Ab­sa­ge an neue Ton­nen und Sä­cke

Ent­sor­gung Der Con­tai­ner in Oran­ge ist ab­ge­wehrt. Der Land­kreis will auch kei­ne ei­ge­nen Be­häl­ter für Win­deln oder Laub

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburger Land - VON PITT SCHURIAN

Bo­bin­gen/Land­kreis Augs­burg

Es sind selt­sa­me Bräu­che, die Zu­züg­ler bei der Müll­tren­nung im Augs­bur­ger Land be­ob­ach­ten. Aus­län­der wun­dern sich, war­um deut­sche Nach­barn of­fen­bar ei­ne Welt­meis­ter­schaft im Ab­fall­sor­tie­ren be­trei­ben. Neu­bür­ger aus an­de­ren Bun­des­län­dern stau­nen, wie rück­stän­dig die Bay­ern doch sei­en: gel­be Sä­cke im­mer­hin, aber kei­ne Sä­cke für Win­deln und kei­ne für Laub. Ent­spre­chen­de Hin­wei­se auf Op­ti­mie­rungs­po­ten­zi­al schaff­ten es jetzt in den Wer­k­aus­schuss des Land­krei­ses. Die An­re­gun­gen wur­den ab­ge­wie­sen, zu sa­gen gibt es da­zu je­doch noch Ei­ni­ges.

Zu­nächst ist der Land­kreis froh, dass die Kom­mu­nen beim neu­en Ver­pa­ckungs­ge­setz glimpf­lich da­von­kom­men. Gün­ther Pre­s­te­le hät­te als Chef des Ab­fall­wirt­schafts­be­triebs kras­se Fol­gen ge­se­hen, wenn er den Bür­gern nach der Blau­en Alt­pa­pier-, der Brau­nen Bio- und der Grau­en Rest­müll­ton­ne auch noch ei­nen oran­ge­far­be­nen Roll­con­tai­ner vor die Haus­tü­re hät­te stel­len müs­sen. Er ist si­cher: Solch ein Sam­mel­be­häl­ter für re­cy­cling­fä­hi­ge Kunst­stof­fe und Me­tal­le wür­de die Wie­der­ver­wer­tung nicht stär­ken, son­dern das dich­te Netz an Wert­stoff­hö­fen im Augs­bur­ger Land wirt­schaft­lich ge­fähr­den und da­mit die Ver­wer­tungs­quo­te eher sen­ken. Qua­si in letz­ter Mi­nu­te hat­te der Bun­des­tag ver­gan­ge­ne Wo­che die Ge­set­zes­vor­la­ge prak­ti­ka­bler ge­macht – im Sin­ne der Kom­mu­nen.

Es blei­ben aber zwei Zie­le: Mehr­weg­ver­pa­ckun­gen zu för­dern und die Re­cy­cling­quo­te zu er­hö­hen. We­ni­ger Rest­müll soll in der Ver­bren­nung lan­den. Die Fol­gen für den Bür­ger? „Der wird ab 2019 im Su­per­markt bes­ser Mehr­weg-, Re­cy­cling- und Ein­weg­ver­pa­ckung un­ter­schei­den kön­nen“, sagt Pre­s­te­le. Die op­ti­sche Kenn­zeich­nung müs­se näm­lich deut­li­cher wer­den. Die Zu­nah­me der Neu­ver­wer­tung von Ab­fäl­len ist hin­ge­gen ei­ne Her­aus­for­de­rung für die Er­fas­sungs­we­ge und die Sor­tier­an­la­gen. Da­zu pas­sen drei An­trä­ge von Kreis­rä­ten im Wer­k­aus­schuss des Land­krei­ses. So hat­te Bür­ger­meis­ter Bernd Mül­ler schon vor ei­ni­ger Zeit die An­re­gung von Neu­bür­gern aus Bo­bin­gen zur Prü­fung ein­ge­reicht, ne­ben dem Gel­ben Sack auch ei­nen kos­ten­lo­sen Sack für Win­deln ein­zu­füh­ren. Das schei­ter­te am Wort „kos­ten­los“. Denn, so er­gab die Prü­fung, es sei rich­ter­lich ent­schie­den, dass mit all­ge­mei­nen Müll­ge­büh­ren nur Ab­fäl­le der All­ge­mein­heit, nicht spe­zi­el­ler Grup­pen be­zahlt wer­den dür­fen. Ent­we­der wä­re der Win­del­sack kos­ten­pflich­tig, oder der Land­kreis müss­te die Ent­sor­gung et­wa aus ei­nem So­zi­al­etat quer­fi­nan­zie­ren. Zur Qu­er­fi­nan­zie­rung ist der Wer­k­aus­schuss nicht er­mäch­tigt. Die Fra­ge ist, ob der Kreis­tag die Idee auf­greift.

Der Vor­schlag ei­nes – zur Not auch ge­büh­ren­pflich­ti­gen – Laub­sacks, schei­ter­te an der Prak­ti­ka­bi­li­tät. Dann müss­te der Wa­gen, der die Bio­ton­ne leert, auch noch ei­nen An­hän­ger für Laub­sä­cke ha­ben, so Pre­s­te­le.

Sei­ne Er­läu­te­rung brach­te am En­de auch ei­nen drit­ten An­trag, dies­mal aus Gra­ben, zu Fall. Aus der Er­fah­rung der Gar­ten­be­sit­zer hieß es nun näm­lich: Ob Laub­sack oder nicht, das Pro­blem ist doch, dass die Bio­ton­ne ge­ra­de im Herbst zu schnell voll ist, um ne­ben He­cken­schnitt und Kü­chen­ab­fäl­len auch noch das gan­ze Laub auf­zu­neh­men. Al­so wä­re es hilf­reich, die Bio­ton­nen im Herbst wö­chent­lich, statt nur al­le zwei Wo­chen zu lee­ren. Doch da­mit sieht Pre­s­te­le das ei­gent­li­che Pro­blem er­reicht: die Ka­pa­zi­täts­gren­ze der Ver­gä­rungs­an­la­ge in Augs­burg. Seit Ein­füh­rung der Bio­en­er­giet­on­ne wer­den Grün­ab­fäl­le nicht mehr haupt­säch­lich kom­pos­tiert, son­dern in ei­ner Bio­gas­an­la­ge zu Strom. Mit jähr­lich 35 000 Ton­nen Mas­se aus dem Augs­bur­ger Land sei da­bei das ma­xi­ma­le Vo­lu­men längst er­reicht.

Ähn­lich wie beim Vor­schlag ei­ner oran­ge­far­be­nen Ton­ne für Re­cy­cling­s­tof­fe ver­weist Gün­ther Pre­s­te­le auf das be­ste­hen­de Netz an Sam­mel­stel­len im Land­kreis. Die Plät­ze für die Grün­gut­an­nah­me ge­hö­ren da­zu.

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Symbolfoto: Marcus Merk

Für vie­le Ab­fäl­le, die frü­her in der Rest­müll­ton­ne lan­de­ten, gibt es heu­te ei­ge­ne Sam­mel ton­nen.

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