Te­le­kom Aus­fall trifft 900000 Kun­den

Tech­nik Kon­zern und Bun­des­amt ge­hen von ei­nem Ha­cker­an­griff aus. Kun­den in ganz Deutsch­land sind oh­ne Te­le­fon und In­ter­net

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Wirtschaft - VON ARIANE ATTRODT

Kein In­ter­net, kein Te­le­fon, kein Fern­se­hen: Vie­le Kun­den der Deut­schen Te­le­kom hat­ten seit Sonn­tag­nach­mit­tag mit er­heb­li­chen Stö­run­gen zu kämp­fen. Rund 900 000 Rou­ter in ganz Deutsch­land wa­ren nach Un­ter­neh­mens­an­ga­ben be­trof­fen. Die Ge­rä­te die­nen der Ein­wahl ins Netz der Te­le­kom und er­mög­li­chen da­mit Te­le­fo­nie, In­ter­net­zu­gang so­wie den On­line-Fern­seh­emp­fang. Sol­che groß­flä­chi­gen Aus­fäl­le sind ei­ne Sel­ten­heit, in den meis­ten Fäl­len sind nur klei­ne­re Ge­bie­te be­trof­fen. Doch wo­her ka­men die Stö­run­gen und wie ver­such­te die Te­le­kom, da­ge­gen vor­zu­ge­hen? Wir be­ant­wor­ten die wich­tigs­ten Fra­gen zum The­ma.

Wer war be­trof­fen?

Rund 900000 der über 20 Mil­lio­nen Fest­netz-Kun­den in Deutsch­land hat­ten seit Sonn­tag­nach­mit­tag mit Ein­schrän­kun­gen zu kämp­fen. Das Pro­blem war da­bei nicht das Netz der Te­le­kom, das lief nach Un­ter­neh­mens­an­ga­ben „stö­rungs­frei“. Statt­des­sen sei­en be­stimm­te Rou­ter das Pro­blem ge­we­sen. Wel­che Mo­del­le genau be­trof­fen wa­ren, wur­de nach An­ga­ben der Te­le­kom auch am Mon­tag noch ge­prüft. War­um das so lan­ge dau­ert? Bernd Theiss, Lei­ter des Res­sorts Test und Tech­nik beim Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons-Ma­ga­zin con­nect, nennt die „schie­re An­zahl an ein­zel­nen Mo­del­len“als ei­nen der mög­li­chen Grün­de hier­für.

Wenn nicht klar war, wel­che Mo­del­le be­trof­fen wa­ren – wie kam man auf die Ge­samt­zahl von 900 000?

Das ist ei­gent­lich recht ein­fach: Im Sys­tem kön­ne man nach­ver­fol­gen, wie vie­le Kun­den be­zie­hungs­wei­se Rou­ter on­line sind, er­klärt Theiss. Da Rou­ter nor­ma­ler­wei­se im­mer mit dem In­ter­net ver­bun­den sind, kann man die­se Zahl dann di­rekt mit der An­zahl der Ge­samt­kun­den ab­glei­chen.

Wie äu­ßer­ten sich die Stö­run­gen?

Nach An­ga­ben der Te­le­kom gab es „kein kla­res Feh­ler­bild“. Wäh­rend bei man­chen Kun­den die Qua­li­tät sehr schwank­te oder im­mer wie­der Ein­schrän­kun­gen ein­tra­ten, ging bei an­de­ren gar nichts mehr.

War­um funk­tio­nier­ten die Rou­ter nicht?

Bernd Theiss vom Ma­ga­zin con­nect sagt: „Es han­delt sich of­fen­sicht­lich um ei­nen Au­then­ti­fi­zie­rungs­feh­ler.“Das be­deu­tet, dass sich ein Rou­ter nicht ins Netz ein­wäh­len kann, weil er nicht als recht­mä­ßi­ger Nut­zer er­kannt wird. Wenn zu­dem vie­le Rou­ter aus ir­gend­ei­nem Grund das Netz ver­las­sen und zeit­gleich ver­su­chen, sich wie­der ein­zu­wäh­len, kann es auch zu ei­ner Über­las­tung des Ser­vers kom­men.

