Wenn im Ab­fall Ge­fah­ren lau­ern

In­ter­view For­scher Wolf­gang Rom­mel er­klärt, war­um zum Bei­spiel Elek­tro­schrott als Ge­fahr­gut gilt. Das Augs­bur­ger Um­welt­in­sti­tut bi­fa küm­mert sich um vie­le schwie­ri­ge Pro­blem­fäl­le

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburg -

Im All­tag be­kom­men Bür­ger nicht viel da­von mit, dass ih­re Mit­ar­bei­ter zur Ab­fall­ent­sor­gung und Wie­der­ver­wer­tung for­schen. Wem nützt ih­re For­schung?

Rom­mel: Wir ar­bei­ten kaum di­rekt mit Bür­gern zu­sam­men, son­dern bei­spiels­wei­se mit der Stadt, dem Ab­fall­zweck­ver­band oder mit Un­ter­neh­men. Ver­brau­cher ha­ben aber ei­nen in­di­rek­ten Nut­zen aus un­se­ren For­schungs­er­geb­nis­sen.

Wel­chen?

Rom­mel: Ein Bei­spiel: Wir ha­ben die Ab­fall­men­gen in Augs­burg ana­ly­siert. Da­bei ha­ben wir fest­ge­stellt, dass noch re­la­tiv vie­le klei­ne Elek­tro­ge­rä­te im Rest­müll lan­den, ob­wohl vie­le Tei­le wie­der­ver­wert­bar wä­ren. In der Fol­ge hat die Stadt Augs­burg an vie­len Wert­stoff­sam­mel­stel­len nun auch Con­tai­ner für Elek­tro­schrott auf­ge­stellt.

Wie kommt das an?

Rom­mel: Die Augs­bur­ger ha­ben es jetzt be­que­mer, wenn sie Ge­rä­te ent­sor­gen wol­len. Das macht sich in den Con­tai­nern be­merk­bar. Die Sam­mel­men­gen für klein­tei­li­gen Elek­tro­schrott sind spür­bar nach oben ge­gan­gen. Sie lie­gen nun deut­lich über den ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Quo­ten. Al­ler­dings gibt es schon wie­der ein neu­es Pro­blem...

Wa­ren Ga­la­xy No­te 7 Smart­pho­nes drin, die in Brand ge­ra­ten kön­nen?

Rom­mel: Nicht nur die kön­nen ge­fähr­lich sein. Als wir den In­halt der Elek­tro­schrott-Con­tai­ner un­ter­such­ten, fan­den wir vie­le Ge­rä­te mit Li­thi­um-Io­nen-Bat­te­ri­en. Die kom­men nicht nur in Smart­pho­nes vor, son­dern in sehr vie­len klei­nen Haus­halts­ge­rä­ten – an­ge­fan­gen bei der elek­tri­schen Zahn­bürs­te bis hin zum Mi­xer. Weil sich Li­thi­um leicht ent­zün­det, be­steht die Ge­fahr, dass Elek­tro­schrott-Con­tai­ner in Brand ge­ra­ten könn­ten.

An den Sam­mel­stel­len gibt es aber Schil­der, dass die Bat­te­ri­en ex­tra ent­sorgt wer­den sol­len ...

Rom­mel: Was die Brand­ge­fahr in den Con­tai­nern an­geht, kön­nen wir in­zwi­schen Ent­war­nung ge­ben. Aber das Pro­blem geht noch wei­ter. Wenn Elek­tro­schrott-Con­tai­ner trans­por­tiert wer­den, müs­sen sie als Ge­fah­ren­gut ein­ge­stuft wer­den. Denn nicht al­le Ak­kus kön­nen aus den Ge­rä­ten aus­ge­baut wer­den. Das könn­te da­zu füh­ren, dass die­se Form der Samm­lung wie­der ge­än­dert wer­den muss. Das deut­sche Um­welt­recht ist sehr kom­plex, was sich in vie­len Be­rei­chen recht­lich aus­wirkt.

Das bi­fa gibt es seit 25 Jah­ren in Augs­burg, über 1000 Pro­jek­te sind ge­lau­fen. Was konn­ten die For­scher im Raum Augs­burg be­wir­ken?

