So läuft das Un­ter­neh­men Christ­kind­les­markt

Wirt­schaft Rund 500 Men­schen ar­bei­ten noch bis Hei­lig­abend auf dem Rat­haus­platz. Schau­stel­ler und rei­sen­de Händ­ler über­brü­cken dort den Win­ter. Doch auch an­de­re Ge­schäf­te ent­de­cken die gro­ße Bu­den­stadt ganz neu für sich

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg - VON JÖRG HEINZLE

Der Ar­beits­platz von Ka­ro­li­ne Die­bold, 29, ist nor­ma­ler­wei­se wild und laut. Die Schau­stel­le­rin be­treibt den „Break Dan­ce“, ein ra­san­tes Ka­rus­sell. Mit ih­rem Fahr­ge­schäft, ih­rem Part­ner und dem jetzt drei Jah­re al­ten Sohn reist sie von Os­tern bis in den Spät­herbst über die Volks­fest­plät­ze. In den nächs­ten Wo­chen ar­bei­tet sie je­den Tag in ih­rer Hei­mat­stadt Augs­burg. Sie steht auf dem Rat­haus­platz im „Augs­bur­ger Feu­er­st­üb­le“, ih­rem Glüh­wein­stand.

Der Augs­bur­ger Christ­kind­les­markt ist für vie­le Schau­stel­ler aus der Re­gi­on qua­si über­le­bens­wich­tig. So sieht es auch Ka­ro­li­ne Die­bold. „Die Volks­fes­te sind ein Sai­son­ge­schäft“, sagt sie. „Oh­ne den Christ­kind­les­markt wä­re es deut­lich schwie­ri­ger, die Win­ter­pau­se zu über­brü­cken.“Für die jun­ge Frau, die ei­ner tra­di­ti­ons­rei­chen Augs­bur­ger Schau­stel­ler­fa­mi­lie ent­stammt, ist das Ge­schäft im Ad­vent al­ler­dings kei­ne läs­ti­ge Pflicht. Sie ge­nießt den Ge­gen­satz. Sie muss jetzt nicht vom Steu­er­pult aus den Fahr­gäs­ten mit lo­cke­ren Sprü­chen und lau­ter Mu­sik ein­hei­zen. Sie kann auf dem Mark zwi­schen­durch mit Be­su­chern plau­dern und freut sich, wenn Stamm­gäs­te den Stand be­su­chen.

Der Christ­kind­les­markt ist fünf Wo­chen lang ein ei­ge­nes klei­nes Un­ter­neh­men in der Stadt. Ei­ne ge­naue Zahl, wie vie­le Men­schen hier in der Vor­weih­nachts­zeit ihr Geld ver­die­nen, gibt es nicht. Markt­amts­lei­ter Wer­ner Kauf­mann geht da­von aus, dass an den Stän­den gut 500 Mit­ar­bei­ter tä­tig sind. Dass man auf dem Augs­bur­ger Markt gu­te Ge­schäf­te ma­chen kann, zeigt die ho­he Zahl von Be­wer­bern, die ei­nen Stand auf dem Rat­haus­platz und in den an­gren­zen­den Stra­ßen er­gat­tern wol­len. 350 bis 400 Kan­di­da­ten gibt es je­des Jahr, nur rund 130 Be­wer­ber – al­so et­wa je­der Drit­te – kom­men am En­de zum Zug.

Erst­mals hat es Ste­fa­nie Dem­mer ge­schafft, ih­re Wa­ren in ei­ner der Bu­den auf dem Rat­haus­platz an­bie­ten zu dür­fen. Sie hat vor ei­ni­gen Jah­ren da­mit be­gon­nen, zu nä­hen und die Pro­duk­te zu ver­kau­fen. Es wur­de ei­ne Er­folgs­ge­schich­te: Sie be­treibt in­zwi­schen ei­ne ei­ge­ne Ma­nu­fak­tur in der Alt­stadt. Ih­re Müt­zen, Ta­schen, Lam­pen & Co. ver­treibt sie im In­ter­net, auf den Augs­bur­ger Dul­ten und jetzt auch auf dem Christ­kind­les­markt.

