Ka­nin­chen müss­te man sein!

Os­tern Es­sen, hüp­fen, fau­len­zen: Die Lang­oh­ren auf dem Er­leb­nis­bau­ern­hof in Her­pfen­ried ha­ben ein schö­nes Le­ben. Da­mit sich die Tie­re wohl füh­len, müs­sen die Be­sit­zer aber ein paar Din­ge be­ach­ten

Augsburger Allgemeine (Land West) - - Augsburger Land - VON MA­NUE­LA BAU­ER

Hor­gau Her­pfen­ried

Es­sen, hüp­fen, fau­len­zen ... „Ka­nin­chen müss­te man sein!“, sagt Carolin Reh und lacht. Sie hockt im Ka­nin­chen­ge­he­ge und krault Bel­la, ei­nen brau­nen Zwerg­wid­der. Die an­de­ren Tie­re nä­hern sich neu­gie­rig – es könn­te ja schließ­lich et­was zu fres­sen oder Strei­chel­ein­hei­ten ge­ben.

Hier, auf dem Er­leb­nis­bau­ern­hof in Her­pfen­ried, le­ben die Ka­nin­chen fast wie im Pa­ra­dies. Carolin Reh hat vor ei­ni­gen Mo­na­ten mit der Zucht be­gon­nen und den Tie­ren ein gro­ßes, art­ge­rech­tes Ge­he­ge ge­baut. Dar­in hop­peln die Hol­län­di­schen Zwerg­wid­der fröh­lich her­um. Die­se Ras­se bleibt sehr klein, hat sü­ße Schlapp­oh­ren, wird schnell zahm und sehr zu­trau­lich – al­les gu­te Vor­aus­set­zun­gen für Kin­der, die re­gel­mä­ßig auf dem Er­leb­nis­bau­ern­hof zu Be­such sind.

Wenn sich Men­schen nä­hern, dann ste­hen die sie­ben Ka­nin­chen so­fort am Zaun. Die Be­su­cher könn­ten schließ­lich Ess­ba­res da­bei ha­ben. „Für Fut­ter ma­chen sie fast al­les“, sagt Carolin Reh und lacht. Weil Ka­nin­chen den gan­zen Tag über fres­sen, um die Ver­dau­ung auf­recht zu er­hal­ten, muss Heu im­mer ver­füg­bar sein, er­klärt sie. Und weil die Zäh­ne stän­dig nach­wach­sen und sich ab­rei­ben müs­sen, soll­ten die Tie­re im­mer et­was zum Na­gen ha­ben. Reh weiß, dass vie­le ih­ren Haus­tie­ren har­tes Brot ge­ben. Das sei aber un­ge­sund – viel bes­ser sei­en Zwei­ge oder dün­ne Äs­te. Mit ih­ren Kin­dern pflückt die fünf­fa­che Mut­ter da­zu je­den Tag et­was Fri­sches, zum Bei­spiel Lö­wen­zahn und Spitz­we­ge­rich. Ka­rot­ten lie­ben die Ka­nin­chen na­tür­lich, aber auch Gur­ke, Sel­le­rie, Kohl­ra­bi und Pa­pri­ka. Im Win­ter, wenn es we­nig Ge­mü­se gibt, kann man so­gar Kohl füt­tern: „Man muss sie nur da­ran ge­wöh­nen und lang­sam an­fan­gen, dann be­kom­men sie kei­ne Blä­hun­gen.“

Die Her­pfen­rie­der Ka­nin­chen sind nicht nur im­mer hung­rig, sie sind auch neu­gie­rig, zu­trau­lich und ku­sche­lig. Die fünf­jäh­ri­ge Fio­na, Rehs jüngs­te Toch­ter, be­sucht sie re­gel­mä­ßig. Die Tie­re ge­nie­ßen es, von ihr ge­krault zu wer­den. Ei­ne Re­gel gilt al­ler­dings auf dem Er­leb­nis­bau­ern­hof: Die Ka­nin­chen wer­den nicht hoch­ge­nom­men. Wür­den sie ge­packt, dann könn­ten sie sich

wie von ei­nem Greif­vo­gel an­ge­grif­fen füh­len. Wenn man in die Ho­cke geht, dann las­sen sich Emil, Bat­man, Lu­na und die an­de­ren ger­ne strei­cheln.

