Der St­a­chel im Fleisch der CSU

Ju­bi­lä­um Jun­ge Uni­on Augs­burg-Land fei­ert 60-jäh­ri­ges Be­ste­hen. Ne­ben Glück­wün­schen gibt es Auf­trä­ge für die Zu­kunft

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Neusäß, Stadtbergen Und Umgebung - VON SANDRA LIERMANN

Neu­säß

Gu­te Wün­sche gibt es ei­gent­lich zu je­dem 60. Ge­burts­tag. Den Rat­schlag, auch in Zu­kunft frech zu sein und ge­gen den Strom zu ar­bei­ten, wer­den Ju­bi­la­re wohl eher sel­ten hö­ren. Nicht so beim 60. Ju­bi­lä­um des Kreis­ver­bands Augs­burg-Land der Jun­gen Uni­on (JU). Denn ge­nau das wünsch­te Max Streh­le, ehe­ma­li­ger CSU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter, der Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on am Sams­tag­abend im Neu­säs­ser Au­to­haus Dr­exl und Zieg­ler. Er rich­te­te den Ap­pell an Kreis­vor­sit­zen­den Lud­wig Lenz­gei­ger, „auch in Zu­kunft kri­tisch zu blei­ben, ge­gen den Strom zu ar­bei­ten, euch zu rei­ben, frech zu sein.“Denn die­ses Ver­hal­ten sei „frucht­bar“für die Par­tei. Gro­ße Tei­le der CSU-Pro­mi­nenz aus dem Land­kreis ta­ten ih­re ers­ten po­li­ti­schen Schrit­te in der Jun­gen Uni­on: Ne­ben Max Streh­le wa­ren auch Land­rat Martin Sai­ler und der ehe­ma­li­ge Bun­des­tags­vi­ze­prä­si­dent Edu­ard Os­wald Kreis­vor­sit­zen­de der JU. Der am­tie­ren­de Vor­sit­zen­de der CSU Schwa­ben, Mar­kus Ferber, war meh­re­re Jah­re lang Vor­sit­zen­der des schwä­bi­schen Ver­bands.

Nur ein Jahr nach ih­rer Grün­dung im Jahr 1956 un­ter­stütz­te die Jun­ge Uni­on die CDU/CSU bei der Bun­des­tags­wahl: In zahl­rei­chen Städ­ten und Ge­mein­den or­ga­ni­sier­te die JU Vor­trä­ge zum The­ma „Frei­heit und Si­cher­heit für Deutsch­land“. In­fol­ge­des­sen er­hiel­ten Kon­rad Ade­nau­er und die Uni­ons­par­tei­en mehr als 50 Pro­zent der Stim­men und da­mit – bis­her ein­ma­lig – die ab­so­lu­te Mehr­heit auf Bun­des­ebe­ne.

Ne­ben Glück­wün­schen zum 60-jäh­ri­gen Be­ste­hen hat­ten die ge­la­de­nen Gäs­te ganz kon­kre­te For­de­run­gen an die JU-Mit­glie­der. So auch Edu­ard Os­wald. Der ehe­ma­li­ge Bun­des­tag­vi­ze­prä­si­dent gab in An­spie­lung auf die rechts­po­pu­lis­ti­sche Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) den Auf­trag: „Ich bin in Sor­ge um die Par­tei­en­land­schaft. Die De­mo­kra­tie ist nur sta­bil, wenn es ge­nü­gend De­mo­kra­ten gibt. Kämpft täg­lich für un­se­re De­mo­kra­tie.“Dass die CSU-Po­li­ti­ker durch­aus auch an Kri­tik aus Rei­hen ih­rer Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on in­ter­es­siert sind, brach­te Mar­kus Ferber auf den Punkt. Der Vor­sit­zen­de der CSU Schwa­ben er­klär­te vor den rund 100 Gäs­ten: „Die Jun­ge Uni­on ist der St­a­chel im Fleisch der CSU.“Er for­der­te die Mit­glie­der auf, auch in Zu­kunft neue Ide­en und The­men auf­zu­grei­fen und vor­an­zu­trei­ben.

Ide­en, wel­che Punk­te die CSU in Zu­kunft an­spre­chen oder wei­ter ver­fol­gen soll­te, gab es zahl­rei­che. Kreis­vor­sit­zen­der Lud­wig Lenz­gei­ger nann­te die Ren­ten­plä­ne als The­ma, bei dem die Jun­ge Uni­on der Par­tei ge­gen­über „Mah­ner und Er­in­ne­rer“blei­ben soll­te. Zwar zeig­te er sich mit der ak­tu­el­len Ein­stel­lung der CSU zu­frie­den und lob­te See­ho­fers Kri­tik an den Ren­ten­plä­nen der Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les. Den­noch sag­te er: „Die JU muss auf­pas­sen, dass das auch in Zu­kunft so bleibt.“Auch die Ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit ist ein The­ma, das den JU-Mit­glie­dern am Her­zen liegt. Li­sa Lam­precht, seit sie­ben Jah­ren JU-Mit­glied, sag­te: „Die Jun­ge Uni­on hat jah­re­lang für die schwar­ze Null im baye­ri­schen Haus­halt ge­ar­bei­tet. Jetzt end­lich wur­de es um­ge­setzt.“Dass die­ser Sta­tus quo auch in Zu­kunft bei­be­hal­ten wer­de, dar­auf sol­le die Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on po­chen. „Schließ­lich müs­sen wir als Nach­wuchs es sonst zu­rück­zah­len.“

Noch kri­ti­scher äu­ßer­te sich ein jun­ger Mann aus dem Pu­bli­kum auf Nach­fra­ge. Der 22-Jäh­ri­ge for­dert von der CSU ein Um­den­ken in Sa­chen Ehe für al­le. Er sag­te: „Bis­her gab es von der Par­tei haupt­säch­lich kri­ti­sche Äu­ße­run­gen zur so­ge­nann­ten Ho­mo-Ehe. Ich den­ke, die CSU soll­te da aber mit der Zeit ge­hen.“

Lud­wig Lenz­gei­ger

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