Abt Hya­zinth Gaß­ner war der Pla­ner der Wies­kir­che

Rück­blick Der ge­bür­ti­ge Balz­hau­ser ver­han­del­te mit Bau­meis­ter Do­mi­ni­kus Zim­mer­mann, der vor 250 Jah­ren starb

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Die Stauden Und Ihre Nachbarn - VON LUD­WIG GSCHWIND

Balz­hau­sen

Al­lent­hal­ben lobt man in die­sen Ta­gen den Bau­meis­ter und Stucka­teur Do­mi­ni­kus Zim­mer­mann aus An­lass sei­nes 250. To­des­ta­ges. Er war ei­ner der gro­ßen Künst­ler des Ba­rock. Man darf da­bei frei­lich nicht die För­de­rer ver­ges­sen, die die­se herr­li­chen Bau­wer­ke erst er­mög­licht ha­ben. Es wa­ren die Bi­schö­fe und Klös­ter. Es wa­ren Wall­fah­rer und Bru­der­schaf­ten. Das blü­hen­de re­li­giö­se Le­ben der ka­tho­li­schen Er­neue­rung nach dem Kon­zil von Tri­ent spielt hier ei­ne be­deu­ten­de Rol­le. Die Wies­kir­che, die in­zwi­schen zum Welt­kul­tur­er­be zählt, gilt als Hö­he­punkt im Schaf­fen des Do­mi­ni­kus Zim­mer­mann.

Aus­ge­löst wur­de der Kir­chen­bau durch das Trä­nen­wun­der vom 14. Ju­ni 1738. Der Ge­gei­ßel­te Hei­land, der in der Stu­be der Wies­bäue­rin Ma­ria Lo­ry stand, hat­te Trä­nen ver­gos­sen. Es han­del­te sich um ei­ne we­nig an­sehn­li­che Fi­gur, die man für die Kar­frei­tags­pro­zes­si­on 1730 ge­bas­telt hat­te. Schon zwei Jah­re spä­ter nahm man sie nicht mehr mit. Schließ­lich kam der Ge­gei­ßel­te Hei­land zur Wies­bäue­rin, die ihn schätz­te und ver­ehr­te. Um­so mehr be­weg­ten sie die Trä­nen des Hei­lands. Noch am Sonn­tag mach­te sie Abt Hya­zinth Gaß­ner Mit­tei­lung von dem wun­der­ba­ren Ge­sche­hen. Der Abt bat sie, Still­schwei­gen zu be­wah­ren, bis das Er­eig­nis ge­prüft sei. Aber be­reits am Sonn­tag­mit­tag wuss­te es ganz St­ein­ga­den, es ver­brei­te­te sich wie ein Lauf­feu­er in der gan­zen Ge­gend. Die Leu­te ka­men in Scha­ren. Der Abt sah sich ge­nö­tigt, ei­ne Ka­pel­le zu bau­en. Pil­ger bis von Un­garn ka­men, aus Ös­ter­reich und der Schweiz. Ein Prinz aus dem Hau­se Schön­born fei­er­te sei­ne Pri­miz auf frei­em Feld beim Ge­gei­ßel­ten Hei­land.

Der aus Balz­hau­sen stam­men­de Abt stand dem Pil­ger­strom fast hilf­los ge­gen­über. Got­tes­diens­te wur­den im Frei­en ge­hal­ten. Vie­le woll­ten beich­ten. Der Bau ei­ner Kir­che wur­de im­mer dring­li­cher. Abt Hya­zinth, der im­mer al­les sorg­fäl­tig plan­te, war da­bei, die Klos­ter­kir­che in St­ein­ga­den aus An­lass ei­nes Ju­bi­lä­ums zu ba­ro­cki­sie­ren. Das Geld da­für war vor­han­den. Er hat­te die gan­zen Jah­re klug ge­wirt­schaf­tet, aber ei­ne Wall­fahrts­kir­che zu bau­en warf al­le Plä­ne über den Hau­fen. Ge­wiss, die Spen­den flos­sen reich­lich, aber wür­de ein sol­ches Pro­jekt die Ab­tei nicht über­for­dern? Sei­ne Mit­brü­der, die Prä­mons­tra­ten­ser von St­ein­ga­den, mein­ten, man dür­fe den Kir­chen­bau nicht auf­schie­ben. Mit dem in Lands­berg le­ben­den Bau­meis­ter und Stucka­teur wür­de man be­stimmt ei­ne schö­ne Kir­che be­kom­men. Abt Hya­zinth führ­te ers­te Ge­sprä­che. Es ent­stan­den Plä­ne. Ein theo­lo­gi­sches Pro­gramm wur­de ent­wi­ckelt. Die Kos­ten­vor­an­schlä­ge be­weg­ten sich in ei­nem über­schau­ba­ren Rah­men. Man wuss­te zwar, dass Do­mi­ni­kus Zim­mer­mann die Kos­ten­vor­an­schlä­ge im­mer über­schritt und die Fer­tig­stel­lung auf sich war­ten ließ, trotz­dem er­teil­te der Abt in Ab­spra­che mit sei­nem Kon­vent den Auf­trag. Man be­gann so­fort zu bau­en. Noch war we­der ei­ne Ge­neh­mi­gung vom baye­ri­schen Kur­fürs­ten vor­han­den noch ei­ne Er­laub­nis vom Fürst­bi­schöf­li­chen Or­di­na­ri­at in Augs­burg. Als die Mahn­brie­fe ein­tra­fen, lag Abt Hya­zinth be­reits im Ster­ben. Am 28. März 1745 starb er im Al­ter von 53 Jah­ren. Die Auf­re­gun­gen der letz­ten Jah­re hat­ten ihn wohl mehr be­las­tet, als er wahr­ha­ben woll­te.

Abt Hya­zinth Gaß­ner ist als Pla­ner der Wies­kir­che in die Ge­schich­te ein­ge­gan­gen. Er hat es Do­mi­ni­kus Zim­mer­mann er­mög­licht, sei­nen Traum von ei­ner Kir­che zu ver­wirk­li­chen, die mit dem Licht ge­baut ist, beim Gna­den­al­tar aber den Ge­gei­ßel­ten Hei­land in ein mys­ti­sches Dun­kel hüllt.

Fo­to: Samm­lung Gschwind

Beim Por­trät von Abt Hya­zinth Gaß­ner han­delt es sich um ei­ne Ko­pie, die Res tau­ra­tor Franz Ku­gel­mann ge­malt hat.

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