wenn sie mö­gen, dann hüp­fen sie auch auf den Schoß. Das Ka­nin­chen­pa­ra­dies ha­ben die Rehs im De­zem­ber ge­baut. Es ist groß, hat vie­le Röh­ren, Ver­ste­cke, Häu­schen

und Aus­sichts­punk­te. Das ist wich­tig, denn so sind die na­tür­li­chen Be­dürf­nis­se, be­tont Carolin Reh: Die Tie­re müs­sen sich be­we­gen kön­nen, möch­ten gra­ben und na­gen, brauUnd chen auch Rück­zugs­räu­me. „Ide­al ist ein Frei­ge­he­ge mit ei­nem fes­ten Stall, in dem sie nachts vor Mar­dern und Füch­sen in Si­cher­heit sind“, sagt Reh. In Her­pfen­ried führt ei­ne zehn Me­ter lan­ge Röh­re vom Gar­ten in den Stall. Die Ka­nin­chen ha­ben ganz schnell ge­lernt, dass sie abends dort hin­ein krie­chen sol­len. Ge­lockt hat Carolin Reh sie – na­tür­lich – mit Fut­ter. Tags­über sind die Ka­nin­chen ganz­jäh­rig drau­ßen. „Käl­te ver­tra­gen sie so­gar bes­ser als Hit­ze“, sagt Reh. Des­halb sei Schat­ten im Som­mer be­son­ders wich­tig. Und na­tür­lich trin­ken. Sie stellt Scha­len und Töp­fe auf. Das sei na­tür­li­cher als die ver­brei­te­ten Trän­ken, aus de­nen das Was­ser nur tröpf­chen­wei­se kommt. Was der Kin­der­pfle­ge­rin und Wald­päd­ago­gin noch wich­tig ist: Ein Ka­nin­chen möch­te nicht al­lei­ne sein. In der Na­tur lebt es in Ko­lo­ni­en, als Haus­tier soll­te man im­mer min­des­tens zwei hal­ten. „Ein­zel­haft ist ganz schlimm für sie.“Ein gu­tes Paar wä­ren ein Weib­chen und ein kas­trier­tes Männ­chen oder zwei kas­trier­te Männ­chen. Zwei Weib­chen sei­en da­ge­gen oft zi­ckig und strei­ten, zwei Ramm­ler wol­len ihr Re­vier ver­tei­di­gen. Wenn ge­nü­gend Platz ist, kann aber auch das funk­tio­nie­ren. Auf dem Hof le­ben ge­ra­de sie­ben Weib­chen und kas­trier­te Männ­chen zu­sam­men. Die drei Zucht­ramm­ler ha­ben je­weils ein ei­ge­nes Ge­he­ge.

Weib­chen Isa ist zur­zeit nicht bei den an­de­ren. Es hat vor vier Wo­chen Jun­ge be­kom­men. Zu­nächst wa­ren sie nackt und blind, blie­ben im Nest. Nun ent­de­cken sie lang­sam ih­re Um­welt. Es ist schon sehr put­zig, wie die drei flau­schi­gen Fell­knäu­el durch die Wie­se hop­sen. Zur­zeit ste­hen ih­re Oh­ren noch ab – erst in ein paar Ta­gen wer­den sie kip­pen, dann ha­ben sie die für Zwerg­wid­der ty­pi­schen Schlapp­oh­ren. Aber jetzt steht erst­mal ein Ver­wand­ter der Klei­nen im Vor­der­grund: der Os­ter­ha­se. Die klei­ne Fio­na ist sich si­cher, dass der am Sonn­tag auf den Hof kommt. Im Ka­nin­chen­ge­he­ge wohnt er al­ler­dings nicht, das weiß die Fünf­jäh­ri­ge. Manch­mal fin­den die Rehs dort trotz­dem Eier: Die frei­lau­fen­den Hüh­ner le­gen sie ger­ne da ab. „Aber die Eier sind nicht bunt. Und nicht ge­kocht!“, weiß Fio­na. Sol­che be­son­de­ren Eier hat eben nur der Os­ter­ha­se da­bei.

Fo­to: Mar­cus Merk

Auf dem Er­leb­nis­bau­ern­hof in Her­pfen­ried ha­ben die Tie­re ein schö­nes Le­ben. Auch die Ka­nin­chen füh­len sich wohl und ku­scheln sich an­ein­an­der.

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