Bots

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Feuilleton - VON WOLF­GANG SCHÜTZ heu­te nä­her be­trach­tet:

Ob Sie das Wort nun ken­nen oder nicht – so­fern Sie nicht völ­lig oh­ne In­ter­net le­ben, ha­ben Sie un­wei­ger­lich und un­ent­wegt da­mit zu tun. Bots näm­lich ist ei­ne schnit­ti­ge Ab­kür­zung für das Eng­li­sche „Ro­bots“, al­so über­setzt für Ro­bo­ter. Weil das da­mit Be­zeich­ne­te aber un­ge­fähr so viel mit den in­tui­tiv ver­knüpf­ten men­schen­ähn­li­chen Ma­schi­nen­we­sen zu tun hat wie der Be­griff „So­ci­al Me­dia“für Netz­wer­ke wie Twit­ter und WhatsApp tat­säch­lich mit „So­zia­len“Me­di­en, al­so prak­tisch nichts, er­scheint es manch­mal eben rat­sam, die eng­li­schen Kunst­kurz­wör­ter auch ins Deut­sche zu über­neh­men.

Bots al­so. Wie „Dot­com“für In­ter­net-Un­ter­neh­men we­gen der Adress-En­dung „.com“(ge­spro­chen mit „Dot“für den Punkt); oder „Li­fe Hacks“für Tricks, die in den Ab­läu­fen des Le­bens (= Li­fe) cle­ve­re Rou­ten auf­zei­gen, wie sie sich Ha­cker im In­ter­net su­chen (= Hacks); oder „Ga­fam“für die Su­per­mäch­te der di­gi­ta­li­sier­ten Welt: Goog­le, App­le, Face­book, Ama­zon, Mi­cro­soft; oder „Boo­ten“nach dem Eng­li­schen „Boot“für den Stie­fel und da­mit al­so das kom­plet­te Not-Her­un­ter­fah­ren des Com­pu­ters als Stie­feln (Verb). Blöd? Kann man schon fin­den.

Bots al­so. Das sind Ma­schi­nen, die im Netz au­to­ma­ti­siert Nach­rich­ten schi­cken und be­ant­wor­ten. Oft zu Wer­be­zwe­cken ver­wen­det, aber oft auch im Be­reich „So­ci­al Me­dia“. Sie ha­ben ein Pro­fil wie Men­schen, ant­wor­ten auch wie wel­che, sind aber kei­ne. Die hei­ßen dann Chat­bots (von „Chat“für plau­dern). Das hat im ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf schon für Är­ger ge­sorgt, weil ein Drit­tel der Un­ter­stüt­zer Trumps in Wahr­heit Bots wa­ren, die Stim­mung ma­chen soll­ten, Mei­nungs­vor­macht be­haup­te­ten und al­so ma­ni­pu­lier­ten. Teu­er sind sie üb­ri­gens nicht mehr, die­se Bots. 10 000 au­to­ma­ti­sier­te Pro­fi­le bei Twit­ter gibt’s für 500 Dol­lar.

Bots. Ei­ne neue Stu­die hat her­aus­ge­fun­den, dass im ver­gan­ge­nen Jahr 51,8 Pro­zent des ge­sam­ten In­ter­net­ver­kehrs von die­sen Bots stamm­ten. Nur 48,2 Pro­zent von Men­schen. Das be­deu­tet jetzt schon: Die ab­so­lu­te Mehr­heit der Kom­mu­ni­ka­ti­on im In­ter­net läuft au­to­ma­ti­siert. Und wird künf­tig be­deu­ten: Im­mer mehr spre­chen auch im Be­reich „So­ci­al Me­dia“Bots mit Bots. Blöd? Kann man schon fin­den. Al­so die Bots bes­ser boo­ten, per Ge­setz? Oder aber: Sich freu­en, dass man als Mensch vi­el­leicht bald wie­der sei­ne Ru­he hat, wenn künf­tig die Ma­schi­nen mit Ma­schi­nen plau­dern.

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