Rom­mel: Auch hier kann ich nur Bei­spie­le nen­nen. Auf un­se­re Initia­ti­ve geht ein gro­ßes Pro­jekt in Meit­in­gen zu­rück: Die Fir­ma SGL pro­du­ziert dort viel Ab­wär­me. Die­se soll in Zu­kunft in ein Nah­wär­me­netz flie­ßen und ein Neu­bau­ge­biet in der Nach­bar­schaft be­hei­zen. Das hat der Ge­mein­de­rat be­reits be­schlos­sen. In Fried­berg wird das Schul­zen­trum mit mo­bi­len Wär­me­con­tai­nern ver­sorgt, die von der Ab­fall­ver­wer­tungs­an­la­ge in Augs­burg kom­men. Wir ha­ben zu­sam­men mit dem Land­kreis Aichach-Fried­berg und der AVA da­für ge­sorgt, dass die vor­han­de­ne Tech­no­lo­gie der Wär­me­trans­por­te in ein prak­ti­sches Pro­jekt um­ge­setzt wur­de, das wirt­schaft­lich ist.

Was sind Er­fol­ge des bi­fa über den Raum Augs­burg hin­aus?

Rom­mel: Wir ha­ben für das in­ter­na­tio­na­le IT-Un­ter­neh­men Hew­let­tPa­ckard (HP) ei­ne Tech­no­lo­gie zur Wie­der­ver­wer­tung von Tin­ten­strahl­dru­cker-Pa­tro­nen ent­wi­ckelt. Sie ist welt­weit im Ein­satz. Ein wei­te­rer gro­ßer Er­folg ist, dass wir zwei gro­ße eu­ro­päi­sche For­schungs­pro­jek­te an Land zie­hen konn­ten. Der Weg war stei­nig, denn die Kon­kur­renz ist rie­sen­groß.

Wor­um geht es bei den eu­ro­päi­schen Pro­jek­ten?

Rom­mel: Bei dem ei­nen geht es um neue Ma­te­ria­li­en, mehr darf ich da­zu noch nicht sa­gen. Bei dem an­de­ren geht es um ei­ne neue Tech­no­lo­gie für So­lar­zel­len. In die­sem Be­reich ha­ben wir un­se­ren tech­ni­schen Vor­sprung an Chi­na ver­lo­ren. Das zeigt, dass man sich auf Er­fol­gen nicht aus­ru­hen darf. Man muss sich stän­dig wei­ter­ent­wi­ckeln. Wo­her kom­men die Kun­den des bi­fa?

Rom­mel: Wir ha­ben vor al­lem Kun­den aus Deutsch­land. Ich kann sa­gen, dass deutsch­land­weit Kom­mu­nen bei uns an­fra­gen, wenn sie ein Ab­fall­pro­blem ha­ben. Wir ar­bei­ten aber auch mit Auf­trag­ge­bern aus an­de­ren eu­ro­päi­schen Staa­ten zu­sam­men, ver­ein­zelt be­kom­men wir Auf­trä­ge aus den USA.

Wie geht es mit dem bi­fa wei­ter?

Rom­mel: Wir wol­len wei­ter mo­de­rat wach­sen und kom­ple­xe Pro­ble­me im Be­reich Um­welt lö­sen. Wir be­schäf­ti­gen uns in­ten­siv mit dem The­ma Res­sour­cen­ef­fi­zi­enz, denn Wie­der­ver­wer­tung ist kein Selbst­läu­fer. Re­cy­cling macht nur Sinn, wenn am En­de ein Pro­dukt steht. Ein neu­es The­ma ist für uns der Be­reich Ener­gie­wirt­schaft.

Hand aufs Herz, Herr Rom­mel, was war pri­vat Ih­re letz­te Um­welt­sün­de?

Rom­mel: Be­ruf­lich bin ich zu viel mit dem Au­to und Flug­zeug un­ter­wegs. Mei­ne CO2-Bi­lanz ist da­mit nicht bei­spiel­haft. Des­halb ver­su­chen mei­ne Frau und ich zum Aus­gleich, bei Ur­laubs­rei­sen aufs Flie­gen zu ver­zich­ten. Nie­mand ist per­fekt...

Rom­mel: Ge­nau. Aber ent­schei­dend ist, dass man sich die Din­ge be­wusst macht.

In­ter­view: Eva Ma­ria Kn­ab

Fo­to: Sil­vio Wy­szen­grad

In Augs­burg wird flei­ßig Elek­tro­schrott ge­sam­melt. Doch der Um­gang da­mit ist nicht ein­fach.

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