de da­bei: „Wir ha­ben uns in Ita­li­en am Strand beim Fuß­ball­spie­len ken­nen­ge­lernt!“Jetzt sind Ca­mil­lo, Emi­lia­na und Va­len­ti­na ex­tra vom Gar­da­see mit ih­rer Mut­ter Sas­kia En­gel­hardt an­ge­reist und Ma­xLud­wigs Ma­ma Son­ja Schmidt hat be­wusst die­sen Markt für den ge­mein­sa­men Bum­mel aus­ge­wählt: „Es ist schön hier und es gibt ge­nau­so Würst­chen und Punsch wie über­all – war­um al­so nicht das Ro­te Kreuz un­ter­stüt­zen?!“Die am Gar­da­see ver­hei­ra­te­te Münch­ne­rin En­gel­hardt schwärmt, „wie weih­nacht­lich es hier ist! Auch bei uns in Nord­ita­li­en gibt es im­mer mehr Weih­nachts­märk­te und sie ha­ben gro­ßen Zu­lauf, aber sie sind nicht wie die­ser hier.“

In St. An­na in der Fuß­gän­ger­zo­ne sind man­che Stän­de mit un­ge­wöhn­li­chen und hoch­wer­ti­gen Pro­duk­ten schon seit der Lan­gen Ein­kaufs­nacht am Frei­tag­abend kom­plett leer­ge­kauft; der Ba­zar war nur am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de. Nun war­ten noch Schau­kel-Ele­fan­ten, No­ten-Pas­ta oder Mar­me­la­de auf Be­su­cher, und Sabine Ba­bel und Dorthe Te-ßarek mit Sohn Se­bas­ti­an ba­cken Waf­feln. Der Zehn­jäh­ri­ge „mag den Markt, weil wir zur An­na-Ge­mein­de ge­hö­ren und ich auch in der Kir­che schon bei ver­schie­de­nen Weih­nachts­spie­len mit­ma­chen durf­te. Auch vie­le Be­su­cher kom­men nicht nur we­gen dem Markt, son­dern um auch die Kir­che an­zu­schau­en.“

Das ha­ben auch Han­na Dun­ker und Li­sa Schemm ge­tan, nun be­su­chen sie die Weih­nachts­in­sel am Zeug­haus. Als Nürn­ber­ge­rin­nen sind sie so­zu­sa­gen Weih­nachts­markt-Ex­per­tin­nen. Den Nürn­ber­ger Christ­kind­les­markt fin­den die Lehr­amts-Stu­den­tin­nen al­ler­dings eben­so zu groß und zu kom­mer­zi­ell wie den Augs­bur­ger auf dem Rat­haus­platz. Aber hier ge­fällt es ih­nen: „Der Kunst­hand­werks­markt ist ge­müt­li­cher und ein­fach an­ders, al­lei­ne schon das Es­sen.“

Fo­tos: Bernd Hoh­len

Der Kreuz­gang von St. An­na ge­hört si­cher zu den un­ge­wöhn­lichs­ten Or­ten für ei­nen Ad­vents­ba­sar. Doch die An­ge­bo­te ka­men so gut an, dass man­ches schon am Frei­tag­abend weg war.

Die Kin­der der Fa­mi­lie Sto­ja­no­vic, Ana­st­a­si­ja und Dra­gan, hat­ten ih­ren Spaß beim Plät­zen­ba­cken vor dem Ober­hau­se­ner Bahn­hof.

Ein ge­müt­li­cher Ort im Ad­vent: der Weih­nachts­markt in der Al­ten Sil­ber­schmie­de in der Alt­stadt.

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