War ein Ha­cker-An­griff die Ur­sa­che für die Stö­run­gen?

Die Te­le­kom hat es schon ver­mu­tet, in­zwi­schen ver­dich­te­ten sich die Hin­wei­se dar­auf. Am Mon­tag­nach­mit­tag mel­de­te das Bun­des­amt für Si­cher­heit in der In­for­ma­ti­ons­tech­nik (BSI), der Aus­fall sei Fol­ge ei­nes welt­wei­ten An­griffs „auf aus­ge­wähl­te Fern­ver­wal­tungs­ports von DSLRou­tern“. Ziel sei ge­we­sen, „die an­ge­grif­fe­nen Ge­rä­te mit Schad­soft­ware zu in­fi­zie­ren“. Die Atta­cken sei­en auch in dem vom BSI selbst ge­schütz­ten Re­gie­rungs­netz merk­bar ge­we­sen, hieß es. War­um bei ei­nem welt­wei­ten An­griff vor al­lem die Te­le­kom für Schlag­zei­len sorg­te, blieb zu­nächst un­klar.

Wel­che Re­gio­nen wa­ren in Deutsch­land be­son­ders be­trof­fen?

Die Be­ein­träch­ti­gun­gen wa­ren ein bun­des­wei­tes Pro­blem und ha­ben kei­nen lo­ka­len Schwer­punkt. Man­che Me­di­en be­rich­te­ten, dass Bal­lungs­ge­bie­te be­son­ders be­trof­fen sei­en. Dass sich die Be­ein­träch­ti­gun­gen in Bal­lungs­ge­bie­ten häu­fen, er­ge­be sich aus der „Be­völ­ke­rungs­ver­tei­lung“, hieß da­zu von der Te­le­kom. Kurz ge­sagt: Wo mehr Men­schen woh­nen, gibt es mehr Rou­ter und des­halb auch ei­ne hö­he­re Wahr­schein­lich­keit für Stö­run­gen.

Wie ver­such­te die Te­le­kom, ge­gen die Stö­run­gen vor­zu­ge­hen?

Am frü­hen Mon­tag­mor­gen sei ei­ne neue Soft­ware ins Te­le­kom-Netz ein­ge­speist wor­den, die den Feh­ler be­he­ben soll. Das Un­ter­neh­men teil­te mit, dass es ei­ne „deut­li­che Ver­bes­se­rung der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on“ge­be. Am Nach­mit­tag si­cher­te der Kon­zern al­len be­trof­fe­nen Kun­den, die auch ei­nen Mo­bil­funk­ver­trag bei der Te­le­kom ha­ben, ei­nen kos­ten­lo­sen so­ge­nann­ten „DayFlat-Pass“zu, um ih­re In­ter­net-An­wen­dun­gen über das mo­bi­le In­ter­net ab­zu­wi­ckeln. Al­le Kun­den, die ei­nen an­de­ren Mo­bil­funk­an­bie­ter ha­ben, wur­den ge­be­ten, in den nächs­ten Te­le­kom-Shop zu ge­hen. Am spä­ten Mon­tag­nach­mit­tag teil­te der Kon­zern schließ­lich mit, dass die Stö­run­gen der Rou­ter durch ein neu­es Soft­ware-Up­date neu­tra­li­sier­bar sei­en.

Was kann ich als Kun­de tun, um das Up­date zu be­kom­men?

Um das Up­date zu ak­ti­vie­ren, müs­sen Kun­den ih­ren Rou­ter laut Te­le­kom 30 Se­kun­den vom Strom neh­men. Wird er dann wie­der an­ge­schal­tet, la­de sich das Ge­rät au­to­ma­tisch die neue Soft­ware. Al­ter­na­tiv kann das Up­date auch über die In­ter­net­sei­te www.te­le­kom.de/stoerung her­un­ter­ge­la­den und ma­nu­ell auf­ge­spielt wer­den. Auch hier ist laut Te­le­kom ei­ne Strom­los­schal­tung not­wen­dig.

Fo­to: dpa

Über den Rou­ter wäh­len sich Kun­den ins In­ter­net ein. Ges­tern ging für vie­le Te­le kom Kun­den nichts mehr.

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