Es sei ein Trend, dass Augs­bur­ger Ge­schäf­te sich auch für ei­nen Stand auf dem Weih­nachts­markt be­wer­ben, sagt Amts­lei­ter Wer­ner Kauf­mann. Die Zahl der „klas­si­schen“Markt­kauf­leu­te, die das Jahr über von Markt zu Markt rei­sen, ge­he da­ge­gen zu­rück. Im­mer wie­der ge­ben Markt­be­schi­cker auf, weil sich das Ge­schäft als rei­sen­der Händ­ler für sie nicht mehr lohnt. Bis­her sei es aber im­mer ge­lun­gen, Lü­cken wie­der mit ei­nem hoch­wer­ti­gen neu­en An­ge­bot zu fül­len, sagt Wüst, der bei der Stadt für die Or­ga­ni­sa­ti­on des Christ­kind­les­mark­tes zu­stän­dig ist. Das An­ge­bot ver­än­dert sich al­ler­dings. Gu­te Ge­schäf­te kön­ne man heu­te mit be­son­de­ren, hoch­wer­ti­gen Wa­ren ma­chen. An­de­re Pro­duk­te da­ge­gen ver­schwin­den: Ein Spiel­wa­ren­stand et­wa, der vie­le Jah­re in der Nä­he des Au­gus­tus­brun­nens stand, hat auf­ge­ge­ben. Der Händ­ler be­treibt jetzt ei­nen Glüh­wein­stand am Mo­ritz­platz. Kin­der­ge­schen­ke kau­fen die meis­ten heu­te in gro­ßen Fach­märk­ten – oder gleich im In­ter­net.

Uwe Meeß ver­kauft im „Ster­nen­weg“auf dem Rat­haus­platz Ke­ra­mik­wa­ren. Mit Glüh­wein und Brat­würs­ten ma­che man zwar bes­se­re Ge­schäf­te, meint er. Für ihn loh­ne sich der Stand aber den­noch. Er ist eben­falls Schau­stel­ler und froh über die­se Ein­nah­me­quel­le im Win­ter. Mit­ar­bei­ter könn­te er al­ler­dings nicht be­zah­len vom Um­satz auf dem Markt. Des­halb steht er al­lein in dem Stand – je­den Tag bis Hei­lig­abend, bis zu zwölf St­un­den am Tag. Bei küh­len Tem­pe­ra­tu­ren oder Schmud­del­wet­ter ist das auch kör­per­lich ein an­stren­gen­der Job.

Die ers­ten Ta­ge auf dem Christ­kind­les­markt lie­fen noch et­was schlep­pend an, ist von den Händ­lern zu hö­ren. Ins­ge­samt aber be­wegt sich der Markt seit Jah­ren auf ei­nem ho­hen Ni­veau. Von rund ei­ner Mil­li­on Be­su­chern ist die Re­de. Es ist ei­ne Zahl, die nur ge­schätzt wer­den kann. Die Zahl der Rei­se­bus­se, die den Markt an­steu­ern, geht al­ler­dings ein­deu­tig nach oben. 2005 waF­ried­rich ren es nur rund 120 Bus­se, die in der Ad­vents­zeit zum Markt ka­men. Im vo­ri­gen Jahr wa­ren es be­reits 1200 Bus­se, zu­neh­mend mit in­ter­na­tio­na­len Gäs­ten. Das ist ei­ne Ver­zehn­fa­chung in nur zehn Jah­ren.

Dass der Augs­bur­ger Markt gut da­steht, zeigt auch der Ver­gleich mit dem welt­weit be­kann­ten Nürn­ber­ger Christ­kind­les­markt. Ein Ge­trän­ke­lie­fe­rant, der auf bei­den Märk­ten Kun­den be­lie­fert, er­zähl­te die­ser Ta­ge beim Be­such in Augs­burg, dass die Um­sät­ze in Nürn­berg zu­letzt ge­sun­ken sei­en. In Augs­burg da­ge­gen ging es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren berg­auf.

»Über­blick

Ei­nen Streif­zug über an­de­re Märk­te und Basa­re in der Stadt le­sen Sie auf

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